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Diabetes und Fettleber Schon wenig Zucker stört Fettstoffwechsel

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Die WHO empfiehlt den täglichen Zuckerkonsum auf rund 50 Gramm oder noch besser auf 25 Gramm zu beschränken.

(Foto: imago/Westend61)

Aktuell verzehrt ein Mensch in Deutschland durchschnittlich 34 Kilogramm Zucker pro Jahr. Das ist viel zu viel. Schon 80 Gramm am Tag könnten einer aktuellen Studie zufolge für die Entstehung von Diabetes oder einer Fettleber verantwortlich sein.

Wie viel Zucker kann der Körper tolerieren? Wann reagiert die Leber über? Und wie unterscheiden sich die Effekte durch verschiedene Zuckerarten? Diese Fragen stellten sich Forschende der Universität Zürich und starteten ihre Untersuchung mit 94 jungen, gesunden Männern.

Eine Gruppe der Probanden bekam über sieben Wochen hinweg ein mit 80 Gramm verschiedener Zuckerarten gesüßtes Getränk, das entspricht rund 800 Millilitern einer handelsüblichen Limonade. Das gesüßte Getränkt enthielt entweder Fruchtzucker (Fruktose) oder Traubenzucker (Glukose) oder Haushaltszucker (Saccharose), der aus Frucht- und Traubenzucker besteht. Die Männer der Kontrollgruppe verzichteten auf Zucker, nahmen aber dennoch genauso viele Kalorien zu sich wie die Zuckerprobanden.

Fettstoffwechsel fährt hoch

Das Team um Bettina Geidl-Flueck untersuchte nun verschiedene Parameter des Fettstoffwechsels bei den Teilnehmern, darunter auch die Produktion der Fettsäure in der Leber. Es zeigte sich, dass die Fettsäurebildung in der Leber bei den Probanden mit den gesüßten Getränken anstieg - und zwar bei jenen, welche Getränke mit Fructose und Saccharose zu sich genommen hatten. Hier reichten schon kleine Mengen aus, um den Leberstoffwechsel zu aktivieren und mehr Fettsäuren zu produzieren.

Doch wie ist es mit Traubenzucker? "Die körpereigene Fettproduktion in der Leber war in der Fruchtzucker-Gruppe doppelt so hoch wie in der Traubenzucker-Gruppe oder der Kontrollgruppe - und dies noch mehr als zwölf Stunden nach der letzten Mahlzeit beziehungsweise dem letzten Zuckerkonsum", erklärt Philipp Gerber, der an der Studie mitgearbeitet hat, in einer Erklärung der Universität Zürich. Beim Konsum von reiner Glucose blieb die Fettproduktion dagegen unbeeinflusst.

Für die Forschenden überraschend war, dass der am häufigsten konsumierte Haushaltszucker die Fettsynthese sogar noch etwas mehr ankurbelte als dieselbe Menge Fruchtzucker. Denn bisher stand vor allem Fruchtzucker im Verdacht, solche Veränderungen hervorzurufen. Warum der Haushaltszucker noch stärker wirkt als der reine Fruchtzucker, kann bisher nicht erklärt werden.

Die Forschenden der Universität Zürich vermuten ein Zusammenspiel der beiden Zuckermoleküle, die sich in der Saccharose befinden. Der Fruchtzucker könnte zunächst ein Signal abgeben, das im Leberstoffwechsel dazu führt, dass mehr Glucose als sonst in die Leber geleitet wird. Diese Glucose wird dann zu einem größeren Teil als normal in der Leber verstoffwechselt und zu Fett umgewandelt.

Ergebnisse wichtig für die Zukunft

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"Unsere Resultate sind ein entscheidender Schritt in der Erforschung der schädlichen Wirkungen von zugesetztem Zucker und werden für zukünftige Ernährungsempfehlungen sehr bedeutend sein", fasst Gerber zusammen. Denn die erhöhte Fettproduktion in der Leber ist ein erster Schritt in der Entstehung von weit verbreiteten Erkrankungen wie Typ 2-Diabetes oder der nichtalkoholischen Fettleber.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt aus gesundheitlichen Gründen den täglichen Zuckerkonsum auf rund 50 Gramm oder noch besser auf 25 Gramm zu beschränken. Doch davon ist man nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland weit entfernt.

Quelle: ntv.de, jaz

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