Wie groß ist das Risiko?So oft kommt das Hantavirus in Deutschland vor

Mehrere Todesfälle auf einem Kreuzfahrtschiff haben das Hantavirus weltweit in den Fokus gerückt. Doch der Erreger ist auch in Deutschland kein Fremder. Wer hier besonders gefährdet ist, warum die Zahlen stark schwanken - und wie man sich schützt.
Ein tödlicher Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff vor Westafrika sorgt weltweit für Aufsehen. Vielen dürfte die seltene Infektionskrankheit bis dato unbekannt gewesen sein. Doch das Virus ist kein fernes Tropenproblem: Auch in Deutschland treten jedes Jahr Hantavirus-Infektionen auf. Laut den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) werden jährlich zwischen ein paar Dutzend und bis zu 3000 Fällen registriert. Besonders auffällig sind dabei die teils sehr starken Schwankungen: So wurden zum Beispiel 2021 fast 2000 Erkrankungen gemeldet, ein Jahr später waren es nicht einmal 160.
Der Grund für diese Sprünge liegt nicht beim Menschen, sondern vor allem bei den Tieren, die das Virus tragen. Hantaviren werden in Deutschland meist über Nagetiere übertragen - vor allem über die Rötelmaus und in einigen Regionen auch über die Brandmaus. Wenn sich diese Tiere in bestimmten Jahren besonders stark vermehren, steigt auch das Risiko für Menschen.
Die infizierten Nager scheiden die Viren über Speichel, Urin und Kot aus. Der Mensch infiziert sich über den Kontakt mit den Ausscheidungen, wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt und die Erreger eingeatmet werden oder in Hautwunden gelangen. Die Viren sind in der Umwelt relativ stabil und können dort bis zu sechs Wochen überdauern. Daher ist zur Ansteckung kein direkter Kontakt mit den Nagern notwendig. Eine Infektion durch Bisse von infizierten Mäusen und Ratten ist aber ebenfalls möglich.
Eine Diagnose ist meist schwierig
Wie die meisten Viren hat auch das Hantavirus verschiedene Unterarten. In Deutschland ist vor allem das sogenannte Puumalavirus verbreitet. Es verursacht laut Bundesgesundheitsportal des Bundes mehr als 90 Prozent aller Hantavirus-Erkrankungen und kommt vorwiegend im Nordwesten, Westen und Süden Deutschlands vor. Besonders häufig betroffen sind Regionen wie die Schwäbische Alb, das Münsterland, der Teutoburger Wald, Unterfranken, der Odenwald, Oberschwaben, die Fränkische Alb, der Bayerische Wald, Osthessen und Westthüringen.
Wer sich ansteckt, merkt davon oft zunächst wenig. Eine Diagnose ist besonders in der Frühphase der Erkrankung schwierig, da sie unspezifisch ist und leicht mit einer Grippe verwechselt werden kann. Typische Anzeichen sind Müdigkeit, plötzlich auftretendes hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten und Kurzatmigkeit. Bei einem schweren Verlauf können Komplikationen wie Nieren- und Lungenversagen auftreten.
Todesfälle durch Hantavirus-Infektionen wie auf dem Kreuzfahrtschiff kommen in Deutschland allerdings extrem selten vor. Seit der Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 wurde lediglich ein Todesfall registriert. Die meisten Infektionen verlaufen mild oder asymptomatisch und schwerere Verläufe treten vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen auf.
Wichtig ist dabei: Das Hantavirus springt in Deutschland nach bisherigem Wissen nicht von Mensch zu Mensch über. Erkrankte sind also nicht ansteckend. Im Gegensatz zu dem tödlichen Vorfall auf dem Schiff. Hier vermutet die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass der Erreger tatsächlich von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Die einzige Unterart, von der das bekannt ist, ist das sogenannte Andesvirus, das in den 1990er Jahren in Argentinien entdeckt wurde. Ob es auf dem Kreuzfahrtschiff zum Ausbruch genau dieses Andesvirus kam, ist derzeit allerdings noch unklar. Fest steht: In Deutschland kommt diese Viruslinie nicht vor.
Eine spezifische Behandlung für eine Hantavirus-Infektion gibt es nicht. Und auch keine Impfung. Eine Erkrankung wird symptomatisch behandelt, wie das RKI schreibt. Die Behandlung konzentriere sich auf die Linderung der Symptome. In schweren Fällen kann eine intensivmedizinische Betreuung mit künstlicher Beatmung oder Dialyse notwendig sein.
Wie schützt man sich am besten?
Besonders aufmerksam sollten Menschen im Frühjahr und Sommer sein. Laut Bundesgesundheitsportal ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung von April bis September am größten. Besonders häufig betroffen sind Männer mittleren Alters. Ein erhöhtes Risiko besteht bei Tätigkeiten in der Forst- und Landwirtschaft, beim Reinigen von Schuppen oder Ställen sowie allgemein bei Arbeiten im Freien mit möglichem Kontakt zu Nagern - etwa im Garten, beim Zelten, Joggen oder Jagen.
Vor einer Ansteckung kann man sich dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zufolge am besten schützen, indem man sein Zuhause frei von Mäusen hält. Das Institut gibt folgende Tipps:
Bewahren Sie Lebensmittel für Nager unzugänglich auf (dicht schließende Schränke, Metall- oder Plastikbehälter).
Lassen Sie Tierfutter und Wasser nicht über Nacht offen stehen.
Beseitigen Sie Abfall in verschließbaren Mülleimern.
Geben Sie Essensreste und tierische Abfälle nicht auf den Hauskompost.
Machen Sie mögliche Eintrittsstellen ins Haus ausfindig und dichten Sie Ritzen und Fugen an Türen, Fenstern und Wänden mit Stahlwolle oder Beton ab.
Beseitigen Sie Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten für Nager (zum Beispiel Sperrmüll, Altreifen und Abfallhaufen).