Wissen

Knochenbrüche, Kopfverletzungen Wie gefährlich sind E-Scooter?

115083958.jpg

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Debatte um die Zulassung von E-Rollern im Straßenverkehr ist in vollem Gange. In den USA werden die Ergebnisse einer Untersuchung präsentiert, die aufzeigt, wie viele Menschen sich durch die trendigen Fahrzeuge verletzen. Ein Alarmzeichen.

Elektrische Tretroller gelten als trendige Alternative zur Fortbewegung in vielen autoverstopften Städten - doch bei Unfällen mit den E-Scootern kann es zu erheblichen Verletzungen kommen. Einer Untersuchung US-amerikanischer Mediziner zufolge landeten Unfallbeteiligte mit Knochenbrüchen, Platzwunden, aber auch schweren Kopfverletzungen im Krankenhaus. Die Mediziner berichten davon im Fachblatt "Jama Network Open". Auch in Deutschland werden momentan vom Bundesverkehrsministerium Regeln für die Zulassung der E-Scooter erarbeitet. Radfahrer- und Fußgänger-Initiativen warnen seit längerem vor drohenden Unfällen.

Bei den E-Scootern handelt es sich um Tretroller, die mit einem kleinen Elektromotor ausgestattet sind. Um sie in Gang zu setzen, stößt sich der Fahrer einmal mit einem Fuß ab - dann rollen die Scooter mit einem Tempo von um die 20 Stundenkilometer durch die Gegend. In den USA würden E-Scooter bereits in mehr als 60 Städten zum Ausleihen angeboten, berichten die Wissenschaftler um Tarak Trivedi von University of California (Los Angeles) in ihrer Studie. In Los Angeles allein seien Tausende dieser Gefährte unterwegs. Sie werden ähnlich wie Leihräder von Verleihfirmen angeboten und können einfach über eine Smartphone-App gebucht werden. Wo im Straßenverkehr und unter welchen Voraussetzungen sie fahren dürfen, sei in den einzelnen Regionen unterschiedlich geregelt.

Die Mediziner hatten nun aus den Krankenakten zweier Kliniken in Südkalifornien jene Fälle herausgesucht, in denen Patienten nach einem Unfall mit einem E-Scooter in die Notaufnahme kamen. Zwischen dem 1. September 2017 und dem 31. August 2018 identifizierten sie insgesamt 249 Fälle, die den ausgewählten Kriterien entsprachen. Zum Vergleich geben die Forscher an, dass im Zeitraum der Untersuchung 195 Radfahrer und 182 Fußgänger in die Notaufnahme eingeliefert worden seien. Welchen Anteil die jeweiligen Verkehrsteilnehmer am gesamten Verkehr hatten, sagten die Wissenschaftler allerdings nicht. Ein direkter Rückschluss auf die Gefährlichkeit der einzelnen Verkehrsmittel ist also nicht möglich.

Meistens verunglücken E-Roller-Fahrer

Die meisten (228) Unfallopfer waren als Fahrer verunglückt: Sie stürzten, kollidierten mit einem Gegenstand oder wurden angefahren. 21 Menschen wurden als Nicht-Fahrer verletzt. Diese wurden entweder von einem E-Scooter angefahren, waren über ein abgestelltes Gefährt gestolpert oder hatten sich beim Versuch verletzt, eines hochzuheben oder zu tragen. Das Alter der Verletzten lag zwischen 8 und 89 Jahren, 26 der verunglückten Fahrer waren jünger als das in Kalifornien für E-Scooter geltende Mindestalter von 18 Jahren.

Die häufigsten Verletzungen waren Kopfverletzungen (etwa 40 Prozent), gefolgt von Knochenbrüchen (32 Prozent), Prellungen, Stauchungen oder Platzwunden. 80 Prozent der Verletzten wurden geröntgt oder einer Computertomographie unterzogen; bei einigen Patienten lasse die verordnete Diagnose darauf schließen, dass die behandelnden Mediziner den Verdacht einer schweren Verletzung hatten. Die allermeisten Patienten wurden nach der Behandlung wieder entlassen. 15 Patienten wurden allerdings stationär eingewiesen, zwei kamen auf die Intensivstation, beide mit schweren Kopfverletzungen. Einen Helm hatten die allermeisten Fahrer laut Aktenlage nicht getragen.

Letzteres bestätigte sich auch, als die Wissenschaftler das Verhalten der E-Scooter-Fahrer an einer Kreuzung in der Nähe der Kliniken näher betrachteten: 94 Prozent der 193, an drei Tagen beobachteten Fahrer trugen demnach keinen Helm. Einige (8 Prozent) fuhren verbotenerweise zu zweit auf dem Roller, hielten sich nicht an Verkehrsregeln (9 Prozent) oder waren - ebenfalls unerlaubterweise - auf Bürgersteigen unterwegs (26 Prozent). Die Fahrer teilen sich die Straßen mit schnell fahrenden Fahrzeugen, scheinen die Risiken aber zu unterschätzen, schreiben die Forscher.

Potenzial, Entwicklung, Recht

E-Scooter hätten das Potenzial, den Verkehrsstau in den Städten zu mindern und seien ein für nahezu alle Menschen günstiges Fortbewegungsmittel. Es sei aber erforderlich, die rechtlichen Vorgaben an die schnelle Entwicklung des Trends anzupassen.

In Deutschland sind E-Scooter auf öffentlichen Straßen und Wegen noch verboten. Eine Zulassungsverordnung wird derzeit erarbeitet, sie soll noch im Frühjahr in Kraft treten. Dann sollen die Elektroroller mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 20 Stundenkilometern auf Radwegen erlaubt sein. Auf der Straße sollen sie nur fahren dürfen, wenn es keinen Radweg gibt. Eine Helmpflicht ist dem Verordnungsentwurf zufolge nicht vorgesehen. Allerdings braucht es zum Fahren mindestens einen Mofa-Führerschein und ein Alter von mindestens 15 Jahren.

Fußgänger- und Radfahrer-Initiativen sehen das kritisch. So warnte der Radfahrerverein ADFC kürzlich, die Radwege seien nicht breit genug, um mit den Elektrorollern langsamere Fahrzeuge sicher zu überholen. Es drohten "chaotische Zustände". Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork dazu: "Deutsche Radwege taugen nicht einmal für die sichere Abwicklung des vorhandenen Radverkehrs. Wenn ab 2019 zusätzlich eine Welle von E-Scooters durch die Innenstädte holpert, werden wir sehr unschöne Szenen und viele Unfälle erleben."

Quelle: n-tv.de, Anja Garms, dpa

Mehr zum Thema