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Forscher liefern genauen Wert So bitterkalt war es in der letzten Eiszeit

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In Europa und Nordamerika war es vor 20.000 Jahren eiskalt.

(Foto: imago/StockTrek Images)

Die globale Temperatur steigt zuletzt - doch vor 20.000 Jahren lag sie deutlich unter der heutigen. Wie kalt es genau in der Eiszeit war, berechnen Forscher nun anhand von Mikrofossilien aus Tiefseesedimenten. Ihre Erkenntnisse könnten auch bei Vorhersagen des derzeitigen Klimawandels hilfreich sein.

Es war kalt zum Höhepunkt der letzten Eiszeit vor rund 20.000 Jahren - gewaltige Eisschilde bedeckten die meisten nördlichen Regionen in Nordamerika und Europa. Aber wie kalt war es wirklich? Forscher um die Paläoklimatologin Jessica Tierney aus Arizona wollten dieses Rätsel endlich aufklären. Das Team wertete dafür unter anderem Daten zu Mikrofossilien in Tiefseesedimenten aus, welche Aufschluss über die Temperatur der Meere in der Vergangenheit geben. Anhand eines Klimamodells errechneten die Forscher eine globale Durchschnittstemperatur für jene Epoche, in welcher bereits der moderne Mensch Europa besiedelte.

Das Ergebnis ihrer Studie, die im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurde: Zum Höhepunkt der letzten Eiszeit - korrekterweise eigentlich die letzte Kaltzeit - betrug die durchschnittliche Temperatur auf der Erde etwa 7,8 Grad Celsius. Es war damit weltweit im Schnitt rund 6 Grad kälter als heute. "Nach der eigenen Erfahrung klingt das vielleicht nicht nach einem großen Unterschied, aber es ist tatsächlich ein gewaltiger Wandel", so Tierney. Im 20. Jahrhundert lag der globale Durchschnitt bei etwa 14 Grad Celsius.

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Die teils beträchtlichen regionalen Unterschiede zu heute werden auf einer Weltkarte zur Eiszeit-Temperatur erkennbar, die Tierney und ihr Team entworfen haben.

(Foto: Jessica Tierney)

Allerdings war der Temperaturunterschied zu heute in manchen Teilen der Erde wesentlich höher als in anderen. Die massivsten Abweichungen gab es vor 20.000 Jahren in den hohen Breitengraden, also in arktischen Gefilden. Dort war es damals sogar rund 14 Grad kälter als heute. Laut Tierney bestätigt dies auch die Annahme, dass Regionen in hohen Breitengraden stärker auf Klimaschwankungen reagieren - in die eine wie in die andere Richtung. So zeigten Berechnungen, dass sich die Arktis durch den derzeitigen Klimawandel auch deutlich schneller erwärme als andere Regionen.

Klimaeffekt des CO2-Gehalts

Aber was hat man davon, wenn man die Temperatur in der Eiszeit kennt? Anhand der Daten könne etwa die Sensibilität des Klimas errechnet werden, sagen die Forscher - also wie stark die globale Temperatur auf den CO2-Gehalt der Atmosphäre reagiert. Tierney und ihr Team fanden heraus, dass bei jeder Verdopplung des CO2-Gehalts die globale Durchschnittstemperatur um etwa 3,4 Grad steigt. "Das Erdsystem reagiert also tatsächlich auf Veränderungen beim CO2", so Tierney.

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In der Eiszeit etwa lag der Anteil des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre bei 180 ppm (parts per million, Anteile pro Million), was sehr wenig war. Vor der industriellen Revolution stieg er auf 280 ppm, heute liegt er bereits bei 415 ppm. Bei der derzeitigen Zunahme des CO2-Gehalts werde es zudem "sehr schwierig", einen Anstieg der globalen Temperatur von mehr als 2 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu vermeiden, sagt die US-Forscherin. Beim Pariser Klimaabkommen 2015 wurde eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius angestrebt.

Künftig wollen Tierney und ihr Team auch das Klima vergangener Warmzeiten rekonstruieren. Wenn ihnen das gelinge, so glauben sie, "können wir wichtige Fragen dazu beantworten, wie die Erde auf sehr hohe CO2-Konzentrationen reagiert". Die Wissenschaftler wollen so das Verständnis über den anstehenden Klimawandel erweitern.

Quelle: ntv.de, kst