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Vollrausch für die Forschung Wie Alkohol den Charakter verändert

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Wer alkoholisiert ist, erkennt sich manchmal selbst nicht wieder. US-Forscher haben vier Kategorien von Betrunkenen definiert.

(Foto: imago/Westend61)

Im Wein liegt die Wahrheit - sagt man. Viele Menschen zeigen demnach erst im betrunkenen Zustand ihr wahres Ich. Das dachten sich wohl auch US-Forscher und luden Männer und Frauen ein, im Namen der Wissenschaft Alkohol zu trinken.

Viele Menschen verändern ihr Gemüt, wenn sie zu tief ins Glas geschaut haben. Aus dem schüchternen Mauerblümchen kann schon mal eine emotionale Labertasche oder ein enthemmtes Party-Girl werden. Oder andersherum verwandelt sich eine selbstbewusste Powerlady mit Schwips plötzlich in eine langweilige Thekenschläferin.

Forscher der Universität von Missouri-Columbia baten 64 Männer und Frauen, für die Wissenschaft Alkohol zu trinken. Sie sollten ihre Charaktereigenschaften dazu einmal im nüchternen Zustand betrachten und diese dann mit ihrer betrunkenen Version vergleichen. Das Ergebnis ihrer Studie: Betrunkene Alter Egos lassen sich in vier Spezies einordnen.

Hemingway: Ganz nach Hemingway-Manier, der selbst einmal verlautbarte, er könne den gesamten Whiskey-Vorrat der Hölle austrinken, ohne betrunken zu werden, kann diesem Rausch-Typ kein Drink was anhaben. Während die anderen Trinker nach ein paar Bier nicht mehr die Hellsten sind, beeinträchtigt das die Hemingways kaum. Sie meinen, im alkoholisierten Zustand besser organisiert zu sein und abstrakte Gedanken schneller nachvollziehen zu können. In diese Kategorie fallen die meisten Leute - das glauben sie zumindest selbst von sich.

Mary Poppins: Etwa 15 Prozent der Menschen werden, wenn sie betrunken sind, schlagartig einfühlsam, freundlich und kooperativ. Diese meist weiblichen Trinker behalten ihr angenehmes Wesen auch durch ein paar Gläser Wein zu viel bei und werden nicht gleich zu rücksichtslosen Vollidioten. Sie verhalten sich lediglich etwas extrovertierter, machen gerne ein paar Selfies oder halten einer Freundin die Haare, wenn diese über der Kloschüssel hängt.

Der verrückte Professor: Diese Spezies erlebt durch den Alkohol eine regelrechte Transformation. Sie sind Meister im Mut antrinken, nüchtern sind sie jedoch oft schüchtern. Wenn sie betrunken sind, steigt ihre Extroversion "drastisch" an, während ihre Gewissenhaftigkeit sinkt. Verrückte Professoren mutieren nach ein paar Cola-Rum zum wilden Tier. Ihren verrückten Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Dramatische Szenen nicht ausgeschlossen. Etwa 20 Prozent der Menschen fallen in diesen Rausch-Typ, mit mehr Männern als Frauen.

Mr. Hyde: Diese Trinker werden unter Alkoholeinfluss zu wahren Monstern. Etwa 23 Prozent verwandeln sich von Dr. Jekyll in Mr. Hyde - darunter zwei Drittel Frauen. Je betrunkener sie werden, desto feindseliger wird ihre Stimmung. Ihr Verantwortungsbewusstsein und sogar ihr Intellekt scheinen sich unter Alkoholeinfluss aufzulösen. Mr. Hydes sind nicht unbedingt die Leute, in deren Anwesenheit man ohnmächtig oder verhaftet werden möchte. Die Hydes können sich am nächsten Morgen oft an nichts mehr erinnern. Black-outs gehören zum Programm. Dabei können die Personen im nüchternen Zustand durchaus liebenswert und sogar eher ruhig sein.

Quelle: n-tv.de

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