Wissen

Bei Frauen mit viel Dopamin Prokrastinieren ist auch genetisch bedingt

imago90524735h.jpg

Erinnerungszettel oder -listen helfen manchen, die wichtigen Dinge nicht aus den Augen zu verlieren.

(Foto: imago images / Westend61)

"Das mache ich morgen" ist ein vielgesagter Satz von Menschen, die Dinge aufschieben. Wer allerdings zu viel vor sich herschiebt, bekommt Probleme. Forscher suchen deshalb nach Ursachen und werden bei Frauen fündig.

Das Aufschieben von unangenehmen Erledigungen ist menschlich. Doch manchmal wird zu viel aufgeschoben. Das führt zwangläufig zu Problemen: Partnerschaften leiden, im Beruf geht es nicht voran und Mahnungen verstopfen den Briefkasten. Prokrastination, so der Fachausdruck, tritt nicht bei jedem Menschen gleich stark auf. Manchen Menschen scheint es viel leichterzufallen als anderen, die wichtigen Dinge des Lebens zu erledigen beziehungsweise ihre Ziele zu verfolgen.

Prokrastination

Prokrastination ist extremes Aufschieben. Der Begriff steht für eine pathologische Störung, bei der durch unnötiges Vertagen oder Unterbrechen von Aufgaben ein Fertigstellen nicht oder nur unter Druck zustande kommt. Betroffene leiden oftmals darunter.

Das Wort Prokrastination ist aus dem lateinischen procrastinare abgeleitet. Das setzt sich aus pro (für) und crastinum (morgen) zusammen. Das Gegenteil der Prokrastination ist die Präkrastination.

Da die Präkrastination bisher nicht als psychische Störung anerkannt ist, gibt es auch keine wissenschaftlich untersuchten Behandlungsansätze.

Bereits bekannt ist, dass der Botenstoff Dopamin, umgangssprachlich auch als Glückshormon bezeichnet, beim Aufschieben eine Rolle spielt. Um herauszubekommen, welche Faktoren außerdem dazu führen, dass manche Menschen Wichtiges auf die lange Bank schieben, haben sich Forscher der Ruhr-Universität Bochum die genetischen Daten von insgesamt 278 Frauen und Männern genauer angesehen. Zusätzlich sollten die Probanden mit einem Fragebogen einschätzen, wie gut sie ihre Handlungen kontrollieren können. Die Forscher nahmen die Angaben als Indiz für den Hang zum Aufschieben.

Das Team um Caroline Schlüter stellte sich nun die Frage, ob genetisch bedingte Unterschiede bei der Ausschüttung von Dopamin im Zusammenhang mit Prokrastination stehen. Für die Ausschüttung von Dopamin und anderer überwiegend erregend wirkender Neurotransmitter ist ein bestimmtes Gen zuständig. Das sogenannte Tyrosinhydroxlase-Gen, kurz TH-Gen, ist unter anderem verantwortlich dafür, ob viel oder wenig Dopamin im Gehirn ankommt.

Botenstoffe und Hormone

Bekannt ist auch, dass eine höhere Dopamin-Konzentration zu einer erhöhten kognitiven Flexibilität führt, die wiederum mit einer größeren Ablenkbarkeit in Verbindung gebracht wird. Menschen mit einer höheren Dopamin-Konzentration fällt es also schwerer, ihre Dinge zu erledigen.

Bei der Auswertung aller Daten stellten die Forscher fest, dass Frauen mit erhöhter Ablenkbarkeit auch eine genetische Veranlagung für einen höheren Dopaminspiegel in sich tragen; bei Männern konnte dieser Zusammenhang nicht festgestellt werden. Betroffene könnten also eher zum Aufschieben neigen, weil sie sich stärker ablenken ließen, fassen die Psychologen zusammen. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Social Cognitive and Affective Neuroscience" der Oxford Academic veröffentlicht.

Die Forscher gehen aufgrund ihrer Ergebnisse davon aus, dass auch das Hormon Östrogen eine Rolle bei der Dopamin-Produktion spielt. "Frauen könnten also aufgrund des Östrogens empfänglicher für die genetisch bedingten Unterschiede im Dopaminlevel sein, was sich wiederum im Verhalten niederschlägt", erklärt Erhan Genç, der ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hat. In weiteren Untersuchungen will das Forschungsteam deshalb auch die Menstruationszyklen und die Schwankungen im Östrogenspiegel von Studienteilnehmerinnen testen.  

Quelle: n-tv.de, jaz

Mehr zum Thema