Wissen

Supermarkt-Psychologie Wie Menschen zu gesünderen Lebensmitteln greifen

269002072.jpg

Wenn auf den Sonderflächen weniger Ungesundes steht, wird es auch weniger gekauft.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Obst und Gemüse sind gesund, Süßigkeiten und hochverarbeitete Lebensmittel eher nicht. Das wissen die meisten Menschen auch, kaufen dann aber doch wieder Schokolade und Pommes. Doch das lässt sich ändern, finden Forschende heraus.

Dass in Supermärkten mit allerhand Psychologie gearbeitet wird, ist ein offenes Geheimnis. Die Platzierung von Obst und Gemüse, der Fleischtheke und dem Kühlregal sind mit Bedacht so gewählt, dass wir uns die Einkaufswagen möglichst vollpacken. Britische Wissenschaftlerinnen haben in zwei Studien untersucht, ob ähnliche Mechanismen genutzt werden könnten, damit mehr gesunde und weniger ungesunde Lebensmittel gekauft werden.

Tatsächlich machte eine verbesserte Angebotsstruktur einen Unterschied, während Sonderangebote nur kurzfristige Effekte brachten. Schoko-Osterhasen vor Ostern, Lebkuchen vor Weihnachten: Sonderflächen in Supermärkten verführen zum Kauf von Naschkram. Ein Team um Carmen Piernas von der University of Oxford untersuchte, was passiert, wenn diese Sonderflächen nicht eingerichtet werden: In 34 Filialen einer Supermarktkette wurden vor Ostern entsprechende Displays mit saisonalen Süßigkeiten entfernt - waren aber noch an anderer Stelle im Geschäft erhältlich.

Tatsächlich stellten die Forscherinnen fest, dass der sonst übliche saisonale Anstieg des Süßwarenumsatzes durch die Entfernung der Displays geringer ausfiel: In Kontrollgeschäften mit Sonderflächen stieg der Süßwarenumsatz in der vorösterlichen Zeit um 18 Prozent, in den Interventionsgeschäften nur um 5 Prozent.

Psychologische Ansätze zum Verkauf gesünderer Lebensmittel

Mehr zum Thema

In einer zweiten Studie untersuchte das Team Maßnahmen für den Verkauf gesünderer Optionen: Wurden fettarme Pommes im Angebot eines Supermarktes ergänzt, ging der Verkauf regulärer Pommes um 23 Prozent zurück. Bei einer größeren Bandbreite zuckerreduzierter Kekse griffen die Kunden eher zu den kalorienarmen Optionen (plus 18 Prozent) und kauften weniger normale Kekse (minus 4 Prozent).

Kurzfristig höhere Absätze brachten gezielte Sonderangebote für saisonales Obst und Gemüse sowie eine Aktion, bei der mit Disney-Figuren für ausgewählte Früchte und gebackene Bohnen geworben wurde. Die Autorinnen betonen allerdings auch, dass sich die untersuchten Interventionen darauf konzentrierten, den Wechsel von einer weniger gesunden zu einer gesünderen Option zu fördern oder den Gesamtabsatz von gesunden Lebensmitteln wie Obst und Gemüse zu steigern. "Die Auswirkung dieser Maßnahmen auf den Gesamtenergiegehalt von Lebensmittelkäufen ist wahrscheinlich wesentlich geringer als Maßnahmen, die speziell darauf abzielen, Impulskäufe zu reduzieren, wie zum Beispiel die Entfernung von Lebensmitteln mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt an prominenten Stellen wie am Ende der Gänge."

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 27. März 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, sba/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen