Ungleiche Folgen von TrauerVerwitwete Männer erkranken häufiger und sterben früher

Eine Langzeitstudie zeigt: Verwitwete Männer tragen ein höheres Risiko für Depressionen, Demenz und soziale Isolation. Frauen erholen sich dagegen oft schneller - und gewinnen langfristig sogar an Lebenszufriedenheit.
Der Verlust eines Partners zählt zu den einschneidendsten Erfahrungen im Leben. Doch Männer und Frauen gehen offenbar unterschiedlich damit um - mit teils überraschenden Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden. Das zeigt eine neue Studie, die im Fachjournal "Journal of Affective Disorders" veröffentlicht wurde.
Für ihre Analyse wertete das Forschungsteam Daten von knapp 26.000 älteren Menschen in Japan aus, darunter mehr als 1000 Verwitwete. Untersucht wurden insgesamt 37 verschiedene Gesundheits- und Lebensaspekte über mehrere Jahre hinweg.
Das Ergebnis: Verwitwete Männer schneiden in vielen Bereichen schlechter ab als Frauen. Sie haben ein erhöhtes Risiko für Demenz, eine höhere Sterblichkeit und größere Einschränkungen im Alltag. Auch depressive Symptome, geringere Lebenszufriedenheit und weniger soziale Unterstützung treten häufiger auf.
"Der Verlust eines Partners ist ein einschneidendes Lebensereignis, das weit mehr beeinflusst als nur Trauer", sagt Studienautor Koichiro Shiba laut Mitteilung. "Wir haben festgestellt, dass verwitwete Männer in nahezu jeder Hinsicht stärker betroffen sind, während Frauen eine überraschende Widerstandskraft zeigen."
Frauen zeigen mehr Resilienz
Bei Frauen fällt die Bilanz deutlich anders aus: Zwar sinkt die Lebenszufriedenheit kurzfristig nach dem Verlust des Partners. Langfristig jedoch zeigen sich kaum negative gesundheitliche Effekte - im Gegenteil: In den Jahren danach berichten viele Frauen sogar von steigendem Wohlbefinden und höherer Lebenszufriedenheit. Auch depressive Symptome nahmen bei ihnen nicht zu. Die Ergebnisse widersprechen damit teilweise früheren Studien, die kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern gefunden hatten.
Interessant ist auch der Blick auf das soziale Verhalten: Sowohl Männer als auch Frauen wurden nach dem Verlust ihres Partners aktiver im sozialen Leben. Doch während Frauen offenbar stärker von diesen Kontakten profitieren, fehlt Männern häufig die emotionale Unterstützung. Zudem berichteten laut Studie Männer häufiger von steigendem Alkoholkonsum, während Frauen eher zu weniger Bewegung neigten.
Erstes Jahr besonders kritisch
Die Forschenden sehen eine mögliche Erklärung in gesellschaftlichen Rollenbildern. "In Japan - und in vielen anderen Kulturen - dreht sich das Leben von Männern stärker um die Arbeit, und sie verlassen sich oft auf ihre Partnerin für emotionale und praktische Unterstützung", erklärt Shiba.
Frauen hingegen seien häufiger in soziale Netzwerke eingebunden und oft als Hauptpflegepersonen tätig gewesen. Für manche könne der Verlust daher auch eine Entlastung bedeuten: "Für einige Frauen kann Verwitwung teilweise auch eine Befreiung von dieser Belastung sein, was die Verbesserungen im Wohlbefinden erklären könnte", so Shiba.
Besonders kritisch ist offenbar die erste Zeit nach dem Verlust - vor allem für Männer. "Das erste Jahr nach der Verwitwung scheint eine Phase mit besonders hohem Risiko für Männer zu sein", sagt Shiba. Frühzeitige Unterstützung durch Familie, Freunde oder medizinisches Personal könne daher entscheidend sein. Auch Warnsignale wie Einsamkeit oder ungesunde Bewältigungsstrategien - etwa erhöhter Alkoholkonsum - sollten stärker beachtet werden.