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Problem Weltraumschrott So soll die Müllabfuhr im All funktionieren

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Tausende Tonnen Schrott umkreisen die Erde.

(Foto: picture alliance / TU Braunschwe)

Die Menschheit hat mittlerweile nicht nur die Erde, sondern auch den Orbit zugemüllt. Etliche Tonnen Schrott umkreisen den Planeten und werden so zur Gefahr für Satelliten oder die Raumstation ISS. Doch es gibt schon einige Ideen, wie das All wieder sauber werden kann.

Nicht nur auf der Erde gibt es eine Müllkrise, auch im Weltall sammelt sich zunehmend Schrott an. Laut der Europäischen Weltraumorganisation Esa umkreisen mittlerweile 8400 Tonnen Raumfahrtabfall die Erde. Bei dem Müll handelt es sich größtenteils um ausgediente Satelliten. Mit einer Geschwindigkeit von 28.000 Kilometern je Stunde verwandeln sie sich in zerstörerische Geschosse.

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Weltraumschrott kann auch auf der Erde landen: Wie hier 2007, als ein Teil einer Rakete auf einer Farm in Australien aufkam.

(Foto: picture alliance / epa AAP James)

Was der Schrott im All anrichten kann, zeigte sich zum Beispiel 2009. Ein deaktivierter russischer Kommunikationssatellit stieß mit einem US-Satelliten zusammen. Der Zusammenprall war so heftig, dass von beiden Flugkörpern nicht viel übrig blieb. Stattdessen schwirren nun Tausende neue Trümmerteile durch den Weltraum, die wiederum neue Kollisionen verursachen können. Und nicht nur das: Bei einem Zusammenstoß können betroffene Teile manchmal ihre Bahn nicht mehr halten, sinken ab und trudeln schließlich Richtung Erde. Kleinere Teile verglühen in der Atmosphäre. Große, hitzebeständige Teile können es sogar bis auf die Erde schaffen.

Im Jahr passiert es circa 40 Mal, dass Weltraumschrott auf die Erde fällt. Bislang wurde noch kein Mensch davon getroffen oder verletzt. Die Gefahr, dass dies passiert, ist auch recht gering. "Die Wahrscheinlichkeit, am Boden von Weltraumschrott getroffen zu werden, ist ungefähr so groß, wie zwei Mal vom Blitz getroffen zu werden", sagt der Leiter des Esa-Büros für Raumfahrtrückstände, Holger Krag. Und ergänzt: "Trotzdem ist es ein Risiko, dass wir in der Raumfahrt nicht eingehen wollen."

Space Surveillance Network überwacht Schrottteile

Um potenzielle Zusammenstöße frühzeitig zu erkennen, überwachen Experten der US-amerikanischen Space Surveillance Network die Schrottteile im Orbit. Nähert sich ein Trümmerteil der ISS oder einem Satelliten, können diese kurzzeitig ausweichen.

Um das Kollisionsrisiko zu minimieren, gibt es bereits mehrere Ideen, wie der Weltraumschrott aus dem Orbit entfernt werden kann. Die Esa hat hierfür drei Entsorgungsmethoden in Betracht gezogen: Netz, Harpune und Roboterarm. Das Netz wird von einer Raumsonde ausgeworfen und umschlingt das anvisierte Schrottteil. Dann wird der Müll an einer Leine eingeholt. Die Sonde bringt den Schrott schließlich Richtung Erdatmosphäre, wo beides verglüht. Ähnlich funktioniert die Harpune: Sie ist zwar zielgenauer als das Netz, eignet sich aber nicht zum Einfangen schnell rotierender Objekte. Und: "Man muss den Satelliten an der richtigen Stelle treffen", erläutert Krag. Ansonsten könnten Teile abbrechen und neue Trümmer entstehen.

In diesem und im vergangenen Jahr wurden Netz und Harpune bereits vom europäischen Experimentier-Satelliten "Removedebris" im Orbit getestet. Beide Methoden haben laut Krag jedoch einen entscheidenden Nachteil: "Sie können nur einmal benutzt werden", sagt der Experte für Weltraumschrott. Interessant sei deswegen die dritte Variante: der Roboterarm. Dieser könne nach dem Weltraummüll greifen und - falls nötig - mehrfach nachfassen. "Der Arm kann auch genutzt werden, um zukünftig dafür geeignete Satelliten zu betanken oder zu reparieren, so dass sie wieder funktionstüchtig und manövrierfähig sind", sagt Krag. Bis 2025 will die Esa eine Mission fliegen, in der ein Schrottteil erstmals erfolgreich entsorgt wird. Welcher der aufgeführten Mechanismen dafür dann infrage kommen werde, sei noch nicht entschieden, so Krag.

Schrott per Laser eliminieren

Angedacht ist auch, den Schrott mithilfe eines Hochleistungslasers kontrolliert zum Absturz zu bringen. Die Geschwindigkeit der umherschwirrenden Objekte könnte mit dem Laser so stark verringert werden, dass die angestrahlten Teile in die Erdatmosphäre absinken und dort verglühen. Derart starke Laser brauchen allerdings ein eigenes kleines Kraftwerk. Daran müssen Forscher noch tüfteln.

Die Zeit drängt, denn der Schrott könnte bald noch mehr werden. Längst haben kommerzielle Betreiber den Orbit für sich entdeckt. Für schnelles und weltumspannendes Internet plant unter anderem Elon Musks Raketenfirma SpaceX 12.000 Satelliten ins All zu schicken. Auch das Kommunikationsunternehmen Oneweb und Amazon arbeiten an Projekten.

Damit die Kollisionsgefahr im Weltraum nicht ins Unermessliche steigt, betont Holger Krag, wie wichtig es ist, die Entsorgung von Satelliten und Co. bereits zu planen, bevor sie ins All geschossen werden. Seiner Meinung nach müssten Betreiber von vornherein sicherstellen, dass Raketenstufen oder Satelliten, wenn sie ausgedient haben, aus dem Orbit entfernt werden. Auch dafür gibt es bereits Ideen. "Um Schrott vorzubeugen, wäre es möglich, künftig nur noch Objekte ins All zu schießen, die mit einer Vorrichtung versehen sind, mit der man sie leichter entsorgen kann", sagt Krag. Die Vorrichtung könne beispielsweise eine Magnetplatte sein, an der eine Sonde andocken kann, um das Schrottteil abzuschleppen oder ein standardisierter Griff. Doch eine Verpflichtung, diese Mechanismen einzubauen, gibt es noch nicht. Aktuell sind viele Raumfahrtnationen dabei, ein nationale Weltraumgesetz zu schaffen, in welchem das Thema Entsorgung aufgegriffen wird. 

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Quelle: n-tv.de

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