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Hilfe - oder nicht "Zuschauer-Effekt" gibt es auch bei Ratten

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Ratten gelten als soziale und intelligente Tiere, deren Verhalten in Notsituationen dem von Menschen ähnelt.

Als George Floyd von einem Polizisten unangemessen gewaltsam niedergedrückt wird, stehen mehrere Kollegen untätig daneben. Weil keiner hilft, stirbt Floyd. Das Phänomen, das von Psychologen als "Zuschauer-Effekt" bezeichnet wird, gibt es nicht nur unter Menschen, stellen Forscher fest.

Jemand ist in Not und alle stehen nur untätig herum, weil auch kein anderer etwas unternimmt. Dieses als "Zuschauer-Effekt" bekannte Verhalten ist bei Menschen sehr verbreitet - nun haben US-Forscher es auch bei Ratten beobachtet, wie sie im Fachblatt "Science Advances" schilderten. Sie sehen darin einen Erklärungsansatz für ein Verhalten wie beim tödlichen Polizeieinsatz gegen den Afroamerikaner George Floyd, bei dem keiner der anwesenden Beamten einschritt.

Die Wissenschaftler setzten in ihrem Versuchsaufbau eine Ratte in eine Falle in Form einer Plastikbox. Kam eine einzelne Ratte dazu, befreite sie ihren Artgenossen in der Regel aus seiner Notsituation, indem sie ein Türchen öffnete. Setzten die Forscher aber vorher zwei Ratten neben die Falle, die Angstlöser erhalten hatten und deshalb untätig blieben, griff dieselbe Ratte, die vorher geholfen hatte, nicht mehr ein. Der Artgenosse saß weiter in der Falle fest.

Wenn die als Augenzeugen fungierenden Ratten aber nicht unter Drogen standen und sich um Hilfe bemühten, war die hinzukommende Ratte der Studie zufolge noch stärker darauf erpicht zu helfen, als wenn sie allein mit der Situation konfrontiert wurde.

Hilfe hängt mit Belohnungsmechanismus zusammen

Die Entscheidung, ob jemand hilft, ist weniger durch die Frage bestimmt, wer in dem Fall die Verantwortung trägt, als durch Belohnungsmechanismen im Gehirn, erklärt die Neurobiologin Peggy Mason von der University Chicago. "Ich denke, das ist eine Studie, die sehr gut in diese Zeit passt", sagte Mason, die maßgeblich an der Studie beteiligt war. Sie verwies darauf, dass bei den jüngsten Anti-Rassismus-Protesten in den USA Demonstranten verletzten Protestteilnehmern zu Hilfe geeilt seien, während Polizisten tatenlos daneben gestanden hätten.

Außerdem erinnerte Mason an George Floyd, der Ende Mai in Minneapolis gestorben war, nachdem ein Polizist minutenlang auf seinem Hals gekniet hatte. "Im Fall George Floyd gab es drei weitere Polizeibeamte, darunter einer, der zur Polizei ging, um das Bild einer gegen schwarze Menschen brutalen Polizei zu ändern - und trotzdem stand er da und schritt nicht ein", hob die Forscherin hervor. Mason verglich die untätigen Polizisten mit den unter Drogen stehenden passiven Ratten in ihrem Experiment - "nur, dass sie nicht die Chill-Pille genommen haben, sondern jahrelanges Training hatten".

Den Begriff "Zuschauer-Effekt" hatten Psychologen nach dem Mord an Catherine "Kitty" Genovese 1964 in New York geprägt. Berichten zufolge hatten mehr als 35 Nachbarn der Frau bei ihrer Ermordung tatenlos zugeschaut. Diese Darstellung der Tat stellte sich später als irreführend heraus, tatsächlich waren mehrere Nachbarn eingeschritten. Der "Zuschauer-Effekt" wurde dennoch in anderen Experimenten bestätigt.

Quelle: ntv.de, jaz/AFP