Wissen

Studie untersucht REM-Phase Träumen Spinnen im Schlaf?

51321592.jpg

Anhand der Spinnenart Evarcha arcuata (Dunkler Sichelspringer) untersuchte ein Team den Schlaf von Spinnen.

(Foto: picture alliance / blickwinkel/H. Bellmann)

Menschen träumen, so wie viele Wirbeltiere auch. Doch wie sieht es bei Insekten aus? Um das herauszufinden, untersucht ein Forscherteam der Universität Konstanz die Augenbewegungen von Springspinnen in der Nacht - und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Die Pfoten bewegen sich, der Körper zuckt, es wird geschnurrt oder geknurrt: Hunde- und Katzenbesitzern dürfte dieses Verhalten ihrer schlafenden Vierbeiner bekannt sein. Und auch Studien haben gezeigt: Viele Wirbeltierarten träumen ähnlich wie Menschen. Doch wie sieht es bei Insekten aus? Dieser Frage ist ein Forscherteam um Daniela Rößler von der Universität Konstanz am Beispiel der Springspinnen-Art Evarcha arcuata nachgegangen.

Wie sie im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) berichten, haben frühere Untersuchungen gezeigt, dass diese Spinnenart ein nächtliches Verhaltensmuster aufweist, das dem menschlichen Schlaf ähnelt. Statt ins Bett zu gehen, lassen sie sich kopfüber von einem Faden herabhängen, bleiben dabei aber oft lange völlig inaktiv. Die Forscher beobachteten jedoch auch, dass die Spinnen in bestimmten Phasen ihre Beine und weitere Körperstrukturen auf spezielle Art und Weise bewegen.

10341264.jpg

Während die Springspinne am Faden hängt, zucken immer wieder ihre kleinen Beine.

(Foto: picture-alliance / OKAPIA KG, Germany)

Ob dieses Muster dem vom REM-Schlaf bekannten Verhalten entspricht, untersuchten Rößler und ihr Team in ihrer Studie. Neben dem Tiefschlaf durchlaufen Menschen und viele Tiere während der Nacht auch die sogenannten REM-Schlafphasen. Diese Phase ist nach den charakteristisch schnellen Augenbewegungen (rapid eye movement) benannt. Der REM-Schlaf ist zudem von einer verringerten Schlaflähmung des Körpers geprägt - es kommt dadurch gelegentlich zu kleineren Bewegungen. In dieser Schlafphase träumt man besonders ausgeprägt, was sich in Gehirnaktivitäten widerspiegelt, die dem Wachzustand ähneln.

Um herauszufinden, ob die Springspinnen ebenfalls die typischen Augenbewegungen der REM-Schlafphase aufwiesen, beobachtete das Forscherteam nachts ihre Augen mithilfe von Infrarotkameras. Springspinnen veränderten ihre Blickrichtung zwar nicht über die Stellung der Augen, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Stattdessen können sie aber über Muskelbewegungen die Richtung ihrer Netzhautröhren einstellen.

Erleben die Spinnen Traumbilder?

Und tatsächlich: Die Spinnen durchliefen im Schlaf Phasen, in denen sich ihre Augenstrukturen ohne ersichtlichen Grund bewegten. Die Dauer dieser Phasen nahm dabei im Verlauf der Nacht zu. Das Bewegungsmuster fiel auch mit dem zuvor schon festgestellten Einrollen und Zucken der Beine zusammen, berichtet das Forscherteam. Interessanterweise zeigten die Spinnen die speziellen Bewegungen der Netzhautröhren aber nicht, wenn sie sich nachts putzten oder den Faden nachjustierten. Offenbar handelte es sich dabei um kurze Wachphasen im Rahmen der Nachtruhe, die sich von den beobachteten Zuständen unterscheiden, vermuten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

"Die Kombination aus periodischen Gliederzuckungen und Augenbewegungen während des schlafähnlichen Zustands sowie die Zunahme der Dauer der Phasen entspricht den zentralen Verhaltenskriterien des REM-Schlafs bei Wirbeltieren, einschließlich des Menschen", resümieren Rößler und ihr Team. Die Studie liefere somit deutliche Hinweise auf einen vergleichbaren Zustand bei einem wirbellosen Landtier - einem Gliederfüßer.

Welche Bedeutung der REM-Schlaf-ähnliche Zustand für die Springspinnen genau hat, ist noch unklar. Doch vor dem Hintergrund der bekannten Funktionen könnte es sogar sein, dass auch die Springspinnen visuelle Träume haben. Denn frühere Untersuchungen deuten laut den Forscherinnen und Forscher darauf hin, dass die Augenbewegungsmuster während der REM-Phase in direktem Zusammenhang mit dem Erleben imaginärer Szenen stehen. Ob das auch auf die Springspinnen zutrifft, dafür seien weitere Studien nötig.

Quelle: ntv.de, hny

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen