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Deutschlands SpezialstationenEbola-Patient soll in Berliner Charité kommen

19.05.2026, 16:05 Uhr
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Eine Übung in einer der sieben deutschen Sonderisolierstationen - hier in der Münchner Klinik Schwabing. (Foto: picture alliance / SZ Photo)

Nach mehr als zehn Jahren soll erstmals wieder ein Ebola-Patient in Deutschland behandelt werden. Es gibt hierfür in sieben Städten spezielle Behandlungszentren. Davon profitiert nun ein US-Patient, der sich im Kongo angesteckt hat.

Ein einziger der Todesfälle der Ebola-Epidemie ab 2014 mit mehr als 11.000 Toten ereignete sich in Deutschland. Insgesamt drei Patienten waren damals zur Hochzeit des Ebola-Ausbruchs nach Deutschland eingeflogen worden. Mediziner betreuten sie dann auf sogenannten Sonderisolierstationen - in Frankfurt/Main, Leipzig und Hamburg-Eppendorf. Es handelte sich bei allen Patienten um medizinisches Personal verschiedener Nationalitäten.

"Die drei genannten Patienten hatten sich beim Hilfseinsatz im Rahmen des westafrikanischen Ebolafieber-Ausbruchs infiziert", schrieb die Bundesregierung Ende 2019 in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Abgeordneten. Es sind die bis heute einzigen bekannten Ebola-Behandlungsfälle hierzulande. Einer der Patienten, der in Leipzig, verstarb im Alter von 56 Jahren.

Nun kommt nach längerer Zeit ein weiterer Fall dazu. Ein mit dem Ebola-Virus infizierter US-Amerikaner soll zur Behandlung nach Berlin kommen. Der Patient soll in die Sonderisolierstation der Charité gebracht werden, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Hintergrund ist den Angaben zufolge eine Bitte der US-Behörden an die Bundesregierung wegen der kürzeren Flugzeit nach Deutschland. Der Amerikaner hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo mit Ebola infiziert. US-Medien zufolge soll es sich bei dem Infizierten um einen Arzt handeln. Auch eine christliche Missions-Organisation teilte mit, dass sich ein US-amerikanischer Mediziner beim Behandeln in einem Krankenhaus im Kongo infiziert habe.

Sieben Standorte in Deutschland

Die Behandlung erfolgt damit wieder in einer der sieben bundesweiten Sonderisolierstationen, die in einem Arbeitskreis mit dem Namen STAKOB (Stän­di­ger Arbeits­kreis der Kom­pe­tenz- und Be­hand­lungs­zentren für Krank­hei­ten durch hoch­pathogene Erreger) organisiert sind. Dieser ist beim Robert-Koch-Institut angesiedelt. Neben den oben genannten vier Standorten befinden sich dem Arbeitskreis angeschlossene Behandlungszentren noch an Kliniken in Düsseldorf, Stuttgart und München.

Der Transport nach Berlin soll von der US-Regierung von Uganda aus mit einem speziellen Flugzeug für hochinfektiöse Patienten organisiert werden, wie es vom Bundesgesundheitsministerium weiter hieß. Vom Berliner Flughafen zur Charité soll der Transport dann mit einem Rettungswagen erfolgen, der für Patienten mit hochansteckenden Infektionskrankheiten ausgestattet ist.

Was heißt "hochpathogen"?

In den sieben Behandlungszentren wird unter strengsten Schutzvorkehrungen behandelt. Der Begriff "hochpathogen" bedeutet, dass ein Krankheitserreger schwere und oft tödliche Krankheiten auslösen kann. Auch wenn das Ebola-Virus ausschließlich durch direkten Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten übertragen wird, also weitaus weniger ansteckend ist als zahlreiche andere Viruserkrankungen, erfordert die hohe Sterblichkeit bei Infektion und Ausbruch der Krankheit, dass das medizinische Personal mit Schutzanzügen arbeitet und sich in Schleusen- und Druckluftsystemen bewegt. Letzteres heißt, dass es verschiedene Bereiche mit unterschiedlichem Luftdruck geben kann - wie etwa auf der seit Kurzem nach einer Modernisierung wieder einsatzbereiten Sonderisolierstation an der Klinik Schwabing. Herrscht im Patientenzimmer ein Unterdruck, dringen Krankheitserreger nicht nach außen.

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Bei einer internationalen Einsatzübung wird ein Hochinfektionspatient im sogenannten "Epishuttle" auf die Sonderisolierstation an der Universitätsklinik Düsseldorf transportiert. (Foto: picture alliance/dpa)

Auch die Station in der Charité ist eine in sich geschlossene und geschützte Einheit. Sie ermöglicht die Isolation, Diagnostik und Behandlung von bis zu 20 Menschen gleichzeitig. Die Sonderstation verfügt über eigene Zugangswege und Schleusensysteme, Lüftungs- und Filteranlagen sowie eine geschlossene Abwasseraufbereitung.

Laut Bundesregierung von 2019 verfügen die sieben Sonderisolierstationen in Deutschland "nach Kenntnisstand des Bundesgesundheitsministeriums baulich-technisch grundsätzlich über ca. 50 Behandlungsbetten." Über die Belegbarkeit der Betten entscheide im Ereignisfall das jeweilige Krankenhaus gemeinsam mit den zuständigen Landesgesundheitsbehörden.

Aufwendige Behandlung

Noch 2014 äußerte sich der damalige Leiter der Sonderisolierstation am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus skeptisch zu dieser Zahl. "Auf Bundesebene ist die Zahl von 50 Betten für Ebola-Patienten sehr hoch gegriffen, höchstens 20 Fälle sind auf höchster Schutzstufe kontrolliert zu bewältigen", so der Mediziner Eduard Stange damals gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Seitdem ist viel passiert, aber alleine der Personalbedarf dürfte die Kliniken bei weitaus weniger Patienten bereits an ihre Belastungsgrenze bringen.

Zudem haben die Sonderisolierstationen noch mit weiteren Krankheiten zu tun. Nach dem kürzlichen Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff waren vier deutsche Passagiere in der Universitätsklinik in Frankfurt untersucht worden. "Die Personen werden dort in einer spezialisierten Sonderisolierstation des STAKOB-Zentrums betreut und medizinisch untersucht", teilte ein Sprecher der Unimedizin mit.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

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