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Zeichen von Verunsicherung Was steckt hinter Verschwörungstheorien?

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Ein Turm des bei dem Terroranschlag von zwei Passagiermaschinen getroffenen World Trade Center in New York stürzt ein und eine Wolke aus Staub, Rauch und Asche geht in die Luft. (Archivfoto vom 11.09.2001

picture alliance / dpa

Die Mondlandung hat nie stattgefunden und hinter den Terroranschlägen vom 11. September steckt in Wahrheit die US-Regierung: Viele solcher Verschwörungstheorien sind erstaunlich populär. Forscher suchen nach Erklärungen dafür.

Die Verbreitung von Verschwörungstheorien ist nach Ansicht zweier Experten vor allem auf wachsende Verunsicherung zurückzuführen. "Verunsicherung erzeugt Mustersuche", sagte der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen am Freitagabend beim Philosophiefestival Phil.Cologne in Köln. Der Mensch habe immer das Bedürfnis, Muster erkennen zu wollen. Der Amerikanist Michael Butter, Autor eines Buches über Verschwörungstheorien, bestätigte: "Vor allem Leute, die sich bedroht fühlen, sind empfänglich für Verschwörungstheorien."

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Die amerikanischen Astronauten Edwin Aldrin und Neil Armstrong stellen die amerikanische Flagge auf dem Mond auf. Sie betraten am 20.07.1969 als erste Menschen den Mond.

(Foto: picture alliance / dpa nasa/NASA)

Ebenso wie Populisten versuchten auch Verschwörungstheoretiker, die Komplexität der globalisierten Welt zu reduzieren. "Eine Verschwörungstheorie ist eine Art Weltformel des Übels", sagte Pörksen. "Man wird zum Regisseur der eigenen Welterfahrung."

Butter vertrat die These, dass es lange Zeit völlig normal gewesen sei, Verschwörungstheorien anzuhängen. "Verschwörungstheorien waren früher viel populärer", sagte er. Aufgekommen seien sie zur Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert, als der Glaube an einen göttlichen Schöpfungsplan erstmals erschüttert worden sei. In dieser Hinsicht seien Verschwörungstheorien Religionsersatz. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg habe unter dem Einfluss der Sozialwissenschaften eine Delegitimierung der Verschwörungstheorien eingesetzt, dies allerdings nur im Westen. In der arabischen Welt oder in Osteuropa seien Verschwörungstheorien dagegen weiterhin sehr verbreitet geblieben.

Auch im Westen seien sie nie verschwunden, nur bis zum Aufkommen des Internets kaum sichtbar gewesen. Wer zum Beispiel davon überzeugt gewesen sei, dass die Mondlandung nie stattgefunden habe, habe diese Idee früher höchstens in selbst herausgegebenen Büchern verbreiten können.

Ein wesentliches Kennzeichen von Verschwörungstheorien ist nach Einschätzung der Wissenschaftler die Vorstellung, dass Geschichte planbar ist. Wer etwa daran glaubt, dass die Terroranschläge vom 11. September in Wahrheit von der US-Regierung ausgeführt wurden, muss zwangsläufig davon ausgehen, dass Tausende von Mitwissern über viele Jahre hinweg zu absolutem Stillschweigen verpflichtet werden können.

Quelle: n-tv.de, sni/dpa

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