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Frage & Antwort Wie warm kann es in einem Iglu werden?

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Ein Inuit zeigt, wie man ein Iglu baut.

(Foto: imago/Bluegreen Pictures)

Ein kuppelförmiges Haus, das vollständig aus Schnee besteht, wird Iglu genannt. Diese Bezeichnung stammt von den Inuit, also den indigenen Volksgruppen, die im nördlichen Polargebiet leben. Iglu bedeutet so viel wie Haus oder Wohnung. Auch wenn bis in die 1950er-Jahre hinein darin gewohnt wurde, sind die Schneehäuser heute eher die Ausnahme.

Zwei Inuit sind als Team in der Lage, innerhalb von einer Stunde ein Iglu als Schutzhütte zu bauen. Das ist beispielsweise bei Jagdausflügen wichtig, denn ein unverhoffter Wetterumschwung in der unwirtlichen Polarregion ist lebensbedrohlich. Iglubauen wird deshalb im hohen Norden auch in der Schule gelehrt.

In einem Iglu ist es nicht nur windgeschützt, sondern im Verhältnis zur Außentemperatur auch relativ warm. Grund ist der Schnee, der als Baustoff gut dämmt. Im Schnee steckt, je nach Alter, zwischen 25 und 90 Prozent Luft, die nicht zirkulieren kann. So sind die Schneeblöcke, aus denen ein Iglu besteht, hervorragender Dämmstoff, allerdings mit Einschränkungen. Schmilzt der Schnee im Inneren des Iglus, dann geht nicht nur seine isolierende Wirkung verloren, sondern auch die Stabilität des Schneehauses. Bricht ein Iglu ein, dann besteht für die darin lebenden Personen Lebensgefahr.

Warm ist relativ

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Bei Außentemperaturen von weniger als minus 40 Grad Celsius ist man froh über ein windgeschütztes Plätzchen und geringe Plusgrade.

(Foto: imago/Bluegreen Pictures)

Wie warm es tatsächlich in einem Iglu werden kann, ist von mehreren Faktoren abhängig. Klar ist, dass warme Luft nach oben steigt und in einem Iglu nicht entweichen kann. Klar ist auch, dass Schnee ab einer Temperatur von plus einem Grad Celsius schmilzt. Als günstig für den Erhalt des Iglus sind dementsprechend Temperaturen um den Gefrierpunkt. An der höchsten Stelle eines Iglus kann es aber allein durch die Körperwärme der Anwesenden zu Temperaturen um die fünf Grad kommen. Dann fängt der Schnee im Inneren an zu schmelzen.

Ein Iglu sollte so gebaut sein, dass das Schmelzwasser an den Seitenwänden herunterläuft. Auf diesem Weg gefriert es schnell wieder und die Innenwände vereisen. Eis ist im Gegensatz zum Schnee allerdings kein guter Isolator und auch die Stabilität des Schneehauses geht durch den Schmelzvorgang verloren.

Manchmal ist das Schmelzen wegen äußerer Bedingungen wie Sonneneinstrahlung oder steigender Außentemperaturen nicht aufzuhalten. Das Iglu ist unter diesen Umständen nicht mehr bewohnbar. Es muss aufgegeben werden.

Zum Iglu-Bau benötigt man viel kompakten Schnee, eine Säge oder ein Schneemesser, einen Spaten und echtes Fachwissen. Werden die Schneeblöcke eines Iglus nämlich zu dicht verbaut, kann man unter Umständen darin ersticken. Ist der Eingang zu hoch, dann entweicht zu viel warme Luft. Ein besonders kritischer Punkt beim Bau ist das Einsetzen des letzten Blocks, ganz oben auf der Decke des Iglus. Dieser muss so genau zugeschnitten werden, dass er weder durchfällt noch zu groß ist und oben aufsitzt.

Übrigens: Was gegen Kälte schützt, ist auch gut gegen Hitze. Die Navaho-Indianer im Südwesten der USA leben in sogenannten Hogans. Diese kuppelförmigen Behausungen erinnern stark an Iglus. Wie diese haben auch Hogans keine Fenster und nur einen kleinen Eingang. Sie werden aus Lehm gebaut, der ebenso wie Schnee ein schlechter Wärmeleiter ist.

Quelle: n-tv.de

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