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Als gängigste Hypothese gilt derzeit, dass Kometen um KIC 8462852 kreisen. Das glauben jedoch nicht alle Wissenschaftler.
Als gängigste Hypothese gilt derzeit, dass Kometen um KIC 8462852 kreisen. Das glauben jedoch nicht alle Wissenschaftler.(Foto: Nasa)
Donnerstag, 12. Mai 2016

Beobachtungen widerlegt: Rätselhafter "Alien-Stern" wird nicht dunkler

Von Fabian Maysenhölder

Aus dem Stern KIC 846285 werden Astronomen nicht schlau. Beobachtungen, die eine Theorie um Außerirdische befeuert hatten, sind nicht stichhaltig - das zeigt eine Studie. Des Rätsels Lösung steht noch aus.

Kein Himmelskörper hat in den letzten Monaten für so viel Trubel gesorgt wie der Stern KIC 8462852. Zuerst beobachtete das Weltraumteleskop Kepler Lichtschwankungen, die sich niemand erklären kann. Das rief die wildesten Spekulationen hervor, selbst seriöse Wissenschaftler brachten außerirdische Konstruktionen ins Gespräch, die das Licht absorbieren könnten. Man begann, nach Radiosignalen zu suchen - erfolglos. Im Januar schließlich machte eine neuerliche Untersuchung alles noch undurchschaubarer: Der US-Astronom Bradley Schaefer von der Lousiana State University stellte fest, dass der Stern im Laufe der vergangenen 100 Jahre rund ein Fünftel seiner Helligkeit verloren haben soll.

Warum, war unklar. Theorien über eine außerirdische Zivilisation wurden weiter befeuert. Ist der Helligkeitsverlust vielleicht ein Hinweis darauf, dass Aliens dort tatsächlich im vergangenen Jahrhundert eine Konstruktion um den Stern - eine sogenannte Dyson-Sphäre - errichtet haben? Das könnte erklären, warum uns der Stern immer dunkler erscheint.

Nach Schaefers Veröffentlichungen beschlossen auch der deutsche Astronom Michael Hippke und der US-Astrophysiker Daniel Angerhausen, sich mit der Sache auseinanderzusetzen. "Unser Gedanke war: Wenn das stimmt, wäre es das größte Ding der Geschichte", schreibt Hippke auf dem amerikanischen Blog "Centauri Dreams" über seine Motivation. Man habe also angefangen, selbst nachzuforschen. "Wir haben die Kepler-Daten überprüft, die waren hieb- und stichfest", so Hippke. Anders jedoch sieht es mit den Daten aus, die Schaefer präsentiert hatte: der angebliche Helligkeitsverlust im letzten Jahrhundert. Dort wiesen Hippke und seine Kollegen Unstimmigkeiten nach. Ihre Erkenntnisse wurden nun im renommierten "Astrophysical Journal" veröffentlicht.

Instrumente ändern sich, der Stern nicht

Das Fazit ist ernüchternd: "Die Ergebnisse der neuen Studie zeigen, dass es sehr unwahrscheinlich ist, das KIC 8462852 die Heimat einer weit fortgeschrittenenen Alien-Zivilisation ist, die Stück für Stück eine Dyson-Sphäre um den Stern errichten", heißt es in einer Mitteilung der Vanderbilt-Universität, deren Forscher an der Studie beteiligt waren. Und nicht nur das: Die nun veröffentlichte Studie zeigt, dass Schaefers Beobachtungen von einer stetigen Verdunkelung des Sterns schlicht nicht haltbar sind.

Die Forscher analysierten die Helligkeitsveränderungen von vergleichbaren Sternen im selben Zeitraum. Sie nutzten dafür dieselbe Datenbank wie Schaefer für seine Erkenntnisse über den mysteriösen Alien-Stern. Dabei stellten sie fest: Auch bei den Vergleichssternen zeigen sich Lichtschwankungen. "Das deutet darauf hin, dass der Helligkeitsabfall mit Veränderungen der Messinstrumente zu erklären ist - und nicht mit Veränderungen in der Helligkeit des Sterns."

Was bedeutet das aber nun für unser Wissen über den rund 1500 Lichtjahre entfernten KIC 8462852? Der Himmelskörper bleibt ein Rätsel, auch wenn er in den vergangenen 100 Jahren nicht an Helligkeit verloren hat. Die kurzzeitigen Lichtschwankungen, die Kepler beobachtet hat - und die den Stern in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt hatten - sind real. Und nach wie vor nicht zufriedenstellend zu erklären. Teleskope, mit denen wir einfach nachschauen könnten, was diese Schwankungen verursacht, existieren nicht.

Momentan bleibt nur eines: abwarten. Mehrere Forschungsprojekte befassen sich derzeit mit dem merkwürdigen Stern. Möglicherweise wissen wir durch die Beobachtung und Analyse weiterer Lichtschwankungen bald genauer, was für ein Objekt ihn umkreist. Bis dahin bleibt das Rätsel um KIC 8462852 ungelöst.

Quelle: n-tv.de