Wissen

Bei Infektion und Therapie Drosten: Die Nase spielt eine wichtige Rolle

imago0101253542h.jpg

Auch beim Niesen sollte in der Öffentlichkeit die Maske auf Nase und Mund bleiben.

(Foto: imago images/Westend61)

Eine Studie belegt, dass der Nase bei der Verbreitung des Coronavirus wohl eine größere Bedeutung zukommt als bisher angenommen. Virologe Christian Drosten schließt daraus, dass das Riechorgan deswegen auch bei der Therapie von Covid-19 eine wichtige Rolle spielen könnte.

Wissenschaftler der Universität von North Carolina haben kürzlich eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die Nase möglicherweise das wichtigste Einfallstor für die Coronaviren ist. Offenbar werden die Schleimhäute hier am leichtesten befallen und Sars-CoV-2 wandert von dort die Atemwege hinab in die Lunge. Virologe Christian Drosten hat die Studie in seinem NDR-Podcast aufgegriffen und zieht daraus seine Schlüsse.

Zunächst zeige die Studie, wie wichtig es sei, eine Gesichtsmaske so zu tragen, dass sie richtig über der Nase sitzt. Es sei gut möglich, dass die Ausscheidung des Virus vor allem über die Nase laufe, sagt er. Und die Masken seien ja dazu da, andere Personen vor einer Ansteckung zu schützen. Man dürfe nicht vergessen, dass die Nase nicht nur die direkte Verbindung zum Rachen sei, sondern der gesamte Gesichtsschädel von Nasennebenhöhlen durchzogen sei. Es gäbe Befunde, dass mit Sars-CoV-2 infizierte Patienten Nebenhöhlen-Entzündungen haben. "Also ich denke schon, dass man davon ausgehen kann, dass beim Ausstoßen aus der Nase eben auch ordentlich Virus ausgeschieden wird", sagt Drosten.

Mehr zum Thema

Diese Erkenntnis hat möglicherweise Auswirkungen auf die Therapie der Krankheit. Für die Studie habe man unter anderem die Lungen verstorbener Patienten untersucht, so Drosten. Was die Forscher gesehen hätten, deute darauf hin, dass man in der Frühphase der Erkrankung das Virus über die Nase in die Lunge atmet. Dort, wo es lande, bildeten sich Infektionsnester, die sich entlang des bronchialen Baums nach unten verteilten.

Der Virologe vermutet daher, dass es sinnvoll sei, antivirale Medikamente als Nasenspray oder über einen Inhalator zu verabreichen. Dies sei der direktere Weg als die Aufnahme einer pharmazeutischen Substanz aus dem Darm ins Blut und dann vom Blut ins Gewebe. Die Pharmafirmen arbeiteten auch bereits an solchen Medikamenten, so Drosten.

Quelle: ntv.de, kwe