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Mehr "Stacheln" durch Mutation Wird das Coronavirus ansteckender?

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Die Mutation D614G hat den Erreger Sars-CoV-2 "stabiler" gemacht.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Eine spezielle Veränderung des Coronavirus könnte es laut einer US-Studie noch ansteckender gemacht haben, als in seiner Ursprungsform. Frühere Ausbrüche von Covid-19 waren deswegen möglicherweise weniger dramatisch als spätere in Italien oder New York.

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 hat sich seit den ersten Infektionen genetisch verändert. Eine der häufigsten Mutationen - D614G genannt - haben Forscher des Scripps Research Institut aus den USA nun genauer untersucht. Demnach erhöhe die genetische Veränderung die Zahl der "Stacheln" an dem Virus-Körper teilweise um das Vier- bis Fünffache. Die Stacheln werden vom Virus benötigt, um andere Zellen zu befallen.

Die Mutation mache die Stacheln beweglicher und erleichtere das Befallen der Wirtszelle, ohne dass das Virus dabei selbst auseinanderfalle, schreiben die Autoren der Studie, Hyeryun Choe und Michael Farzan vom Scripps Research Department of Immonology and Microbiology. "Die Daten zeigen ganz klar, dass die Mutation das Virus stabiler macht", so Choe. Die Forscher schreiben allerdings auch, es sei noch unbekannt, inwieweit dies zu schwereren Symptomen bei Infizierten oder einer höheren Todesrate führe. Dafür bedürfe es weiterer Studien.

Der Ansatz könne jedoch möglicherweise eine Erklärung dafür bieten, weshalb Covid-Ausbrüche in Italien und New York das Gesundheitssystem schnell kollabieren ließen, während frühere Ausbrüche in San Francisco oder Washington - zumindest zunächst - besser unter Kontrolle zu bekommen waren. Choe und Farzan forschen bereits seit 20 Jahren an Coronaviren.

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Auch beim neuerlichen Ausbruch in Peking sorgte die Nachricht, es könne sich um eine Mutation des ursprünglichen Virus handeln, für Sorgen. Epidemiologen zufolge handelt es sich um einen anderen Typ des Virus als den, der zuvor Wuhan heimgesucht hatte.

Als Mutation wird die spontan auftretende und dauerhafte Veränderung des Erbgutes bezeichnet. Das Virus passt sich an den Wirt an - zur eigenen Optimierung und Überlebenssicherung. Dass eine Mutation des Coronavirus nicht zwangsweise negativ sein muss, erklärte Virologe Christian Drosten in seinem NDR-Podcast. Anhand einer britischen Studie zeigte er auf, dass sich Sars-CoV-2 dahingehend entwickelt haben könnte, dass es besser in der Nase repliziert. "In der Nase werden wir aber nicht allzu krank davon, das heißt, das Ganze wird auf lange Sicht zu einem Schnupfen, der sich für die Lunge gar nicht mehr interessiert."

Quelle: ntv.de, khe/rts