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Homeoffice mit Kindern Studie: Viele Eltern am Ende ihrer Kräfte

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Das Kind am Arbeitsplatz - oder umgekehrt. Derzeit Realität für viele Familien in Deutschland.

(Foto: imago images/photothek)

Arbeiten und Kinder betreuen, und das praktisch zeitgleich - vor dieser Herausforderung stehen derzeit viele Eltern in Deutschland. Seit Wochen sind die Kitas im Zuge der Corona-Krise geschlossen. Eine Studie deckt auf, was das mit Familien macht.

Um die Coronavirus-Pandemie in den Griff zu bekommen, sind seit Wochen die Kitas in Deutschland zu. Lediglich eine Notbetreuung wird gewährleistet. Viele Familien mit kleinen Kindern müssen eine völlig neue Form des Zusammenlebens erlernen: Arbeit und Kinderbetreuung gleichzeitig bewältigen. Was macht das mit Familien? Forscher der Universität Bamberg haben sich das mal genauer angeschaut.

Wenig überraschend: Zwei Drittel der Eltern sind nach eigenen Angaben oft am Ende ihrer Kräfte, berichtet die Universität. Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf finden viele herausfordernd. Fast drei Viertel der Befragten gaben an, sich häufig gestresst zu fühlen.

Mehr als 3000 Eltern aus allen Bundesländern nahmen an der Familien-Studie teil. Fast alle hatten vor der Corona-Krise ihre Kinder betreuen lassen, und 81 Prozent waren erwerbstätig. Mittlerweile arbeiten noch 66 Prozent in Voll- oder Teilzeit, rund zwei Drittel davon im Homeoffice. Etwa jede zehnte Familie nimmt die Notbetreuung in Anspruch, überwiegend Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen.

Die Kehrseite - positive Effekte

Allerdings stellten die Forscher auch positive Effekte fest: Eine überwiegende Mehrheit der Eltern finden es positiv, dass sie mehr Zeit für ihre Kinder und ihre Familie haben. "Auffällig ist, dass Eltern die positiven Auswirkungen unabhängig von Erwerbstätigkeit, finanziellen Problemen oder Familienstand berichten", sagte Co-Projektleiterin Yvonne Anders laut Mittelung der Universität. Bei den negativen Auswirkungen sei das nicht so: Erwerbstätige Eltern im Homeoffice und Eltern mit Geldsorgen hatten häufiger der Aussage zugestimmt, oft am Ende ihrer Kräfte zu sein.

Aus Sicht der Forscher ist das Ergebnis der Untersuchung keine Überraschung: "Fehlende Strukturen im Alltag und kaum vorhandene Ausweichmöglichkeiten können das Konfliktpotential in der Familie erhöhen", sagte Anders. Dies bringe für Familien ein hohes Belastungspotential mit sich und sei für alle Familien ein ernstzunehmendes Problem. Es bestehe zum einen die Gefahr, dass Eltern von ihrer Arbeit abgehalten werden und so in finanzielle Schwierigkeiten kommen. Zum anderen könnten sie sich nicht mit gleicher Kraft und Konzentration Arbeit und Kindern widmen.

Aber es gibt auch Tipps von den Pädagogen: "Eltern sollten sich Zustände von Überlastung eingestehen und versuchen, Unterstützungsmöglichkeiten und Beratungsangebote zu nutzen", rät Anders. Hilfreich sei etwa, dass viele Kitas Kontakt zu den Familien halten. Denn die Fachkräfte seien wichtige Ansprechpartner und Vertrauenspersonen von Familien und Kindern und würden "in dieser schwierigen Zeit" unterstützen. "Viele Familien wünschen sich Tipps und Anregungen für Aktivitäten zu Hause."

Kinder leiden ebenfalls

Aber nicht nur die Eltern sind gestresst, auch die Kinder leiden unter geschlossenen Kitas: Für die meisten Kinder sei es "sehr schrecklich", ihre gesamten sozialen Kontakte aufgeben zu müssen, kritisierte Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte im "Frühstart" bei ntv. Und zwar nicht nur zu den Freunden, sondern auch zu den Erziehern. Es seien "ja enge Bindungen, die da aufgebaut werden". Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte befürwortet eine Rückkehr aller Kinder in Schulen und Kitas unter Einhaltung von Hygieneregeln.

Und die von Familien sicher ersehnte Linderung zeichnet sich ab: Bund und Länder haben sich auf eine schrittweise Öffnung der Kitas geeinigt. Ein konkretes Datum für den Wiedereinstieg wurde allerdings noch nicht genannt.

Quelle: ntv.de, kst