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Im Golf von Bengalen Neue Todeszone im Meer entdeckt

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Die Karte zeigt die angrenzenden Länder am Golf von Bengalen.

CC BY-SA 3.0 / Wikipedia.org

Es gibt sie im Atlantik, im Schwarzen Meer und sogar in der Ostsee: sogenannte Todeszonen, in denen wegen Sauerstoffmangels kein Leben mehr möglich ist. Eine weitere spüren Forscher im Indischen Ozean auf, allerdings ist diese anders.

Forscher haben im Golf von Bengalen eine weitere Todeszone ausfindig gemacht. Die sauerstofffreie Region im Indischen Ozean soll rund 60.000 Quadratkilometer groß sein und sich in einer Wassertiefe von 100 bis 400 Metern ausgebreitet haben. Das berichtet ein Forscherteam. Doch diese Todeszone ist anders als andere. Aus ihr entweicht kein Stickstoff.

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Das Atomkraftwerk Koodankulam steht am Golf von Bengalen.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Die Situation im Golf von Bengalen hat uns lange Zeit vor ein Rätsel gestellt, denn mit herkömmlichen Messmethoden konnte zwar kein Sauerstoff nachgewiesen werden, trotzdem gab es keinerlei Anzeichen von Stickstoffverlusten, die für andere Todeszonen so typisch sind", erläutert Laura Bristow von der University of Southern Denmark die Besonderheit. Die Forscher wollten es nun genau wissen. Sie setzten neue, empfindliche Sauerstoffsensoren in diesem Bereich ein und entdeckten winzige Reste davon im Wasser. Diese sind so klein, dass tierisches Leben unmöglich ist. Auf die sogenannten anaerobe Mikroben, das sind Mikroorganismen, die ohne Sauerstoff überleben können, haben diese Sauerstoffreste aber Auswirkungen.

Sauerstoffreste bremsen Mikroorganismen

Diese Sauerstoffanteile, gerade mal ein Zehntausendstel vom sauerstoffgesättigtem Oberflächenwasser, reichen aus, um die Mikroorganismen, die in anderen Todeszonen Stickstoff abbauen und in die Atmosphäre abgeben, auszubremsen. "Das ist schon eine verrückte Sache. Die Mikroben sind anwesend und könnten große Mengen an Stickstoff entfernen, werden aber durch die minimalen Spuren von Sauerstoff an ihrem Job gehindert", fasst Bristow die Ergebnisse zusammen.

Auch wenn die Stickstoffproduktion durch die Sauerstoffreste reduziert ist, gibt es keine Entwarnung für die Todeszone am Golf von Bengalen. Angesichts der wachsenden Bevölkerung in den angrenzenden Küstengebieten, der vermehrten Einleitung von Düngemitteln ins Wasser und der Erwärmung der Meere steht der Golf von Bengalen auf der Kippe. Verschwinden auch die letzten winzigen Sauerstoffreste, dann wird die daraus resultierende Stickstoffsenke nicht nur Auswirkungen auf die Region, sondern auf die gesamte Welt haben. Welche das genau sein werden, wollen die Forscher in Zukunft mit mathematischen Modellen berechnen.

Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Nature Geosciene".

Quelle: n-tv.de, jaz

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