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Stoff gegen Antibiotikaresistenz Was steckt noch im Grünen Tee?

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Im Grünen Tee stecken viele gesundheitsfördernde Stoffe.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Alzheimervorbeuger, Blutdrucksenker, Schlankmacher: Grüner Tee soll vielfältige gesundheitsfördernde Stoffe enthalten. Einer davon wird nun als Mittel bei Antibiotikaresistenzen geprüft. Das Antioxidans zeigt erste Erfolge.

Antibiotikaresistenzen sind in den letzten Jahren zu einem echten medizinischen Problem geworden. Sie kosten mehreren Tausend Menschen weltweit jährlich das Leben. Forscher suchen deshalb nach neuen Auswegen. An der Uniklinik Köln ist man nun auf einen Inhaltsstoff des Grünen Tees gestoßen, der nach ersten Testreihen vielversprechend ist. Es handelt sich dabei um das Antioxidans Epigallocatechin, kurz mit EGCG bezeichnet.

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Computergeneriertes Bild des gefürchteten Krankenhauskeims P.aeruginosa

(Foto: CDC/James Archer)

Diese Substanz greift nicht direkt die multiresistenten Keime (MRSA) an, sondern ist in der Lage, die Wirksamkeit des Antibiotikums wieder herzustellen. Bei dem zu bekämpfenden Erreger handelt es sich in der aktuellen Studie um Pseudomonas aeruginosa. Der gefürchtete Krankenhauskeim gehört mit rund zehn Prozent aller Krankenhausinfektionen zu den am häufigsten auftretenden Infektionen mit MRSA in Deutschland. Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa können schwere Infektionen der Lungen, der Harnwege, des Darmes, der Hirnhaut, des Außenohres sowie Blutvergiftungen hervorrufen. Der Erreger wird wegen seiner Resistenzhäufigkeit oft mit dem Antibiotikum Aztreonam behandelt. Doch auch gegen dieses Mittel hat sich Pseudomonas aeruginosa bereits resistent gezeigt.

"Wir konnten zeigen, dass Aztreonam die Bakterienvermehrung stärker hemmte, wenn EGCG mit im Kulturmedium enthalten war", erklärt Professor Harald Seifert, Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung an der Uniklinik Köln. Die Substanz aus dem Tee konnte demnach die Empfindlichkeit der Bakterien für das Antibiotikum wiederherstellen. Die Effekte konnte das Forscherteam, das unter der Leitung von Jonathan Betts von der University of Surrey zusammengearbeitet hat, sowohl bei Versuchen mit Hautzellen als auch mit Larven der Wachsmotte sehen.

Zellen und Larven wurden dafür mit dem Antibiotikum Aztreonam und EGCG und im zweiten Versuch ohne EGCG behandelt. Dabei konnten die Forscher ebenfalls feststellen, dass EGCG beide Male nur gering toxisch wirkte. Das ist eine Grundvoraussetzung für klinische Tests, die bereits geplant sind.

Die Forschungsergebnisse wurden bei PubMed des Nationalen Zentrums für Biotechnologieinformationen veröffentlicht.

Quelle: ntv.de, jaz