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Krebstherapie als Vorbild Uni Tübingen entwickelt eigenen Impfstoff

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Die Idee für den Impfstoffkandidaten stammt von der Abteilung Immunologie der Uniklinik Tübingen.

(Foto: imago images/Eibner)

In Deutschland geht ab sofort ein vierter Impfstoff-Kandidat ins Rennen um die Zulassung, nachdem das Paul-Ehrlich-Institut eine erste klinische Studie genehmigt hat. Anders als die Konkurrenz setzt die Uniklinik Tübingen auf eine Strategie der Krebstherapie. Das gilt als vielversprechender Ansatz.

An der Universitätsklinik in Tübingen startet demnächst eine erste klinische Testreihe mit einem selbst entwickelten potenziellen Corona-Impfstoff. Zunächst würden gesunde Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 55 Jahren den neuen Wirkstoff erhalten, teilte die Universitätsklinik in der württembergischen Stadt mit. Die Genehmigung des bundeseigenen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) für den Start der Tests liege seit Mittwoch vergangener Woche vor.

Nach Angaben des Klinikums handelt es sich um einen von der dortigen Abteilung für Immunologie entwickelten Impfstoffkandidaten, dessen Wirkung auf der Aktivierung sogenannter T-Zellen basiert. Das sind wichtige Bestandteile des menschlichen Immunsystems im Kampf gegen Erreger. Die Idee dazu stammt demnach aus der Immuntherapie gegen Krebs, an der im Uniklinikum schwerpunktmäßig geforscht wird. Finanziert wird die Studie vom Stuttgarter Forschungsministerium.

Bei dem Kandidaten aus Tübingen handele es sich um einem Peptid-Impfstoff, teilte das PEI mit. "Der Peptid-Impfstoff ergänzt das Portfolio der Covid-19-Impfstoffplattformen um einen weiteren vielversprechenden Ansatz", sagte PEI-Präsident Klaus Cichutek. Bei den anderen bisher genehmigten Prüfungen von Impfstoffen gegen Covid-19 an Testpersonen handelte es sich um RNA- und Vektor-Impfstoffe. "Diese Vielfalt ist wichtig, denn wir werden unterschiedliche Impfstoffprodukte benötigen, um den weltweit hohen Bedarf decken zu können", sagte Cichutek.

Bei dem Impfstoffkandidaten der Universität Tübingen werden kurze Bruchstücke aus verschiedenen Proteinen, sogenannte Peptide, von Sars-CoV-2 verwendet. Im Fall einer Infektion erkennt das Immunsystem diese aufgrund einer vorherigen Impfung. T-Zellen des Immunsystems zerstören die infizierten Zellen.

Vierter Kandidat in der klinischen Erprobung

Weltweit arbeiten zahlreiche Pharmafirmen und wissenschaftliche Institutionen an der Entwicklung von Corona-Impfstoffen, wobei unterschiedliche Ansätze verfolgt werden. In Deutschland ist der Kandidat der Tübinger Universitätsklinik der vierte, der in die klinische Erprobung geht. Ein von der Mainzer Pharmafirma Biontech und ihrem US-Partner Pfizer entwickelter Wirkstoff befindet sich inzwischen in einem offiziellen Zulassungsverfahren für die EU.

Die beiden Unternehmen teilten am Morgen mit, dass sie den Antrag bei der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eingereicht haben. Noch in unterschiedlichen Phasen der klinischen Erprobung befinden sich außerdem ein möglicher Impfstoff der Tübinger Pharmafirma Curevac und ein Wirkstoff, den die Dessau-Rosslauer Unternehmen IDT Biologika und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickelt haben.

Quelle: ntv.de, mau/AFP