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Medikamente für jeden Tag nötig Streeck befürchtet mehr Aids-Tote

Auch wenn der Fokus der Berichterstattung weltweit auf die Corona-Pandemie gerichtet ist, dürfen andere Erkrankungen nicht aus dem Blick geraten. Es könnte zahlreiche Todesopfer durch HIV-Infektionen geben, warnt Virologe Streeck am Welt-Aids-Tag.

Auch wenn sich das Leben mit dem HI-Virus dank wirksamer Medikamente für Betroffene weitestgehend normalisiert hat, ist "die HIV-Pandemie nicht gebannt". Darauf weist Hendrik Streeck im Gespräch mit RTL/ntv hin. Insgesamt sind rund 38 Millionen Menschen weltweit mit dem HI-Virus infiziert. Ungefähr 1,7 Millionen kommen jährlich hinzu. "Wenn Infizierte nicht jeden Monat ihre Medikamente bekommen, dann ist das eine tödliche Erkrankung", sagt Streeck, Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn.

Leider passiere es in einigen Regionen, dass Lieferketten zusammenbrechen. "Wir können aber erst im nächsten Jahr abschätzen, was das eigentlich bedeutet. Es kann sein, dass wir dadurch mehr Aids-Tote sehen werden", mutmaßt der Virologe. Auch wenn man zu diesem Zeitpunkt nicht beziffern kann, wie viele Menschen davon betroffen sein könnten, gibt es Modellrechnungen dazu. Die Weltgesundheitsorganisation und Human Aids haben beispielsweise berechnet, wenn für sechs Monate die Lieferketten für das südliche Afrika unterbrochen werden, dass es rund eine halbe Million mehr Aids-Tote geben könnte. "Das ist in der Weise zum Glück nicht eingetreten. Trotzdem sieht man daran die Dimensionen, wie gefährlich ein Abbruch der Lieferketten sein kann", erklärt Streeck.

Wo bleibt die HIV-Impfung?

Seit 30 Jahren suchen Forschende weltweit nach einem wirksamen Impfstoff gegen HIV. Bisher jedoch ohne Erfolg. Gegen Sars-CoV-2 könnten jetzt schon nach kurzer Zeit mehrere verschiedene zur Verfügung stehen. Wie ist das zu erklären? "Zum einen sind das enorme finanzielle Mittel, die zum Finden eines Corona-Impfstoffes reingesteckt worden. Diese Mittel standen der HIV-Forschung bisher nicht zur Verfügung. Auf der anderen Seite macht uns die Natur ja vor, dass man eine schützende Immunantwort gegen das Coronavirus aufbauen kann. Das ist bei HIV nicht so. Es gibt keine schützende Immunantwort und deshalb ist die Forschung auch so kompliziert", begründet Streeck.

Dennoch gibt es eine Reihe von wirksamen Mittel gegen eine Infektion mit dem HI-Virus. Einerseits gibt es eine Pille, die man vor dem Sex einnimmt, um sich vor einer möglichen Infektion zu schützen. "Zum anderen gibt es jetzt eine Spritze, die auch ein Medikament ist, die sechs bis acht Wochen vor einer HIV-Infektion schützt. Für diejenigen, die ein hohes Risiko haben, vor allem auch im südlichen Afrika, ist das eine Möglichkeit, sich zu schützen", erklärt der Experte. Damit könne man vor allem Menschen schützen, die kein Kondom benutzen können oder wollen.

Der Welt-Aids-Tag wird jedes Jahr am 1. Dezember mit einem bestimmten Motto begangen. Er wurde erstmals 1988 von den Vereinten Nationen ausgerufen. Mit ihm soll an die Menschen erinnert werden, die an den Folgen der Infektion gestorben sind. Gleichzeitig ist es der Aufruf, weltweit Zugang zu Prävention und Versorgung zu schaffen. Er soll die Rechte von HIV-positiven Menschen stärken. Im Jahr der Corona-Pandemie steht er unter dem Motto: Solidarität und Informationen statt Diskriminierung.

Quelle: ntv.de, jaz