Nicht für alle StarkraucherNeues Lungenscreening soll Raucherleben retten

Langjährige starke Raucherinnen und Raucher können künftig einmal im Jahr eine kostenlose Untersuchung zur Früherkennung von Lungenkrebs in Anspruch nehmen. Ab April haben Betroffene Anspruch auf die jährliche Untersuchung mittels Niedrigdosis-Computertomographie (CT). Allerdings könnte es noch etwas dauern, bis Termine flächendeckend verfügbar sind. Eine Auswahl wichtiger Aspekte:
Wer kann die Lungenkrebs-Früherkennung nutzen?
Das Angebot richtet sich an starke Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren. Es geht nur um Zigaretten, nicht um andere Tabakprodukte. Die Personen müssen mindestens 25 Jahre ohne lange Unterbrechung geraucht haben und mindestens 15 Packungsjahre haben. Die Packungsjahre errechnet man, indem man die Zahl der pro Tag gerauchten Zigarettenpackungen mit der Zahl der Raucherjahre multipliziert.
"Auch Ex-Raucher können an den Untersuchungen teilnehmen, insofern sie nicht länger als zehn Jahre abstinent waren", erklärte Stefan Sauerland vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) dazu. Das IQWIG gibt auf seiner Website ausführliche Hinweise.
Wie viele Menschen betrifft das?
Nach Angaben von Sauerland gibt es geschätzt zwei Millionen Menschen in Deutschland, auf die die Kriterien zutreffen. Bislang konnten Raucherinnen und Raucher nur eine Computertomographie (CT) machen lassen, wenn sie Symptome hatten, zum Beispiel Bluthusten.
Ab wann kann das Angebot kostenlos genutzt werden?
Bis das neue Screening überall genutzt werden könne, sei noch etwas Geduld erforderlich, erklärte Bernhard van Treeck, unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) und Vorsitzender des Unterausschusses Methodenbewertung kürzlich. "Ärztinnen und Ärzte, die bei den Versicherten die Voraussetzungen für eine Screening-Teilnahme prüfen und anschließend an eine radiologische Praxis überweisen dürfen, benötigen eine besondere Fortbildung." Radiologinnen und Radiologen bräuchten zusätzlich zur Fortbildung die Genehmigung einer Kassenärztlichen Vereinigung, eine NDCT-Aufnahme anfertigen und begutachten zu können.
Gab es die Untersuchung schon früher?
Theoretisch können Betroffene die CT-Untersuchung schon seit Juli 2024 in Anspruch nehmen - allerdings vorerst auf eigene Kosten. Damals trat die Verordnung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz in Kraft, die Grundlage für den GBA-Beschluss ist.
Wie können Betroffene am Screening teilnehmen?
Versicherte können sich an eine allgemeinmedizinische oder internistische Praxis wenden, die sich an der Lungenkrebs-Früherkennung beteiligt, wie der GBA erklärte. Die Ärztin oder der Arzt klärt, ob die Kriterien auf die Person zutreffen.
Was sind die Vorteile?
Je früher Krebs entdeckt wird, desto höher sind die Chancen auf Heilung und desto niedriger ist die Zahl der Todesfälle. Durch die Niedrigdosis-CT kann Lungenkrebs nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) mit hoher Sicherheit erkannt werden, bevor Krankheitszeichen auftreten.
"Wir wissen aus Studien, dass man durch die Früherkennung 20 Prozent der Krebstodesfälle in dieser Zielgruppe vermeiden könnte", sagte Sauerland. Wenn alle zur Früherkennung gehen würden, könnten dem Arzt zufolge in Deutschland bis zu 1.000 Krebstodesfälle pro Jahr verhindert werden. Ohne eine Früherkennung wird Lungenkrebs nach Angaben des Universitätsprofessors in drei Viertel der Fälle erst in einem fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Die Prognose ist dann in der Regel schlecht. "In den folgenden fünf Jahren sterben rund 80 Prozent dieser Menschen."
Gibt es Risiken?
Wie bei jeder Röntgenuntersuchung gibt es bei der CT-Untersuchung eine Strahlenbelastung, die möglicherweise selbst zur Entstehung von Krebs beitragen kann. Das Bundesamt für Strahlenschutz schätzt, dass bei weniger als 3 von 1000 Frauen und bei rund 1 von 1000 Männern innerhalb von 25 Jahren Krebs entsteht. Im Verhältnis zur normalen Krebsinzidenz sei das aber akzeptabel, sagte Sauerland.
Außerdem sei möglich, dass es falsch-positive Ergebnisse gebe und verdächtige Veränderungen sich am Ende als gutartig herausstellen. Patienten müssten sich dann möglicherweise einer Untersuchung unterziehen, etwa einer Biopsie, obwohl das nicht nötig gewesen wäre. Insgesamt überwiegt für die Zielgruppe der Nutzen die Risiken, so die Einschätzung des Bundesamts für Strahlenschutz. Dafür sei aber ein stringentes Qualitätsmanagement für den gesamten Früherkennungsprozess und eine regelmäßige Evaluation der Maßnahme wichtig.
Wie viele Menschen erkranken jährlich an Lungenkrebs?
Jedes Jahr erkranken nach Angaben des DKFZ rund 56.500 Menschen in Deutschland an Lungenkrebs. Bei Männern ist Lungenkrebs demzufolge mit rund 28.000 Verstorbenen pro Jahr die häufigste Krebs-Todesursache. Bei Frauen ist es mit 17.000 Todesfällen die zweithäufigste. In Deutschland seien bei Männern vermutlich neun von zehn, bei Frauen mindestens sechs von zehn Lungenkrebserkrankungen auf das aktive Rauchen zurückzuführen.