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Hoffnung auf warmes Wetter Rettet uns der Frühling vor Corona-Epidemie?

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Hohe Temperaturen sind für manche Viren-Arten schlechte Bedingungen.

(Foto: imago images/Jan Eifert)

Das Coronavirus breitet sich derzeit auch in Deutschland aus - doch es gibt die Hoffnung, dass warmes Wetter den Erreger wieder eindämmt. Denn für ähnliche Viren sind hohe Temperaturen bekanntermaßen ein Problem. Doch trifft das auch auf Sars-CoV-2 zu?

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Deutschland steigt weiter. Doch möglicherweise bleibt uns hierzulande dank der günstigen Zeit das Schlimmste erspart. Denn laut Experten sind milde Temperaturen ein echtes Problem für jene Art von Viren, zu denen auch Sars-CoV-2 gehört. Und an warmen Tagen im Frühjahr besteht mit dem fortschreitenden Klimawandel kein Mangel. Wird uns ein sonniger Frühling also retten?

US-Präsident Donald Trump brachte diese Idee bereits Mitte Februar ins Spiel: Auf einer Veranstaltung in New Hampshire rief er der Menge zu: "Wisst ihr, theoretisch, wenn es ein bisschen wärmer wird, verschwindet es auf wundersame Weise." Er meinte das Coronavirus. Und der Virologe und Seuchenforscher Alexander Kekulé von der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg äußerte jüngst seine Hoffnung, dass das Virus im Sommer "deutlich runter" gehe. Dies sei jedenfalls beim Sars-Erreger vor 17 Jahren der Fall gewesen, mit dem das neuartige Coronavirus eng verwandt ist.

Es spricht tatsächlich einiges dafür, dass ein warmer Frühling beim Kampf gegen den Covid-19-Erreger helfen könnte. Denn Viren sind bei tiefen Temperaturen stabiler, erklärte Virologe Thomas Pietschmann vom Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover gegenüber der Deutschen Welle. "Das ist ähnlich wie beim Essen, welches sich am längsten im Kühlschrank hält."

Virus-Hülle nicht hitzebeständig

Wärme hingegen ist eine Bedrohung für den Erreger: "Das Coronavirus ist von einer Lipidschicht umgeben, in anderen Worten: einer Schicht aus Fett", so Pietschmann. Diese Schicht sei nicht sehr hitzebeständig. Dies bedeute, dass das Virus schnell zerstört werde, wenn die Temperaturen steigen.

Der Covid-19-Erreger zählt zu den sogenannten RNA-Viren, zu denen auch Grippeviren, der Ebola- und Tollwut-Erreger gehören. Die Empfindlichkeit gegenüber Temperaturen gelte jedoch nicht für alle Arten von Viren, betont Pietschmann. "Andere Viren wie etwa das Norovirus sind stabiler, weil sie hauptsächlich aus Proteinen und genetischem Material bestehen."

Neben der Temperatur spiele auch die Luftfeuchtigkeit bei der Verbreitung der Viren eine Rolle, so der Experte. Winterluft trage eher zum Erhalt der Viren bei, welche etwa durch starkes Niesen in die Luft abgegeben würden. "An kalten und normalerweise trockenen Wintertagen schweben die kleinen Tröpfchen zusammen mit den Viren länger in der Luft, als wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist", so Pietschmann.

Schulferien verringern Ansteckungsgefahr

Zudem spielen laut Experten auch andere saisonale Effekte eine Rolle bei der Ausbreitung von Erregern. Etwa die Tatsache, dass sich Menschen in der kälteren Jahreszeit öfter in Gruppen in geschlossenen Räumen aufhalten. So verringern etwa Schulferien die Ansteckungsgefahr erheblich, da Kinder und Jugendliche in dieser Zeit zu Hause bleiben. Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité fasst die positiven Effekt zusammen: "Wärme im Sommer, UV-Strahlen und die Tatsache, dass Leute vermehrt draußen sind und sich weniger aneinander infizieren können."

Aber eine Garantie im Fall von Sars-CoV-2 ist das noch lange nicht: So betont Virologe Pietschmann, dass der Erreger noch zu unbekannt sei, um Vorhersagen über den Verlauf treffen zu können. "Um ehrlich zu sein, wir kennen das Virus noch nicht", betont er gegenüber der Deutschen Welle. Zudem gibt es Hinweise, dass hohe Temperaturen möglicherweise kein Hindernis sind. So wurde bereits in Ländern mit subtropischem Klima wie Australien, Brasilien und Indonesien der Virus bei Menschen nachgewiesen - auch wenn diese oft zuvor Kontakt zu Infizierten aus kühleren Regionen hatten.

Ein anderes Beispiel, was Zweifel an der Sommer-Hoffnung sät: Die Schweinegrippe-Epidemie im Jahr 2009 ließ sich von hohen Temperaturen nicht aufhalten. Die Seuche tauchte im April 2009 in den USA auf und erreichte dort ihren Höhepunkt im Sommermonat Juni. Angesichts dessen betonte auch David Fisman, Professor für Epidemiologie an der Universität von Toronto, mit Blick auf das neuartige Coronavirus gegenüber der "LA Times": "Die Idee, dass dies alles mit den steigenden Temperaturen einfach verschwinden und nie wieder gesehen wird, ist, denke ich, reines Wunschdenken." Bald wird sich zeigen, ob er recht behält.

Quelle: ntv.de

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