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Göttinger Forscher bestätigt Sonnenzyklus 25 hat begonnen

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Die Atmosphäre der Sonne im Aktivitätsminimum (links, Oktober 2019) und im Aktivitätsmaximum (rechts, April 2014).

(Foto: Joy Ng/NASA's Solar Dynamics Observatory/dpa)

In den vergangenen anderthalb Jahren war auf der Sonne nicht viel los: Kaum ein Sonnenfleck bedeckte ihre Oberfläche, kaum eine Sonneneruption schleuderte Strahlung und Teilchen ins All. Das ändert sich nun und zwar genau zu dem Zeitpunkt, den Forscher prognostiziert haben

Die Sonne ist Wissenschaftlern zufolge in einen neuen Zyklus ihrer Aktivität eingetreten. Damit werden in den kommenden Jahren wieder mehr Sonnenflecken und Eruptionen erwartet. Allerdings dürfte sich der Sonnenzyklus 25 "ähnlich schlapp" zeigen wie der Zyklus zuvor, teilte das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen mit. Das Minimum der Aktivität sei vermutlich im Dezember 2019 durchschritten worden. Im jetzt begonnenen Zyklus werden die stärksten Aktivitäten demzufolge für die Zeit zwischen November 2024 und März 2026 erwartet.

Seit 30 Jahren lassen die US-Weltraumbehörde Nasa und die Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA eine Gruppe von Experten die Sonnenaktivität der kommenden Jahre prognostizieren. Dies sei nicht leicht, weil das Verhalten der Sonne ein "eigenartiges Zusammenspiel aus Verlässlichkeit und Launenhaftigkeit" sei, wie das Göttinger MPS schrieb. Für das MPS gehört Cameron zu diesem Gremium. Trotzdem sind inzwischen Muster erkennbar, so vergehen zwischen zwei Aktivitätsminima in etwa elf Jahre. Einige Eigenschaften wie Stärke und genaue Dauer eines Zyklus können jedoch durchaus variieren und lassen kein langfristiges System erkennen, so die Wissenschaftler.

Die Forscher werten es als Erfolg, dass die Vorhersagen über die Jahre genauer geworden seien. Sie hatten im Frühjahr 2019 das Aktivitätsminimum für Oktober oder November vorausgesagt, wie Nasa und NOAA mitteilten. Erwartet wird, dass der 25. Zyklus über elf Jahre ähnlich milde verläuft wie sein Vorgänger.

Kreislauf auf der Sonne

Die Wissenschaftler ziehen ihre Erkenntnisse unter anderem aus lokalen magnetischen Strukturen, die sich schon Jahre zuvor auf der sichtbaren Oberfläche der Sonne zeigen. Diese sogenannten bipolaren Regionen bestehen aus Nachbarbereichen entgegengesetzter magnetischer Polarität, die über Jahre hinweg zu den Polen geschwemmt werden. Aus ihnen baue sich das globale Sonnenmagnetfeld auf, das den nächsten Sonnenzyklus prägt. An den Polen sinkt das Plasma in die Tiefe und fließt dort zurück zum Äquator. "Jeder Kreislauf dauert etwa elf Jahre und ist die physikalische Grundlage des Sonnenzyklus", so Cameron.

Was auf der Oberfläche der Sonne geschieht, hat auch Auswirkungen auf die Erde. "In Phasen hoher Aktivität können sich heftige Teilchen- und Strahlungsausbrüche von der Sonne auch auf der Erde bemerkbar machen", sagte der MPS-Wissenschaftler Robert Cameron. Im schlimmsten Fall lassen die Sonnenstürme technische Systeme ausfallen, zum Beispiel Satelliten. Auch Astronauten können zu Schaden kommen. Der neue Sonnenzyklus zählt als der 25. seit Beginn der verlässlichen Sonnenbeobachtungen.

Quelle: ntv.de, sba/dpa