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Resistenz bei ansteckendem Krebs Tasmanische Teufel überleben vielleicht doch

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Der Tasmanische Teufel ist durch eine unheimliche, agressive Krebserkrankung vom Aussterben bedroht.

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Für die Tasmanischen Teufel schien das Ende besiegelt. Denn eine tödliche Gesichtskrebs-Erkrankung breitet sich rasant unter ihnen aus, eine sehr seltene Krebsart, die durch Körperkontakt übertragen wird. Ein Großteil der Tiere ist befallen. Doch nun gibt es Hoffnung.

Tasmanische Teufel scheinen eine Waffe gegen den tödlichen Krebs zu besitzen, der sich unter den Tieren seit einigen Jahrzehnten rasant ausbreitet. Wissenschaftler fanden unter Angehörigen dreier Populationen einige genetische Merkmale, die den Tieren eine Resistenz gegen den ansteckenden Tumor verleihen. Dies sei eine außergewöhnlich schnelle evolutionäre Antwort auf die Ausbreitung der Erkrankung, berichtet das internationale Forscherteam im Fachblatt "Nature Communications".

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Trotz intensiver Forschung sind 70 Prozent der freilebenden Tiere befallen.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Krebs tritt nur sehr selten als ansteckende Erkrankung auf. Das Beispiel der Tasmanischen Teufel (Sacrophilus harrisii) ist einer dieser seltenen Fälle. Die Tiere, die nur auf der Insel Tasmanien vorkommen, leiden unter einer Gesichtskrebs-Erkrankung, auf Englisch Devil Facial Tumour Disease (DFTD). Sie wurde erstmals 1996 im Nordosten Tasmaniens festgestellt. Der Krebs wird meist übertragen, wenn sich die untereinander sehr aggressiven Tiere beißen. Die erkrankten Beutelteufel bekommen zunächst kleine Knoten im Gesicht, die zu großen Tumoren heranwachsen und sich über den ganzen Körper ausbreiten. Sie behindern die Tiere beim Fressen, so dass diese schließlich verhungern.

Bald keine Population, in der der Krebs nicht verbreitet ist

Nahezu alle erkrankten Tiere sterben. In nur 20 Jahren sei die Zahl der Tasmanischen Teufel insgesamt um 80 Prozent zurückgegangen, schreiben die Wissenschaftler um Brendan Epstein von der Washington State University in ihrem Artikel. In einigen Populationen seien 95 Prozent aller Tiere an dem Krebs gestorben. Schon in Kürze werde es keine einzige Population mehr geben, in der der Krebs nicht verbreitet ist.

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Einige Tiere sind resistent gegen den ansteckenden Tumor.

Die Wissenschaftler untersuchten nun Proben von insgesamt 294 Tasmanischen Teufeln, die sie an drei Orten Tasmaniens gesammelt hatten, und zwar bevor und nachdem die Krebserkrankung dort aufgetreten war. Die Forscher analysierten das Erbgut und suchten nach Auffälligkeiten, die sich nach der Verbreitung der Erkrankung womöglich feststellen ließen.

"Wenn eine Erkrankung auftritt, der etwa 90 Prozent der Individuen zum Opfer fallen, kann man davon ausgehen, dass die 10 Prozent, die überleben, sich in irgendeiner Weise genetisch unterscheiden", erläutert Mitautor Paul Hohenlohe von der University of Idaho in Moscow.

Immunmodulierende Resistenz

Tatsächlich wurden die Forscher in zwei Regionen des Erbguts fündig. Dort identifizierten sie Gene, die beim Menschen im Zusammenhang mit Immunfunktionen und dem Krebsrisiko stehen. DFTD breite sich aus, indem es die Immunabwehr unterdrücke. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die Tasmanischen Teufel eine immunmodulierende Resistenz dagegen entwickeln, schreiben die Forscher.

Die evolutionäre Antwort auf die Bedrohung durch den Krebs sei sehr schnell erfolgt, im Verlauf nur weniger Generationen. So etwas sei unter wildlebenden Tieren sehr selten, wenn überhaupt dokumentiert. Vermutlich seien bei Tasmanischen Teufeln keine neuen Mutationen aufgetreten. Stattdessen haben sich wohl bestehende Genmerkmale ausgebreitet, da sie einen Schutz vor der Erkrankung verleihen.

Tiere mit den entsprechenden Genmerkmalen könnten in einer isoliert lebenden Population gezielt zur Züchtung herangezogen werden, um resistente Individuen für Wiederansiedlungsprojekte zur Verfügung zu haben, sollte dies einmal nötig sein, schreiben die Forscher: Es gebe Hoffnung für ein dauerhaftes Überleben der Art.

Quelle: n-tv.de, Anja Garms, dpa

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