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Auch in Speichel und Gehirnwasser Wie sich Zika im Körper ausbreitet

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Die Computergrafik zeigt ein Zika-Virus, das von Antikörpern umgeben ist.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Um das Zika-Virus wirkungsvoll zu bekämpfen, muss man verstehen, wie es sich im Körper ausbreitet und, wie lange es sich dort aufhält. Wissenschaftler untersuchen das nun an Affen. Besondere Sorge macht, dass es auch in der Gehirnflüssigkeit nachweisbar ist.

Das Zika-Virus kann sich nach dem Abklingen von Symptomen noch wochenlang in Samenflüssigkeit und möglicherweise auch im Speichel von Patienten halten. Diesen Verdacht legen Studien an zwei Affenarten nahe. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Eine Infektion mit dem Erreger bringt später vollständigen Schutz auch gegen andere Zika-Varianten. Das berichtet ein Team um James Whitney von der Harvard Medical School im Fachblatt "Nature Medicine".

Das Zikavirus (ZIKV) wurde 1947 in Uganda erstmals bei einem Rhesusaffen entdeckt und später auch bei Menschen. Seitdem wurden einige Epidemien registriert, zuletzt seit 2015 in Lateinamerika. Bei Erwachsenen löst der Erreger, der vor allem durch Mückenstiche übertragen wird, meist nur leichte Symptome aus. Bei Schwangeren kann er aber beim ungeborenen Kind eine Mikrozephalie verursachen - die Babys kommen mit zu kleinem Schädel zur Welt und sind oft geistig beeinträchtigt.

Verschwindet aus dem Blut

Zika-Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 in einer Forschungsstation im Zika Forrest in Uganda in einem Rhesusaffen entdeckt. Es hat so seinen Namen bekommen. Zika wird vor allem von Mücken übertragen und kommt gehäuft in Afrika, Südostasien und seit 2015 auch in Lateinamerika vor.

Eine Infektion damit verläuft bei gesunden Erwachsenen oftmals harmlos und sogar unbemerkt. Für Ungeborene dagegen birgt eine Infektion der werdenden Mutter das Risiko an einer Schädelfehlbildung, der sogenannten Mikrozephalie zu leiden.

Bisher gibt es keine geeignete Therapie bei einer Zika-Infektion. Die beste Vorsorge ist, sich vor Mückenstichen in den betroffenen Gebieten zu schützen.

Um zu klären, wie sich das Virus im Körper verbreitet, infizierten die Forscher 28 Rhesusaffen (Macaca mulatta) und 8 Javaneraffen (Macaca fascicularis) mit zwei Varianten des Virus - eine aus Asien und eine von der derzeitigen Epidemie in Amerika. Schon nach einem Tag fanden die Wissenschaftler Erbgut des Virus im Blut. Nach dem zweiten Tag sanken diese Werte wieder und fielen bis zum zehnten Tag unter die Nachweisgrenze.

Im Urin der Tiere tauchte das Virus ab dem dritten Tag auf, nach zehn Tagen war es nur noch bei einem Tier im Harn nachweisbar. Anders dagegen in Speichel und Samenflüssigkeit: Hier verblieben infektiöse Viruspartikel bis zum Ende der Studie vier Wochen nach der Infektion. Damit waren die Tiere also noch lange ansteckend, nachdem das Immunsystem den Erreger aus dem Blut bereits entfernt hatte.

Erworbene Immunität

Die Forscher vermuten, dass das Virus Reservoire in der Mundschleimhaut und - vor allem bei männlichen Tieren - im Genitaltrakt anlegt. Dies eröffne die Möglichkeit einer sexuellen Übertragung auch lange nach Abklingen der Symptome. Dabei gehe von männlichen Tieren eine stärkere Infektionsgefahr aus als von weiblichen.

Weitere Versuche zeigten, dass eine Infektion mit dem Virus die Affen noch 45 Tage später vor einer Ansteckung mit einem anderen Virustyp schützt.

Auch in der Hirnflüssigkeit

Sorge macht den Forschern der Umstand, dass sie Erreger-Erbgut auch in der Hirnflüssigkeit nachwiesen. "Der Nachweis einer schnellen und hochgradigen ZIKV-Infektion von Kleinhirn-Neuronen macht Sorge und könnte die neurologischen Folgen von ZIKV-Infektionen bei Erwachsenen und Ungeborenen erklären helfen", schreiben die Autoren. "Diese Resultate erfordern eine erhöhte klinische Wachsamkeit in Zika-Gebieten gegenüber Erwachsenen mit neurologischen Symptomen."

Die Studie sei sehr sorgfältig durchgeführt worden, sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Sie beruhe auf Daten mit tatsächlich zirkulierenden Zika-Varianten, die in einer Dosis wie bei Mückenstichen unter die Haut injiziert wurden. "Das kommt dem natürlichen Infektionsweg sehr nahe."

Warnung vor Überbewertung

Allerdings hätten epidemiologische Daten gezeigt, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch nur eine untergeordnete Rolle spiele, betont der Experte. Bislang gebe es nur wenige Beispiele für eine Übertragung durch zwischenmenschliche Kontakte. Dass sich der Erreger auch beim Menschen sogar mehrere Monate in der Samenflüssigkeit halte, hätten Studien an Zika-Patienten gezeigt.

Dass sich Virenmaterial auch im Gehirn der Affen fand, sollte man nach Ansicht des Virologen nicht überbewerten. "Bei Erwachsenen verläuft die Infektion in den allermeisten Fällen nicht schwer."

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa