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1000-jährige Leiche in Sarkophag Rätsel um Mainzer Kirchenfund gelöst

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Nach der Öffnung des Sarkophags im Juni wurden Reste von Textilien und die Goldbordüre einer Bischofsmütze sichtbar. Sie gehörten wohl Erkanbald.

(Foto: imago images / epd)

Im Juni werden bei Sanierungsarbeiten in der Mainzer Johanniskirche mehr als 400.000 archäologische Fundstücke ausgegraben - darunter ein rund 1000 Jahre alter Sarkophag. Nach monatelangen Untersuchungen ist nun bekannt, wer der darin Bestattete ist.

Rund fünf Monate nach der Öffnung eines rund 1000 Jahre alten Sarkophags in der Johanniskirche in Mainz haben die Untersuchungen ergeben, dass es sich bei dem darin Bestatteten um Bischof Erkanbald aus dem elften Jahrhundert handeln dürfte. "Wir gehen davon aus, dass er es ist", sagte Dekan Andreas Klodt bei der Vorstellung der Forschungsergebnisse in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt.

Bei der Öffnung des Sarkophags im Juni waren Reste von Textilien und die Goldbordüre einer Mitra, des traditionellen Bischofhuts, zu erkennen gewesen. Goldstreifen befanden sich auch an den Armen. Die Identität des Bestatteten blieb zunächst offen. Es wurde aber vermutet, dass es sich um Erkanbald handeln könnte, der von 1011 bis zu seinem Tod 1021 Mainzer Erzbischof war.

In dem Sarkophag kann nur ein Erzbischof liegen

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Inzwischen ist der Deckel des Sarkophags wieder geschlossen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Untersuchung von Kleidungs- und Schuhfragmenten zeige, dass in dem Sarkophag nur ein Erzbischof liegen könne, der um das Jahr 1000 bestattet worden sei, sagte nun der wissenschaftliche Forschungsleiter Guido Faccani. Es müsse sich um Erkanbald handeln, denn nur er habe sich in seiner Amtskirche bestatten lassen.

Sämtliche Vorgänger Erkanbalds ließen sich außerhalb von Mainz bestatten. Lediglich der direkte Vorgänger, Bischof Willigis, wurde in Mainz begraben - allerdings in einer anderen Kirche. Die Nachfolger Erkanbalds wurden im heutigen Dom St. Martin bestattet.

Erkenntnisse zur Funktion der Kirche im 1. Jahrtausend erhofft

Das Bistum Mainz und das Evangelische Dekanat Rheinhessen hatten sich im Vorfeld der Sarkophagöffnung Erkenntnisse zur Funktion der Kirche im 1. Jahrtausend erhofft. Der Sarkophag war bei Sanierungsarbeiten im Mittelschiff der Kirche entdeckt worden.

Ursprünglich war der Boden für eine Fußbodenheizung aufgegraben worden. Insgesamt wurden bei der Sanierung mehr als 400.000 archäologische Fundstücke ausgegraben. Eine internationale Forschergruppe übernahm die Untersuchungen.

Quelle: n-tv.de, abe/AFP