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Wer guckt sich denn so was an? Trashfilme sind willkommene Abwechslung

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Haie spielen in vielen Trashfilmen eine wesentliche Rolle.

(Foto: Illustration: MPIEA/James Vaughan CC BY-NY-SA 2.0)

Schlechte Filme sind ärgerlich. Einige davon bekommen jedoch trotzdem Kultstatus. Aus welchem Grund sich vor allem Männer den filmischen Müll ansehen und sogar genießen, ist jetzt wissenschaftlich geklärt worden.

Obwohl amateurhaft produziert und flach in der Handlung, gibt es eine ganze Reihe von Trashfilmen - mit vielen Fans. Der Filmwissenschaftler Keyvan Sarkhosh vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik hat sich dieses Themas angenommen und herausgefunden, warum sich Menschen freiwillig Filme ansehen, die Müll sind. Mit seiner Untersuchung stellt Sarkhosh die ersten empirischen Befunde in diesem Umfang zur Verfügung. "Ich habe mich gefragt, warum so etwas erfolgreich sein kann, wer solchen 'Schund' guckt und vor allem - warum", erklärt der Forscher. Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, hat Sarkhosh Trashfilm-Zuschauer befragt.

Trashfilm

Als Trashfilme werden Filme bezeichnet, die eigentlich Müll sind. Sie bestehen aus billigen Effekten, unlogischen Handlungen und flachen Dialogen. Daraus kann eine meistens ungewollte Komik entstehen, die ihre Zuschauer findet. Manchmal werden die speziellen Stilmittel auch absichtlich eingesetzt. Die Regisseure arbeiten meist mit kleinen Budgets.

Die Befragten waren sich in einem einig: Die Beschreibung "billig" trifft bei allen Trashfilmen am besten zu. Auch wenn es sie in verschiedenen Genres gibt, gelten Low-Budget-Horrorfilme als die typischen Beispiele dafür. Die am häufigsten genannten Titel durch die Studienteilnehmer sind "Sharknado", "Plan 9 from Outer Space" und "The Toxic Avenger". Obwohl sich die Studienteilnehmer einig darin waren, dass die Filme billig gemacht und filmischer Müll sind, werden sie bei der Mehrzahl als eine Form der positiven Unterhaltung gesehen. Dabei werden die Filme vom typischen Trash-Fan nicht ernst genommen. Es überwiegt vielmehr die Haltung der ironischen Distanz.

Die Lust am Billigen

"Was unsere Ergebnisse vor allem bekräftigen: Trash-Fans sind nicht nur überwiegend männlich – fast 90 Prozent unserer Teilnehmer waren Männer –, sondern es sind vor allem enthusiastische Cineasten, für die Trash-Filme eine interessante und willkommene Abwechslung vom Mainstream-Allerlei darstellen", betont Sarkhosh. "Wir haben es hier mit überdurchschnittlich gebildeten Zuschauern zu tun, die man in gewisser Weise als 'kulturelle Allesfresser' bezeichnen könnte. Sie interessieren sich für ein breites Spektrum an Kunst- und Medienformen jenseits traditioneller Grenzen von Hoch- und Populärkultur." Dass das typische Publikum von Trashfilmen diese vor allem aus einem künstlerischen Interesse heraus anschaut, ist eine der zentralen Erkenntnisse der Studie.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die "Lust am Billigen" einhergeht mit einem aktiven Austausch über das, was man gesehen hat. Sarkhosh betont, dass sich viele der Studienteilnehmer in Online-Foren und Blogs über ihre Filmerlebnisse austauschen, und betont: "Auch wenn sich manche der typischen Vorstellungen, die man mit einem Kultfilmerlebnis verbindet, mit Blick auf Trash-Filme gerade nicht bestätigt haben, konnten wir doch zeigen, dass der aktive Austausch in ganz erheblichem Maße zum Genuss der Filme beiträgt."

Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Poetics" veröffentlicht worden.

Quelle: n-tv.de, jaz

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