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Extreme zwingen zur Anpassung Studie: Klima formte chinesische Dächer

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Unverwechselbar, aber nicht unveränderlich: die geschwungenen Dächer traditioneller chinesischer Gebäude.

(Foto: Jin Wang, The Palace Museum)

Chinesische Dächer haben einen unverwechselbaren Schwung - doch ihre Bauherren passten sie über die Jahrhunderte immer wieder an. Dabei spielte offenbar das Klima eine entscheidende Rolle, so eine neue Studie.

Klimatische Schwankungen in den vergangenen tausend Jahre haben vermutlich die Neigung der geschwungenen Dächer traditioneller Gebäude in China beeinflusst. So lautet das Ergebnis einer Studie chinesischer Wissenschaftler im Fachblatt "Science Advances". In kälteren Zeiten bauten die Menschen demnach steilere Dächer, auf denen Schnee besser abrutschen konnte. Den Forschern zufolge veranschaulicht ihre Untersuchung, wie menschliche Kulturen im Laufe der Jahrhunderte gelernt haben, sich an die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf ihr tägliches Leben anzupassen.

Die chinesische Zivilisation als eine der ältesten der Welt hat zahlreiche Klimaveränderungen erlebt, die Landwirtschaft, Bevölkerung und Wirtschaft beeinflusst und sogar zu Kriegen, Aufständen und dem Aufstieg und Fall von Dynastien beigetragen haben, erläutern die Wissenschaftler um Siyang Li von der chinesischen Nanjing Universität in ihrer Studie. Bisher sei jedoch unklar gewesen, ob und wie sich diese Veränderungen auch auf die Architektur ausgewirkt hatten, obwohl ein solcher Zusammenhang gerade mit Blick auf die Gestaltung von Dächern naheliege: Diese schützten Menschen vor Regen, Schneefall oder Sonnenlicht und stellten gleichzeitig die klimaempfindlichsten, anfälligsten und exponiertesten Teile von Gebäuden dar.

Das Forscherteam untersuchte nun, wie sich das schwankende Klima im vergangenen Jahrtausend auf die Gestaltung der traditionellen geschwungenen Dächer auswirkte. Dafür rekonstruierten die Wissenschaftler die Dachneigungen architektonischer Überreste im nördlichen Teil Zentral- und Ostchinas, einer für die traditionelle chinesische Kultur bedeutenden Region, die häufigen Klimaschwankungen ausgesetzt ist. Zudem analysierte das Team hochauflösende paläoklimatische Daten der vergangenen tausend Jahre.

Kälte lässt Dächer steiler werden

Die folgende Analyse ergab, dass kalte Temperaturen die Dachneigung mit einer Verzögerung von etwa 30 Jahren steiler werden ließen. Wie die Autoren schreiben, hätten frühere Studien bereits eine ähnliche Verzögerung in der menschlichen Reaktion auf klimatische Veränderungen gezeigt.

Konkret beobachten die Wissenschaftler, dass die Dächer in kalten Perioden steiler wurden, in den Jahren zwischen 1100 und 1200 sowie zwischen 1300 und 1750 nach Christus, was der Kleinen Eiszeit entspreche. In warmen Perioden habe die Dachneigung hingegen deutlich abgenommen, so etwa zwischen 1200 und 1300 n. Chr., was in etwa zur mittelalterlichen Warmzeit in Europa passe. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Veränderungen bei extremen Schneefallereignissen der Hauptfaktor für die Veränderungen der Dächer in der Region über ein Jahrtausend hinweg waren. Wären starke Regenfälle der Hauptfaktor gewesen, wären die Dächer in warmen Zeiten steiler geworden, da in den untersuchten Regionen vor allem diese Perioden durch Regen gekennzeichnet seien, so die Autoren weiter.

Als besonders anschauliches Beispiel für den beschriebenen Zusammenhang nennen die Forscher den Longmen-Tempel in Pingshun in der Provinz Shanxi. Vier seiner fünf Hauptgebäude seien zu verschiedenen Warm- und Kaltzeiten zwischen 925 und 1504 n. Chr. gebaut, beziehungsweise wiederaufgebaut worden. Historischen Baunormen jener Zeit entsprechend sollten diese vier Gebäude eine fast identische Dachneigung von etwa 27 Prozent haben. "Die beiden in der Kaltzeit errichteten Gebäude wiesen jedoch mit 29,67 Prozent (1098 n. Chr.) und 30,50 Prozent (1498-1504 n. Chr.) steilere Dächer auf, während das in der Warmzeit errichtete Gebäude mit 26,92 Prozent (1271-1294 n. Chr.) flacher war", stellen die Wissenschaftler fest.

"Mit Wetterextremen konfrontiert"

Bislang seien die Dachveränderungen durch die verschiedenen Epochen allgemein auf ästhetische Gepflogenheiten und Verbesserungen in der Bautechnik zurückgeführt worden. Die Studie lege nun allerdings nahe, dass die mit klimatischen Veränderungen einhergehende Fluktuation der Schneefallintensität einen Hauptfaktor darstelle. "Die Anpassungen der Dächer an die klimatischen Schwankungen deuten auf ein intelligentes langfristiges Anpassungsverhalten der alten Chinesen hin. Sie passten ihre Gebäude mit einer stabileren und geeigneteren Dachform an, als sie mit verschiedenen durch den Klimawandel verursachten Wetterextremen konfrontiert wurden", schreiben die Autoren dazu.

Ihre Analyse gebe auch Hinweise für die Zukunft, in der die Zunahme von extremen Wetterereignissen wie starker Schneefälle, Dürren und Überschwemmungen zu ernsthaften Problemen führen dürfte. "Um die durch extreme Wetterereignisse verursachten Verluste zu verringern, sollten die Planer das lokale Klima und die Naturkatastrophen gemäß den Klimavorhersagen sorgfältig berücksichtigen."

Quelle: ntv.de, Alice Lanzke, dpa

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