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Warum ist es so tödlich?Was man über das Ebolavirus weiß

18.05.2026, 12:59 Uhr
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Unter dem Mikroskop sehen Ebolaviren wie lange Würmer aus. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Immer wieder wird Afrika von Ausbrüchen des tödlichen Ebolavirus heimgesucht. Doch wieso ausgerechnet dort? Woher stammt das Virus ursprünglich? Und warum ist der Erreger so gefährlich? Eine Übersicht über die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was genau ist Ebola eigentlich?

Ebola gehört zur Familie der sogenannten Filoviren - fadenförmige Erreger, die unter dem Mikroskop wie lange Würmer aussehen. Mit einer Länge von bis zu 1200 Nanometern zählen sie zu den längsten bekannten Viren. Zum Vergleich: Ein Grippevirus ist gerade einmal ein Zehntel so lang.

Woher hat Ebola seinen Namen und seit wann ist es bekannt?

Den Namen verdankt das Virus einem Fluss. 1976 brach im damaligen Zaire, der heutigen Demokratische Republik Kongo, eine bis dahin unbekannte Krankheit aus. Die Forscher tauften den Erreger nach dem nahe gelegenen Fluss Ebola - auch, um das betroffene Dorf Yambuku nicht zu stigmatisieren.

Welche Ebola-Varianten gibt es und wie unterscheiden sie sich?

Bisher kennt die Wissenschaft sechs Ebola-Arten. Die gefährlichste ist die Zaire-Variante - sie tötet bis zu neun von zehn Erkrankten. Auch die Sudan-Variante verläuft oft tödlich, die Sterblichkeitsrate liegt bei 40 bis 65 Prozent. Die derzeit im Kongo grassierende Bundibugyo-Variante ist mit einer Sterblichkeit von rund 37 Prozent etwas weniger tödlich, aber immer noch hochgefährlich. Das Taï-Forest-Ebolavirus ist nur von einem menschlichen Fall bekannt, der überlebte. Die Bombali-Variante befällt nach bisherigem Wissen nur Tiere und von der Reston-Variante sind nur asymptomatische Infektionen bei Menschen bekannt.

Wie überträgt sich das Virus?

Ebola wird nicht über die Luft übertragen, anders als etwa Grippe oder Corona. Eine Ansteckung erfolgt nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten Erkrankter: Blut, Schweiß, Speichel, Erbrochenes oder Stuhl. Besonders gefährdet sind deshalb Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte und Familienangehörige, die Kranke versorgen. Auch der Kontakt mit Verstorbenen ist riskant - traditionelle Bestattungsrituale, bei denen die Leiche berührt und gewaschen wird, haben in der Vergangenheit oft zur weiteren Ausbreitung beigetragen. Als natürliches Reservoir von Ebola werden Flughunde und Fledermäuse vermutet. Abschließend ist das bisher aber nicht geklärt.

Welche Symptome verursacht eine Ebola-Infektion?

Zunächst fühlt sich Ebola an wie eine schwere Grippe: mit Fieber, Unwohlsein, Müdigkeit und Glieder­schmerzen. Nach wenigen Tagen können Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall dazukommen. Im schweren Verlauf folgt das, was Ebola so gefürchtet macht: innere und äußere Blutungen aus Nase, Mund, Augen und Ohren. Schock, starker Flüssigkeitsverlust und Organversagen können schließlich zum Tode führen. Vom Auftreten der ersten Symptome bis zum Tod vergehen oft nur ein bis zwei Wochen.

Warum ist Ebola so tödlich?

Das Virus greift gleich an mehreren Fronten an. Es schaltet das Immunsystem aus, sodass der Körper sich kaum wehren kann. Gleichzeitig zerstört es die Wände der Blutgefäße - das Blut tritt ins Gewebe aus, der Kreislauf bricht zusammen. Hinzu kommt eine massive Entzündungsreaktion, die Organe wie Leber und Nieren versagen lässt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Körperflüssigkeiten Erkrankter regelrecht voller Viren stecken. Ein einziger Tropfen Blut kann reichen, um andere anzustecken.

Gibt es Impfstoffe und Therapien?

Gegen die häufigste Variante, das Zaire-Ebolavirus, gibt es zugelassene Impfstoffe - Ervebo und Zabdeno/Mvabea. Sie haben in den vergangenen Jahren geholfen, Ausbrüche im Kongo einzudämmen. Zudem existieren bei einer Erkrankung mit dem Zairevirus mittlerweile auch Medikamente, sogenannte monoklonale Antikörpertherapien. Gegen die seltenere Bundibugyo-Variante, die gerade im Kongo umgeht, existiert jedoch weder ein Impfstoff noch ein zugelassenes Medikament.

Wo tritt Ebola auf und warum gerade dort?

Ebola-Ausbrüche gibt es fast ausschließlich in Zentral- und Westafrika - in Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo, Uganda, Guinea, Sierra Leone und Liberia. Das hat zwei Gründe. Erstens leben dort die Fledermäuse und Flughunde, von denen das Virus womöglich stammt. Zweitens kommen Menschen, etwa beim Jagen und Verzehren von Wildtieren, immer wieder mit dem Erreger in Kontakt. Doch das Virus allein erklärt die Ausbrüche nicht. Armut, schlechte Krankenhäuser, fehlendes sauberes Trinkwasser und das Misstrauen vieler Menschen gegenüber Behörden lassen Ebola immer wieder aufflammen. Experten sprechen auch von einer "Armutskrankheit".

Was waren die schwersten Ausbrüche der Geschichte?

Der bislang verheerendste Ebola-Ausbruch traf 2014 und 2016 Westafrika. In Guinea, Sierra Leone und Liberia starben mehr als 11.000 Menschen, weltweit sorgte die Epidemie für Schlagzeilen. Auch die Demokratische Republik Kongo wurde immer wieder hart getroffen - allein in den vergangenen 50 Jahren gab es dort mehr als 15 dokumentierte Ausbrüche. Besonders schwer war die Epidemie von 2018 bis 2020 in der unruhigen Ostregion des Landes, bei der rund 2300 Menschen ums Leben kamen.

Quelle: ntv.de, kst

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