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Warnung vor Nutzung bei KindernRosa Rauschen gegen Lärm laut Studie schlechter als Ohrstöpsel

04.02.2026, 13:17 Uhr
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In einer Studie hatten die Probanden sowohl ruhige Nächte als auch Nächte mit Umgebungslärm, Rosa Rauschen, Ohrstöpseln oder Kombinationen davon. (Foto: picture alliance / photothek)

Lärm etwa durch Straßenverkehr vorm Fenster stört viele beim Schlafen. Ein Hintergrundrauschen soll da Abhilfe schaffen. Eine Studie zeigt aber eine mögliche Gefahr auf, zumindest beim Rosa Rauschen, und rät zu einer anderen Schlafhilfe.

Gegen nächtlichen Lärm setzen viele Menschen auf sanfte Dauergeräusche wie das sogenannte Rosa Rauschen, das an leisen Regen erinnert. Eine Studie zeigt nun darin keinen großen Nutzen - wohl aber eine besondere Gefahr. Simple Ohrstöpsel seien hilfreicher gegen Lärm, berichtet die Gruppe im Fachjournal "Sleep".

Es gibt mehrere Hypothesen, warum ein Rauschen den Schlaf fördern könne. In erster Linie solle es andere Geräusche überdecken und dadurch deren Potenzial verringern, den Schlaf zu stören, schreibt das Team. Zudem solle es selbst schlaffördernd sein oder könne Teil eines Schlafrituals sein.

Anstatt die Auswirkungen von Umweltlärm auf den Schlaf zu mindern, verschlechterte das Rosa Rauschen (Pink Noise) in dieser Studie die Schlafstruktur sogar weiter, berichtet die Gruppe um Mathias Basner von der University of Pennsylvania in Philadelphia.

Schlaflabor mit Fluglärm und Alarmsignalen

Das Team hatte 25 gesunde Erwachsene untersucht, die nach einer Eingewöhnungsnacht weitere sechs Nächte in einem Schlaflabor schliefen. Jeder von ihnen hatte in unterschiedlicher Reihenfolge eine weitere ruhige Nacht sowie Nächte mit Umgebungslärm, Rosa Rauschen, Ohrstöpseln oder Kombinationen davon. In ihren Lärmnächten wurden die Probanden mehrfach mit einzelnen Geräuschen beschallt, etwa von Jets, Hubschraubern, Drohnen, Autos, Zügen oder Alarmsignalen.

Umweltlärm alleine reduzierte in dieser Studie vor allem die Dauer des Tiefschlafs deutlich. Das Rosa Rauschen habe dies nicht verhindert, sondern zusätzlich die Zeit des sogenannten REM-Schlafs verkürzt und den Schlaf zwischen den Lärmgeräuschen tendenziell stärker fragmentiert. REM-Schlaf wird unter anderem mit Träumen und dem Speichern von frisch Erlerntem in Verbindung gebracht. Im Vergleich zu ruhigen Nächten reduzierten Lärm und Rosa Rauschen gemeinsam die Dauer des Tiefschlafs, des REM-Schlafs sowie die gesamte Schlafzeit und -effektivität.

Ohrstöpsel deutlich wirksamer

Das Team nennt jedoch einige positive Aspekte des hinzugefügten Rosa Rauschens: So waren das nächtliche Aufwachen und die bei jedem Menschen gewöhnlich auftretenden kurzzeitigen Mini-Weckreaktionen seltener und auch die Tiefe des Tiefschlafs wurde verbessert. Abgesehen davon habe sich das Hinzufügen des Rosa Rauschens zu dem sporadisch auftretenden Lärm als weitgehend erfolglos erwiesen.

Auch die subjektive Bewertung der Probanden von Schlaf, Wachheit und Stimmung war nach Nächten mit Umgebungslärm und Rosa Rauschen ebenso gut, wie wenn sie nur den Lärm gehört hatten.

Ohrstöpsel empfanden dagegen über 80 Prozent als positiv für ihre Schlafqualität. Sie milderten nahezu alle Effekte des Lärms und stellten beispielsweise 72 Prozent der durch ihn verursachten Verkürzung des Tiefschlafs wieder her. Die Ohrstöpsel wirkten in der Studie nur bei der höchsten Lärmstufe nicht - das waren 65 dB, was in Schlafzimmern direkt neben US-Flughäfen gemessen wird.

Vorsicht bei Babys und Kleinkindern

Die Forscher weisen darauf hin, dass ihre Studie relativ klein und kurz war. So ist die Wirkung von langfristig angewandtem Rosa Rauschen auf den REM-Schlaf noch unklar. "Vielleicht gibt es Gewöhnungseffekte. Vielleicht wird der Effekt sogar verstärkt", sagte Basner. "Hier brauchen wir mehr Studien."

Dennoch mahnt das Team zur Vorsicht beim Einsatz des Rauschens - insbesondere bei Neugeborenen und Kleinkindern, die besonders lange REM-Schlafphasen haben. Solche Arten von Rauschen könnten in den frühen Lebensphasen nachteilig für die Entwicklung der Nerven sein. Auch dazu seien weitere Untersuchungen nötig. Es sei möglich, dass das Rauschen den ansonsten stark fragmentierten Schlaf von Neugeborenen beruhigt und dies von Eltern als Schlafverbesserung interpretiert wird, obwohl die Nervenentwicklung dabei beeinträchtigt werden könne.

Frühere kleinere Studien ergaben unterschiedliche Ergebnisse über den Nutzen von Rauschen für den Schlaf. Ein Team kam nach einer systematischen Überprüfung der Literatur zu einem breiten Spektrum an Rauschen 2021 zu dem Schluss: Es gebe zwar Hinweise auf eine positive Wirkung. Diese reichten aber nicht aus, um das Rauschen als Schlafmittel zu empfehlen, insbesondere da dieses auch den Schlaf und das Gehör negativ beeinflussen könne.

Es könnte bei jedem Menschen unterschiedlich wirken

Es sei auch denkbar, dass das Rosa Rauschen für einige Menschen hilfreich ist und für andere nicht, sagte Basner. "Wir wissen, dass Menschen sehr unterschiedlich auf Verkehrslärm reagieren." Es sei möglich, dass das auch für das Rosa Rauschen gelte.

Die Studie sei zwar wie die meisten zu dem Thema klein, aber gut gemacht, sagte Schlafmedizinerin Kneginja Richter, die Chefärztin der CuraMed Tagesklinik Nürnberg und Professorin an der Technischen Hochschule Nürnberg ist. Für das Weiße und das Rosa Rauschen gebe es keine großen Einzelstudien, da diese stets viel Geld und Personal benötigten, aber kein großer Investor dahinterstehe. Somit gebe es auch keine ausreichenden Belege für deren Nutzen und sie werden nicht in den medizinischen Leitlinien empfohlen.

Für manche Menschen sei ein solches Rauschen beruhigend, für andere nicht. "Das ist wie eine weiche Matratze, die einem Menschen gut tut, den anderen nicht. Man muss es ausprobieren", sagte Richter. "Wenn jemand ein sehr aktives Gehirn oder ADHS hat, kann das Rauschen bei der Arbeit beruhigend sein. Andere Menschen fühlen sich dadurch gestört", sagte sie mit Verweis auf eine weitere Studie.

Quelle: ntv.de, Simone Humml, dpa

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