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"Aus allen Ecken Britanniens" So wurde zur Steinzeit in Stonehenge gefeiert

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Knochen eines Schweins, ausgegraben in Durrington Walls.

(Foto: Dr. Richard Madgwick/dpa)

An Kultstätten wie Stonehenge in England kamen vor Tausenden von Jahren Menschen zum Feiern zusammen. Aber woher kamen sie? Eine Knochenanalyse liefert überraschende Erkenntnisse.

Bei den Festen an prähistorischen Kultstätten wie Stonehenge verspeisten die Menschen Schweine aus den verschiedenen Teilen Britanniens. Das zeigten Analysen von Knochenresten der Tiere. Vermutlich hätten die Teilnehmer sie gemäß vorgegebener Regeln unter großem Aufwand mitgebracht, vermuten die Wissenschaftler um Richard Madgwick von der Cardiff University in Wales. Im Fachblatt "Science Advances" sprechen sie von der "ersten Phase pan-britischer Vernetzung".

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Ein Forscher in Cardiff wiegt Kollagen von Schweinen aus dem Neolithikum für die Isotopenanalyse.

(Foto: Cardiff University/dpa)

Die vier untersuchten Orte - Durrington Walls, Marden, Mount Pleasant und West Kennet Palisade Enclosures (WKPE) - liegen in Südengland, überwiegend in der unmittelbaren Nachbarschaft der berühmten Kultstätten Stonehenge und Avebury. Nur Mount Pleasant liegt etwas weiter südlich nahe der Küste. Ausgrabungen zeigen, dass die Menschen sich in der Zeit von 2800 vor Christus bis 2400 vor Christus dort trafen und bei den Festen Tiere verspeisten, vor allem Schweine. Durrington Walls bei Stonehenge sei um 2500 vor Christus die größte bekannte Siedlung Nordwesteuropas gewesen - saisonal hätten dort vermutlich mehr als 4000 Menschen gelebt, schreibt das Team.

Um die Herkunft der Tiere - und damit auch die der Menschen - bei den Feiern zu ermitteln, analysierten die Forscher die Knochen von 131 Schweinen auf Isotope von fünf Elementen: Eingelagertes Strontium gibt Aufschluss über die Geologie, Sauerstoff über das Klima, Schwefel über die Nähe zur Küste, Kohlenstoff und Stickstoff über die Ernährung.

Schweine über Hunderte Kilometer herangeschafft

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Besucher in Stonehenge zur Wintersonnenwende im Dezember 2018.

(Foto: REUTERS)

Die Analyse zeigte, dass die überwiegende Mehrheit der Tiere - etwa 80 bis 90 Prozent - nicht in der Umgebung der Fundorte aufwuchs. Die Tiere stammten aus Schottland, Nordostengland, dem westlichen Wales und anderen Teilen der Britischen Inseln. Sie wurden offenbar über Hunderte Kilometer herangeschafft. Zudem waren alle Tiere - mit einer einzigen Ausnahme - unabhängig von der Herkunft pflanzlich ernährt worden.

"Diese Studie zeigt einen Grad von Mobilität und ein Maß von sozialer Komplexität, das vorher nicht bekannt war", wird Madgwick in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. "Diese Versammlungen kann man als erste vereinigte kulturelle Ereignisse unserer Insel betrachten, bei denen Menschen aus allen Ecken Britanniens in die Gebiete um Stonehenge strömten, um speziell gehaltene und aus ihrer Heimat mitgebrachte Tieren zu verspeisen."

Am meisten verblüffte die Forscher der Umstand, dass die Menschen die Schweine über derart weite Strecken transportierten. "Schweine sind nicht annähernd so geeignet für weite Strecken wie etwa Rinder", sagt Madgwick. "Sie über Dutzende oder Hunderte Kilometer geschlachtet oder lebend zu transportieren, erforderte enormen Aufwand." Wahrscheinlich seien die Tiere streckenweise über Wasser transportiert worden, entweder über Flüsse oder per Küstenschifffahrt über das Meer. Dass auch Menschen vom europäischen Festland an den Feiern teilnahmen, halten die Forscher für unwahrscheinlich. Dafür gebe es keine Belege.

Die Forscher schließen aus den Resultaten, dass es klare Regeln gab, denen zufolge die Teilnehmer zu den Festen eigene Beiträge leisten mussten. "Die späte Jungsteinzeit war die erste Phase pan-britischer Vernetzung", schreiben die Autoren. "Diese Vernetzung über große Distanzen wurde gestützt nicht nur durch die Mobilität von Menschen, sondern auch von Vieh."

Quelle: n-tv.de, Walter Willems, dpa

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