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Negative soziale BindungenStressige Mitmenschen kosten Lebenszeit

18.03.2026, 10:04 Uhr
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Sozialkontakte gehören zu den Grundvoraussetzungen für gesundes Altern. Doch es gibt Ausnahmen, die sogar das Leben verkürzen könnten, wie Forschende mit einer Untersuchung zeigen.

Wer in seinen sozialen Netzwerken ständig auf eine oder mehrere schwierige Personen trifft, altert messbar schneller. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Forschenden der New York University. Schwierige Personen werden vom Forschungsteam als Personen definiert, die Probleme verursachen oder das Leben erschweren. Das können Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn und Mitbewohner, aber auch Arbeitskollegen sein. Also alle, die man immer wieder im direkten Lebensumfeld hat. Sie werden als "Störenfriede" bezeichnet.

"Nicht alle sozialen Kontakte sind förderlich", wird der Hauptautor Byungkyu Lee von der "Washington Post" zitiert. "Diese weniger positiven Beziehungen können als chronische Stressfaktoren wirken, sodass die Anwesenheit solcher Menschen das Leben tatsächlich sehr erschwert."

Chronischer Stress und das biologische Alter

Chronischer Stress ist ein anerkannter Faktor für biologisches Altern. Er hinterlässt Spuren im Erbgut, fördert Entzündungsprozesse und führt zu Schäden in den Zellen. Zudem steigt das Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln. Die Forschenden wollten nun wissen, ob Störenfriede im sozialen Umfeld vergleichbare Auswirkungen wie andere chronische Stressfaktoren, zum Beispiel Armut, Arbeitslosigkeit oder Diskriminierung, haben.

Sie ermittelten deshalb zunächst das biologische Alter von insgesamt 2345 Personen. Das chronologische Alter lag zum Zeitpunkt der Studie bei den Probanden und Probandinnen zwischen 18 und 103 Jahren. Die Teilnehmer wurden außerdem gebeten, Personen aufzuzählen, mit denen sie Zeit verbringen, mit denen sie über persönliche oder gesundheitliche Angelegenheiten sprechen oder die ihre Gesundheitsgewohnheiten beeinflussen. Entscheidend war auch die Frage, ob es in ihrem sozialen Netzwerk Menschen gibt, die ihnen häufig Stress bereiten oder ihnen das Leben schwer machen.

Nicht alle Nervensägen sind Störenfriede

Das Forschungsteam teilte diese Nervensägen in zwei Gruppen. Nur diejenigen, die häufig Stress verursachten, wurden auch als echte Störenfriede gesehen. Diejenigen dagegen, die nur gelegentlich Stress bei den Studienteilnehmern verursachten, nicht.

Das Ergebnis: Knapp 30 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einen Störenfried in ihrem sozialen Netzwerk zu haben. Bei rund 10 Prozent waren es sogar zwei. Das ist ein Befund dafür, dass negative soziale Beziehungen einen Teil der sozialen Netzwerke ausmachen. Die Messung der Alterungsbiomarker ergab zudem, dass Menschen mit einem Störenfried in ihrer Umgebung ein um etwa neun Monate höheres biologisches Alter aufwiesen. Konkret gehen die Forscher davon aus, dass sich der Alterungsprozess pro Stressfaktor um 1,5 Prozent beschleunigt. Hat man also drei Stressfaktoren im Leben, ist man laut biologischen Alter zweieinhalb Jahre älter als jemand im gleichen Alter ohne diese Stressfaktoren.

Die Auswirkungen von Störenfrieden sind noch stärker, wenn der Stress durch ein Familienmitglied ausgelöst wird, das im Zentrum des sozialen Netzwerks steht. "Ein Störenfried kann ein Elternteil oder ein Geschwisterkind sein, das immer wieder Konflikte verursacht, ein Freund oder eine andere Person aus Ihrem engsten Umfeld, die regelmäßig Ihre Zeit und emotionale Energie in Anspruch nimmt", wird Lee von BBC dazu zitiert. "Im Alltag könnte das zum Beispiel ein Familienmitglied sein, das ständig Hilfe verlangt oder einen kritisiert, ein Freund, der für Drama sorgt, oder jemand, mit dem man sich verpflichtet fühlt, weiterhin Kontakt zu halten, obwohl die Beziehung permanent belastend ist."

Bei Partnern ist es anders

Überraschenderweise stellten die Forscher jedoch fest, dass ein Partner, der ständig Stress verursacht, nicht denselben negativen Einfluss auf die Gesundheit hat wie andere Störenfriede. Möglich wäre, dass die positiven Aspekte gemeinsamer Routinen, Ressourcen und emotionaler Nähe das biologische Stressmuster möglicherweise auf eine Weise ausgleichen, wie es in anderen Beziehungen nicht möglich ist, mutmaßt Lee.

Außerdem ergab die Untersuchung, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die anfälliger für die Belästigungen durch andere sind. Dazu gehören Frauen, Personen, die täglich rauchen, Menschen mit schlechter Gesundheit und Menschen, die eine schwierige Kindheit hatten. "Eine Möglichkeit ist, dass Menschen, die bereits Stress haben oder über weniger Ressourcen verfügen, weniger in der Lage sind, schwierige Beziehungen zu vermeiden, abzufedern oder sich von ihnen zu lösen, sodass chronischer Stress sich stärker im Alltag verankert", so Lee.

Auch wenn die Untersuchungsergebnisse kein Beweis für einen Kausalzusammenhang liefern, sind sie jedoch ein Hinweis darauf, dass negative Beziehungen zu chronischem Stress führen können. Aus diesem Grund solle man Beziehungen sorgfältig überdenken, Störenfriede möglichst meiden und die Verbindungen abbrechen, wenn man das Gefühl habe, dass jemand viel Negativität und Stress in das eigene Leben bringe, rät Lee. Auch wenn dies eine unglaublich schwierige Entscheidung sein könne. Die Ergebnisse der Untersuchung erschienen im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS).

Quelle: ntv.de, jaz

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