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Chemischer Fingerabdruck So riecht die Stadt

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Auch in Innsbruck sind kosmetische Düfte in der Luft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Manche können die Sonne riechen und andere Schnee. Gerüche beeinflussen die Stimmung, Inhaltsstoffe in der Luft die Gesundheit. Wie sich die Luft einer Stadt zusammensetzt, untersucht ein Forscherteam in Innsbruck und ist vom Kosmetikanteil überrascht.

In Städten läuft das Leben anders als auf dem Land. Autos, Restaurants und Menschen hinterlassen ihre Spuren. Wie sich die städtische Luft zusammensetzt und wie die Inhaltsstoffe die Atmosphäre beeinflussen könnten, hat ein Forscherteam der Universität Innsbruck untersucht. Die Atmosphärenforscher maßen für ihre Untersuchung von Juni bis Oktober 2015 mit speziellen Geräten alle sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen in der Luft nahe des Zentrums von Innsbruck.

Durch ihre Messungen konnten die Forscher erstmals einen chemischen Fingerabdruck von flüchtigen organischen Verbindungen in der Luft einer Stadt erstellen. Sie ermittelten eine große Bandbreite von Stoffen, die den typischen Geruch einer Stadt ausmachen. Experten gehen davon aus, dass die Hälfte dieser Stoffe menschengemacht ist und die andere Hälfte aus natürlichen Quellen stammt.

"Innsbruck ist in dieser Hinsicht eine stinknormale Stadt", betont Thomas Karl vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck. "Es sind vor allem Spuren der Lebensmittelzubereitung, vom Kaffeerösten bis zum Backen sowie Lösungsmittel, die den Geruch der Stadt ausmachen. Die Emissionsquellen reichen von der Bäckerei bis zur Klinik." Erstaunt waren die Wissenschaftler allerdings über Verbindungen, die vor allem aus Kosmetika und Waschmitteln stammen. "Wir fanden in unseren Daten deutliche Hinweise auf Silikonöle, die in sehr vielen Kosmetik- und Reinigungsartikeln enthalten sind", erklärt Karl. "Dass diese Silikonöle in der städtischen Luft so deutlich Spuren hinterlassen, hat uns überrascht."

Wesentlich mehr Feinstaub

Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler fest, dass sich giftige Stoffe aus organischen Lösemitteln, wie beispielsweise Benzol oder Toluol, nur selten in der Stadtluft befanden. Die Forscher führen das auf die gesetzlichen Maßnahmen der Europäischen Union zurück. Solche Verbindungen werden seit rund 15 Jahren mehr und mehr durch wasserlösliche und umweltfreundlichere Stoffe ersetzt. Diese tauchen dafür häufig in der Stadtluft auf. "Diese sind weniger reaktiv, was sich auch positiv auf die Bildung von bodennahem Ozon auswirken kann", erklärt Karl. Manche der heute eingesetzten Komponenten tragen allerdings indirekt zur Feinstaubbildung bei. Wie hoch deren Anteil am städtischen Feinstaub ist, muss in weiteren Untersuchungen ermittelt werden.  

Die Daten der Forscher zeigen auch, dass aufgrund des sehr hohen Anteils von sauerstoffhaltigen Verbindungen die Gesamtmenge der Emissionen in Städten weltweit gesehen deutlich unterschätzt wird. Wenn man davon ausgeht, dass der für Innsbruck ermittelte Wert auch für asiatische Städte repräsentativ ist, was eher optimistisch geschätzt ist, dann wären die Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen global betrachtet zumindest doppelt so hoch wie bisher angenommen, fassen die Forscher zusammen. Dann allerdings wäre auch mehr Feinstaub in der Atmosphäre vorhanden und dieser wiederum hat Einfluss auf die Wolkenbildung. Die die regionalen und globalen Klimamodelle müssten gemäß ihren Erkenntnissen nun entsprechend angepasst werden.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "PNAS".

Quelle: n-tv.de, jaz

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