Wissen

Umstrittenes Desinfektionsmittel Triclosan reichert sich in Zahnbürsten an

imago72015784h.jpg

Triclosan ist in einigen Zahncremes und Mundwässern enthalten.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Zähneputzen dient der allgemeinen Gesundheit. Doch es scheint tatsächlich darauf anzukommen, welche Zahnpasta man benutzt. Ein bedenklicher Inhaltsstoff sammelt sich in den Borsten und wird nach einem Wechsel der Zahnpastasorte wieder abgegeben.

Zahnpasta, Seife, Klopapier und Sportbekleidung: Es ist in vielen Dingen des Alltags versteckt. Triclosan heißt das chemische Desinfektions- und Konservierungsmittel, das bereits aus vielen Arztpraxen und Krankenhäusern verbannt wurde, weil man nicht ausschließen kann, dass es gesundheitsschädlich ist und zu Resistenzen führt. In den Dingen des Alltags hingegen ist Triclosan oftmals noch enthalten. Selten ist der Stoff dagegen in der Liste der Inhaltsstoffe aufgeführt. Grund genug für Forscher, zu untersuchen, wie sich Triclosan verhält, wenn es in einer Zahnpasta steckt.

Triclosan

Triclosan ist ein hochpotenter Bakterienhemmer, der seit Jahrzehnten in etlichen Kosmetik-Produkten und Desinfektionsmitteln verwendet wird. Zunehmend wird er außerdem für schweißhemmende Kleidung sowie in Haushaltsreinigern und Waschmitteln eingesetzt. Auf die eine oder andere Weise kommt fast jeder Mensch mehrmals täglich in näheren Kontakt mit Triclosan. In der Folge sammelt sich der Stoff im Körper an. In Studien wurde die Substanz in Blut, Urin und Muttermilch nachgewiesen.

Triclosan wird auch in Deutschland in sehr vielen Produkten verwendet. In Lebensmitteln und in Materialien, die direkt mit Nahrung in Berührung kommen, darf es europaweit seit 2010 nicht mehr nicht eingesetzt werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät seit Jahren vom Einsatz des Wirkstoffs bei Waschmitteln und Textilien ab. Die Gefahr von Resistenzen gegen Triclosan und andere antimikrobiell wirkende Substanzen drohe, warnt die Behörde.

Für ihre Untersuchung ließ das Forscherteam um Jie Han von der University of Massachusetts einen Roboter drei Monate lange mit 22 verschiedenen Bürsten Zähne putzen. Dafür wurden sechs verschiedene tricolosanhaltige Zahncremes verwendet. Die Forscher stellten danach fest, dass sich das Triclosan in den Borsten der Zahnbürsten anreichert. Je dünner und weicher die Borsten der Bürsten waren, umso größer waren die Mengen an Triclosan, die sich darin festsetzten. "Mehr als ein Drittel der Bürsten enthielt dadurch das Sieben- bis Zwölffache der normalerweise in einer Zahnpastaportion enthaltenen Triclosan-Dosis", berichtet Han.

Freisetzung bei Sortenwechsel

Die Anreicherung in den Borsten ist allerdings nicht das eigentliche Problem. Das tritt erst auf, wenn man zu einer triclosanfreien Zahnpastasorte, aber nicht gleichzeitig die Zahnbürste wechselt. In diesem Fall geben die Bürsten beim Putzen das gespeicherte Triclosan wieder ab - und zwar über einen Zeitraum von ungefähr zwei Wochen hinweg. In den ersten zwei bis drei Tagen waren die abgegebenen Konzentration beim Putzen sogar höher als beim Putzen mit triclosanhaltigen Zahncremes. Und noch etwas stellten die Forscher fest. Die aus den Borsten gelösten Triclosanpartikel waren sogar stärker bioverfügbar als die, die direkt aus den Zahncremes stammten.

Auch wenn die Werte, die die Forscher bei ihren Untersuchungen fanden, nicht die gängigen Grenzwerte überschritten, sehen sie dennoch darin eine unkontrollierte und unerwünschte Belastung bei den Verbrauchern, die darüber aufgeklärt werden sollten. Sie sind sich sicher, dass solche versteckte Belastungen auch von anderen Alltagsprodukten ausgehen könnten. Das jedoch muss erst durch weitere Untersuchungen aufgedeckt werden.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin Environmental Science & Technology.   

Wer nun auf Nummer sicher gehen will und vor hat die Sorte seiner Zahnpasta zu wechseln, der sollte gleichzeitig auch seine Zahnbürste erneuern.

Quelle: n-tv.de, jaz

Mehr zum Thema