Viele Fälle in MichiganWoher kommen die schweren Durchfallerkrankungen in den USA?

In den USA breiten sich schwere Durchfallerkrankungen, die durch einen Parasiten hervorgerufen werden, weiter aus. Die Behörden in Michigan geben nun mögliche Quellen für den Krankmacher an und raten zu besonderer Vorsicht beim Konsum bestimmter frischer Lebensmittel.
Auf der Suche nach den Quellen für die massenhaften Durchfallerkrankungen in den USA sind die Behörden auf die möglichen Quellen gestoßen. Laut einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums in Michigan gibt es erste Hinweise, die auf Salate oder Blattsalate als mögliche Quelle für den aktuellen Ausbruch hindeuten. Doch bisher wurde "keine bestimmte Produktart, kein bestimmter Erzeuger oder Lieferant als Quelle identifiziert", schreibt das Ministerium zu den Ergebnissen der bisherigen Untersuchung. Zudem wurde davor gewarnt, dass es noch zu früh sei, andere Lebensmittel als Quellen für die Erkrankung auszuschließen.
Die gesundheitlichen Beschwerden gehen auf Cyclospora cayetanensis zurück. Dabei handelt es sich um einen winzigen, kugelförmigen Parasiten, der wässrigen Durchfall verursacht, der mit häufigem und manchmal explosionsartigem Stuhlgang einhergeht. Die Erkrankung wird Cyclosporiasis genannt. Sie ist in der Regel nicht lebensbedrohlich und wird üblicherweise mit Antibiotika behandelt. Cyclosporiasis kann aber bei geschwächten Personen und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen schnell zu einer lebensbedrohlichen Dehydrierung führen. Ein Teil der Betroffenen muss deshalb im Krankenhaus behandelt werden.
Inkubationszeit von zwei Wochen
Cyclospora hat eine zweiwöchige Inkubationszeit, das bedeutet: Es kann bis zu zwei Wochen nach der Aufnahme des Parasiten dauern, bis sich die typischen Symptome einstellen. Die Centers for Disease Control and Prevention geht von einer insgesamt sechswöchigen Meldeverzögerung zwischen Krankheitsbeginn und Fallmeldung aus.
Sowohl die lange Inkubationszeit als auch die Meldeverzögerungen bringen Schwierigkeiten mit sich. Um die Quellen für die Infektionen zu finden, werden Betroffene mit einem bestätigten Laborbefund von Epidemiologen befragt. Nach einem Zeitraum von zwei bis vier Wochen jedoch ist es für Betroffene schwer, sich konkret an ihre Mahlzeiten zu erinnern. Die Meldeverzögerungen führen darüber hinaus zu einer Verzögerung bei der Eindämmung der Übertragung. Wirksame Kontroll- und Schutzmaßnahmen können deshalb erst spät eingeleitet werden.
Weitergabe über kontaminiertes Wasser
Der wärmeliebende Parasit befällt den Darm und verbreitet sich fast ausschließlich über den sogenannten fäkal-oralen Weg. In der Vergangenheit infizierten sich Menschen durch den Verzehr von Obst oder Gemüse, das mit fäkalienbelastetem Wasser in Kontakt gekommen war. Die direkte Weitergabe von Mensch zu Mensch ist bisher nicht bekannt.
Das Gesundheitsamt von Michigan ruft Restaurants und Großküchen im Südosten der USA dazu auf, Blattgemüse, Zuckerschoten, Frühlingszwiebeln, Kräuter wie Basilikum oder Koriander sowie Himbeeren gründlich zu waschen oder wenn möglich zu kochen oder zu schälen. Außerdem sollte man ganze Salatköpfe statt vorgewaschener, abgepackter Salate kaufen, vor dem Verzehr die äußeren Blätter entfernen und die inneren gründlich waschen.
Verschiedene Behörden, verschiedene Zahlen
Die Erkrankung mit Schwerpunkt in Michigan hat dort schon mehr als 2600 Fälle hervorgebracht. Demgegenüber stehen die Zahlen des CDC. Die Behörde geht am 9. Juli von 843 Bestätigten und 1500 Verdachtsfällen aus insgesamt 31 Bundesstaaten aus. Sie arbeitet landesweit mit 3000 Gesundheitsämtern zusammen. Normalerweise werden in Michigan rund 50 Cyclospora-Fälle pro Jahr dieser Art festgestellt.
Insgesamt treten Cyclospora-Infektionen in den USA seltener auf als andere lebensmittelbedingte Erkrankungen wie Salmonellen- oder E. coli-Infektionen. Jahrelang wurden landesweit nur einige Cyclospora-Ausbrüche pro Jahr gemeldet. Doch seit etwa zehn Jahren beginnt die Zahl der Fälle zu steigen, besonders deutlich in den Jahren 2018 und 2019. Fachleute führen diesen Anstieg auf die Erderwärmung und verbesserte Nachweismethoden zurück. In Deutschland kommt Cyclosporiasis sehr selten vor.