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Zu Dinosaurier-Zeiten eisfrei Vor der Antarktis lag mal Regenwald

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Der Forschungseisbrecher "Polarstern" vor einem mächtigen Eisberg in der inneren Pine-Island-Bucht in der Westantarktis.

(Foto: K. Gohl/Alfred-Wegener-Institut/dpa)

In Bohrkernen aus der Westantarktis finden Forscher Spuren eines 90 Millionen Jahre alten Regenwaldbodens. Damit ist klar: Die Antarktis war damals eisfrei, es war dort wärmer als heute in Deutschland - und viel wärmer als bisher angenommen. "Der Fund hat uns sehr überrascht", sagen die Forscher.

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) hat nahezu unverändert erhaltene Reste von Regenwaldboden in 90 Millionen Jahre alten Sedimentbohrkernen aus der westlichen Antarktis entdeckt. Dies sei nur möglich, wenn die Konzentration an Kohlendioxid der Atmosphäre in der mittleren Kreidezeit deutlich höher gewesen sei als angenommen, teilte das AWI mit.

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Das Meeresboden-Bohrgerät MARUM-MeBo70 während Stationsarbeiten direkt vor der Schelfeiskante des Pine-Island-Gletschers.

(Foto: K. Gohl/Alfred-Wegener-Institut/dpa)

Die Bremerhavener Forscher fanden demnach ausgedehnte und sehr gut erhaltene Wurzelgeflechte sowie Pollen verschiedener Pflanzen in den Kernen, die der Forschungseisbrecher "Polarstern" bei einer früheren Fahrt aus dem Meeresboden vor dem Pine-Island-Gletscher geholt hatte. Sie wurden anschließend per Computertomograf analysiert.

Die Proben aus einer Bodentiefe von 27 bis 30 Metern belegten die Anwesenheit einer Sumpf- und Moorlandschaft und eines gemäßigten Regenwalds mit Nadelbäumen und großen Baumfarnen, berichteten die Forscher des AWI und ihre Partner von anderen Instituten, die ihre Erkenntnisse nun in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlichten. "Der Fund hat uns sehr überrascht", sagte der Erstautor der Studie, AWI-Geologe Johann Klages.

Vegetation wie heute im Süden Neuseelands

Eine solche Vegetation existiert nach Angaben der Forscher heute etwa im Süden Neuseelands. Dabei lag der antarktische Kontinent vor 90 Millionen Jahren schon dort, wo er sich heute befindet. Das bedeutet auch, dass dort mehr als vier Monate Polarnacht herrscht.

Die Erkenntnisse lassen nach Angaben der Experten nur den Schluss zu, dass die geltenden Klimamodelle angepasst werden müssen. Die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Erdatmosphäre muss in der Blütezeit der Dinosaurier viel höher gewesen sein als bisher angenommen. Anders lasse sich eine solche Vegetation nur rund 900 Kilometer vom Südpol entfernt nicht erklären, betonten die Wissenschaftler.

Ihren Untersuchungen zufolge kann es in der Westantarktis damals keine großen Eismassen gegeben haben. Vielmehr war es mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 12 Grad Celsius deutlich wärmer als heute in Deutschland mit etwas mehr als 10 Grad. Die Temperatur im Sommer lag in der Region demnach im Schnitt bei rund 19 Grad.

Die Daten aus der Analyse der Bohrkerne liefern laut AWI die ersten direkt verwertbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse über die historischen Umwelt- und Klimabedingungen in derart südlichen Breitengraden. Sie stellten Klimamodellierer auf der ganzen Welt nun vor "neue Herausforderungen", erklärte das AWI. Zu klären sei etwa, wie die Erde nach der offensichtlich deutlich ausgeprägteren Warmzeit in der Kreidezeit anschließend wieder so stark abkühlte.

Quelle: ntv.de, abe/AFP