Panorama
Video
Montag, 24. Juli 2017

Zehn Tote in Texas: Schlepper-Lkw-Fahrer formell beschuldigt

Auf einem texanischen Supermarktparkplatz steht ein Lkw voller Flüchtlinge in der prallen Sonne. Als die Feuerwehr sie befreit, sind mehrere tot. Der Fahrer soll nun formell beschuldigt werden. Bei den Hintermännern sind die US-Behörden machtlos.

Im Fall mutmaßlicher Schleuserkriminalität im US-Bundesstaat Texas sind insgesamt zehn Menschen ums Leben gekommen. Bei den Toten handelt es sich nach Polizeiangaben ausschließlich um erwachsene Männer. Ein Sender hatte zunächst von zwei Kindern unter den Toten berichtet. Der festgenommene Fahrer des Lastwagens, in dessen Anhänger die Polizei acht der Leichen entdeckte, soll an diesem Montag formell beschuldigt werden.

Die Polizei entdeckte die Leichen in der Stadt San Antonio nahe der Grenze zu Mexiko auf einem Parkplatz der Supermarktkette Walmart. Nach Angaben der örtlichen Feuerwehr funktionierte die Klimaanlage in dem Lkw nicht. Die Temperatur in dem Sattelschlepper schätzte ein Sprecher auf bis zu 65 Grad Celsius. Ein weiterer Toter wurde später in einem nahen Wald entdeckt.

Aus dem Lkw-Anhänger wurden auch 30 Verletzte befreit, von denen viele in Lebensgefahr schweben. Insgesamt befanden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft mindestens 39 Menschen in dem abgestellten Lkw. Der Feuerwehr zufolge zählten zu der Gruppe auch mindestens zwei Kinder. Unklar ist, wie viele mutmaßliche Flüchtlinge aus dem Lkw entkommen konnten und noch vermisst werden.

Insassen wurden einzeln abgeholt

Die Polizei vermutet, dass die Insassen von Schleppern über die mexikanische Grenze gebracht worden waren. "Wir haben einen Anruf von einem Walmart-Mitarbeiter hinsichtlich einer Überprüfung des Sattelschleppers bekommen, der auf dem Parkplatz abgestellt war", sagte der örtliche Polizeichef. Der Mitarbeiter sei von jemandem aus dem Lkw angesprochen worden, der um Wasser gebeten habe. "Er brachte Wasser, rief die Polizei, und wir kamen an und fanden acht Tote", so der Polizeichef. Er sprach von einem "grauenvollen" Verbrechen.

Auf Bildern von Überwachungskameras ist zu sehen, dass vor der Rettungsaktion mehrere Fahrzeuge auf dem Parkplatz eintrafen. Es ging offenbar darum, einige Insassen des Lastwagens abzuholen.

Texas' Gouverneur Greg Abbott sprach von einer "erschütternden Tragödie". Die Täter würden "mit aller Härte" bestraft. Laut Polizei handelt es sich nicht um einen Einzelfall. "Das passiert dauernd", sagte der Polizeichef. US-Heimatschutzminister John Kelly verurteilte die "Brutalität von Menschenhändlern": Diese würden menschlichem Leben keine Beachtung schenken und "nur nach Profit suchen", heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme.

Bei dem Lkw-Fahrer handelt es sich um einen 60-jährigen, aus dem Bundesstaat Florida stammenden Mann. Der Eigentümer des Lastwagens ist bisher unbekannt. Während einer Befragung durch die Polizei habe er angegeben, mit seinem Truck von Laredo an der mexikanischen Grenze nach San Antonio gefahren zu sein. Von den Menschen im Laderaum habe er jedoch nichts gewusst, sagte er laut einer Mitteilung der örtlichen Staatsanwaltschaft.

San Antonio liegt etwa 230 Kilometer von der Grenze zu Mexiko entfernt. Im Raum San Antonio kam es allein im Juli zu drei Fällen, bei denen insgesamt 121 Menschen aus Mexiko, Ecuador, Guatemala und El Salvador aus Schleuser-Trucks gerettet wurden, wie eine lokale Zeitung berichtete.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen