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n-tv Meteorologe über das Unwetter "Sehr explosives Luftmassengemisch"

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Weggespült: In Braunsbach, Baden-Württemberg, traten zwei Bäche stark über die Ufer.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit Starkregen und Gewitter war zu rechnen. Doch darauf, dass Bäche zu reißenden Fluten werden, waren viele Menschen nicht vorbereitet. n-tv Meteorologe Alexander erklärt, wie es zu den Überschwemmungen kam und warum Unwetter immer schlimmer zu werden drohen.

n-tv.de: Wie kam es zu den heftigen Unwettern am Wochenende?

Björn Alexander: Die vergangenen Tage und auch der Wochenstart brachten uns ein sehr explosives Luftmassengemisch. Aus der Sahara strömt sehr warme Luft nordwärts, die sich auf dem Weg über das Mittelmeer mit viel Feuchtigkeit angereichert hat. Sie hat also viel potenzielle Energie gespeichert. Gleichzeitig schiebt sich aus Frankreich Tief "Elvira" heran, welches die Schauer- und Gewittertätigkeit aktiviert und damit die Unwettergefahr massiv erhöht.

Warum nahmen die Überschwemmungen solch bedrohliche Ausmaße an?

Binnen Stunden sind ganze Monatsniederschläge gefallen. Von gestern Abend, 20 Uhr, bis heute Morgen, 8 Uhr, fielen in einem Streifen vom Hunsrück und der Pfalz bis zur unteren Donau zwischen 30 und 60 Liter Regen pro Quadratmeter. Spitzenreiter waren Birkenau bei Mannheim mit 82 Litern pro Quadratmeter in zwölf Stunden, Hohenthann bei Straubing mit 80 Litern und Heilbronn mit 77 Litern.

Erste Anwohner in Schwäbisch Gmünd erheben Vorwürfe: Sie seien im Vorfeld des Unwetters nicht ausreichend informiert und gewarnt worden. Hat man das Unwetter unterschätzt?

Über die Warnsituation der Städte und Gemeinden kann ich aus der Ferne nichts sagen, aber meteorologisch gesehen waren heftige Gewitter- und Niederschlagsereignisse vorhersehbar. Die Details allerdings - genauer Ort, Schwere der Unwetter, daraus resultierende Folgen - sind länger im Voraus schwer zu prognostizieren. Grundsätzlich können wir Meteorologen bei solchen Wetterlagen das Gefahrenpotenzial oder die Niederschlagssummen abschätzen und beispielsweise auf mögliche Überflutungen hinweisen. Ganz konkrete Hinweise sind aber oft kaum möglich.

n-tv Meteorologe Björn Alexander

n-tv Meteorologe Björn Alexander

Werden wir in Zukunft häufiger mit Unwettern dieses Ausmaßes klarkommen müssen? Sind sie auf den Klimawandel zurückzuführen?

Der Klimawandel führt global gesehen zu einer Erhöhung der Temperaturen, und höhere Temperaturen bedeuten: Die Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen und es steht mehr Energie zur Verfügung. Eine wärmere Atmosphäre kann also grundsätzlich zu schlimmeren, stärkeren Unwettern führen.

Wie kann man sich schützen? Wie lässt sich verhindern, dass beim nächsten Starkregen wieder Autos weggespült werden?

Das ist natürlich stark von den örtlichen Gegebenheiten abhängig. In einem steilen Gelände nah an einem Bach oder Fluss kann es schneller zu reißenden Sturzbächen kommen als etwa am platten Niederrhein. Grundsätzlich sucht sich das Wasser stets den Weg nach unten. Als erstes werden also Keller und Tiefgaragen überflutet. Und je steiler ein Gelände ist, umso reißender und rascher können die Wassermassen kommen. Naturbelassene Flächen sind von Vorteil, sie können das Wasser eher zwischenspeichern. Bebaute Flächen hingegen und bereits mit Wasser gesättigte Böden sorgen dafür, dass mehr Wasser oberflächlich abfließt.

Und wie geht es in den nächsten Tagen weiter mit dem Wetter?

Ein stabiles Hoch ist für diese Woche leider nicht in Sicht. In den nächsten Tagen geht es mit einem Mix aus sonnigen Abschnitten und gewittrigen Schauern weiter. Morgen, am Dienstag, ist es von Nordrhein-Westfalen über Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland bis nach Nordbaden zeitweise sonnig und überwiegend trocken. In den übrigen Regionen brauen sich im Laufe des Nachmittags neue Schauer und Gewitter zusammen. Örtlich sind auch wieder Unwetter durch Starkregen, Hagel und Sturmböen möglich. Nur an der Ostsee könnte es meist trocken bleiben.

Mit Björn Alexander sprach Andrea Schorsch

Quelle: ntv.de