Immunzellen unter VerdachtWie Grippe das Herz in Mitleidenschaft zieht

Eine Infektion mit Grippeviren kann das Risiko eines Herzinfarkts und damit das Sterberisiko erhöhen. Forschende kommen nun einem verheerenden Mechanismus auf die Spur, der mit Immunzellen zu tun hat.
Bestimmte Immunzellen können nach einer Infektion mit Influenza-A-Viren das Herz nachhaltig schädigen. Das hat ein Forschungsteam der Icahn School of Medicine an der Mount Sinai in New York City herausgefunden. "Wir wissen seit Jahren, dass die Häufigkeit von Herzinfarkten während der Grippesaison zunimmt. Abgesehen von klinischen Beobachtungen gibt es jedoch kaum Belege für die zugrundeliegenden Mechanismen dieses Phänomens", sagt Filip Swirski in einer Mitteilung der Uni.
Für die Untersuchung sahen sich die Forschenden zuerst die Autopsieberichte von insgesamt 35 Patienten und Patientinnen an, die in Kliniken nach einer Influenzainfektion gestorben waren. Sie stellten fest, dass 30 davon schon vor dem Tod unter einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems litten, darunter Bluthochdruck, Atherosklerose oder auch einer Vernarbung des Herzgewebes. Die Forschenden werteten das als Hinweis darauf, dass das Influenza-Sterberisiko direkt mit der Herz-Kreislauf-Gesundheit zusammenhängt und weiteten die Forschung auf das Maus-Modell aus.
Immunzellen greifen Herzmuskelzellen an
Zunächst konnten die Forschenden den Weg der Influenza-A-Viren zum Herzen nachvollziehen. Außerdem sahen sie, wie sich das Immunsystem der Tiere bei einer Infektion der Herzmuskelzellen verhält. Das produzierte nämlich bestimmte Abwehrzellen, sogenannte Typ-1-Interferone. Diese Botenstoffe gehören zum angeborenen Immunsystem. Sie haben die Aufgabe, die erste Abwehrreaktion gegen Viren, aber auch Bakterien und Parasiten einzuleiten. Komme es zu einer vermehrten Ausschüttung, werden jedoch die Herzmuskelzellen durch Typ-1-Interferone geschädigt und sterben ab, schreibt das Team um Swirski.
Um ihre These zu bestätigen, störten die Forscher den Signalweg der Typ-1-Interferone mit künstlich veränderten mRNA-Molekülen. Und tatsächlich konnte so verhindert werden, dass die Immunzellen an die Rezeptoren der Herzmuskelzellen andocken und die Herzen der Tiere geschädigt werden. "Diese Ergebnisse sind vielversprechend für die Entwicklung neuer Therapien, die dringend benötigt werden, da es derzeit keine wirksamen klinischen Optionen zur Vorbeugung von Herzschäden gibt", fasst Swirski die Ergebnisse zusammen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Fachmagazin "Immunity" veröffentlicht.