Nur eine Minute reichtWelche Waldgeräusche am wohlsten tun

Die Natur tut uns gut, ein Spaziergang im Wald hebt oft die Stimmung. Aber was daran genau? Eine neue Studie findet heraus, dass die Geräusche des Waldes positive Effekte haben. Dabei kommt es offenbar darauf an, welchem Wald man lauscht.
Früher ist man durch den Wald gewandert oder spazieren gegangen, mittlerweile hat ein neuer Trend aus Japan auch Deutschland erreicht: das Waldbaden. Die Idee dahinter ist, dass man sich bewusst mit dem Wald auseinandersetzt, wie er riecht, aussieht und sich anhört. Aber bringt das was? Einer neuen Studie zufolge können Waldgeräusche tatsächlich die Stimmung heben.
Ein Forschungsteam unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) fand heraus, dass sich bereits eine Minute Geräusche aus Wäldern positiv auf das kurzfristige Wohlbefinden von Menschen auswirken. Die Studie wurde im "Journal of Environmental Psychology" veröffentlicht.
"Geräusche spielen eine große Rolle, wie wir Natur und Biodiversität erleben - zum Beispiel Vogelgesang, wenn man im Wald spazieren geht", sagt Co-Erstautor Kevin Rozario, laut einer Mitteilung der Universität Jena. "Wir wissen jedoch noch nicht wirklich, wie sich die Vielfalt und Komplexität von Geräuschen auf das menschliche Gemüt auswirken oder warum manche Klänge vielleicht stärker wirken als andere."
Und so sah das Experiment aus: Die fast 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hörten sich einminütige Audioaufnahmen von Wäldern an, die sich voneinander unterschieden. Mal waren wenige, mal viele Tierarten zu hören, mal stammten die Aufnahmen aus heimischen und mal aus tropischen Wäldern. Nach den Hörproben beantworteten die Probanden Fragen, wie gestresst sie sich fühlten und wie angenehm und vertraut ihnen die Geräusche waren.
"Kommt nicht auf die Artenzahl an"
Auffällig war, dass verschiedene Wälder auch unterschiedliche Wirkung zeigten: Die in Deutschland lebenden Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer empfanden laut der Studie die Naturgeräusche als erholsamer, wenn diese aus heimischen Wäldern stammten statt aus den Tropen. Gleichzeitig zeigte die Zahl der zu hörenden Tierarten nur geringe Wirkung.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass es nicht nur auf die Artenzahl ankommt", sagt Co-Autorin Aletta Bonn. "Klänge, die Menschen an vertraute Wälder erinnern, wie zum Beispiel die Vögel in der Nähe ihres Zuhauses, scheinen eine viel stärkere Wirkung zu haben. Unsere Studie liefert faszinierende Einblicke in die komplexen Zusammenhänge zwischen Biodiversität und psychischem Wohlbefinden."