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Wer gewählt hat, muss seinen Finger markieren lassen - wie diese Wählerinnen in Teheran.
Wer gewählt hat, muss seinen Finger markieren lassen - wie diese Wählerinnen in Teheran.(Foto: REUTERS)

Präsidentschaftswahl im Iran: Gespaltenes Land vor großer Entscheidung

Von Fred Pleitgen, Teheran

Die Iraner entscheiden heute, ob sie Präsident Ruhani eine zweite Amtszeit geben. Sein wichtigster Gegenkandidat ist der konservative Hardliner Ebrahim Raeissi. Es ist eine Wahl zwischen vorsichtiger Öffnung und Abschottung.

In einem Jahr voller richtungsweisender Wahlen sind die Iraner die nächsten, die an die Urnen gehen. Der Ausgang dieser Wahl könnte kaum wichtiger sein.

Fred Pleitgen ist Senior International Correspondent von CNN International.
Fred Pleitgen ist Senior International Correspondent von CNN International.

Hassan Ruhanis Präsidentschaft hat den Iran weg von der harten Linie seines Vorgängers Mahmud Ahmadinedschad geführt und einen moderateren Ton angeschlagen. Das vor zwei Jahren geschlossene Atomabkommen schränkte zwar das iranische Atomprogramm ein. Im Gegenzug wurden aber die Sanktionen gegen den Iran gelockert. Ein Schritt, den Ruhanis Anhänger bis heute unterstützen.

"Er hat die Lage in meinem Land während seiner ersten vier Jahre im Amt so sehr verbessert. Er muss weitermachen", sagt ein Unterstützer. "Ruhani betreibt eine ausgewogene Außenpolitik. Ich glaube, er wird diese Politik fortsetzen. Deshalb werde ich ihn wählen", sagt ein anderer.

Wahl im Iran

Der Präsident hat im Iran als Chef der Exekutive eine wichtige Rolle in der Politik, doch liegt in vielen Fragen das letzte Wort beim geistlichen Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Zur Präsidentschaftswahl sind über 56 Millionen Iraner aufgerufen. Ebrahim Raeissi ist der Spitzenkandidat des erzkonservativen Klerus, Präsident Hassan Ruhani gilt als moderat.

Jedoch spürt man auch hier die Präsenz von Donald Trump. Ähnlich wie die USA ist auch der Iran ein gespaltenes Land. Der versöhnliche Ton von Barack Obamas Regierung ist nur noch ein dumpfes Echo und die Position der Regierenden im Iran gerät immer mehr ins Wanken. Dennoch versuchen Ruhanis Anhänger, Zuversicht zu verbreiten. Sie spüren, dass die Wahl eng wird.

Bei einem Wahlkampfauftritt in der iranischen Hauptstadt Teheran kann man beobachten, wie sich Irans Konservative hinter den ideologischen Hardliner Ebrahim Raeissi stellen. Er ist Ruhanis wichtigster Konkurrent, die beiden anderen Kandidaten gelten als Außenseiter. Raeissis Anhänger sagen, das Atomabkommen habe nicht den wirtschaftlichen Nutzen gebracht, den Ruhani ihnen versprochen habe. Tatsächlich ist die Arbeitslosigkeit weiterhin hoch, besonders unter Akademikern. Viele haben das Gefühl, der Deal bringe nichts. Sie sagen, er habe den Iran nur geschwächt.

 

Zudem hat US-Präsident Trump einen schärferen Ton als sein Vorgänger angeschlagen. Nach einem Raketentest beschlossen die USA neue Sanktionen gegen den Iran. Raeissis Anhänger fordern deshalb wieder einen härteren Kurs ihres Landes gegenüber den USA.

Der Oppositionskandidat findet klare Worte: "Die junge Generation ist bereit zu arbeiten und zu heiraten. Doch es fehlt die richtige Grundlage, um Jobs zu finden. Soll das wirklich so weitergehen? Sollen wir uns weiterhin auf andere Länder verlassen, um unsere eigenen Probleme zu lösen?"

Normalerweise ist Wahlkampf im Iran eine respektvolle und ruhige Angelegenheit, aber dieses Jahr ist es anders. Nach iranischen Standards ist er eindeutig boshaft. Bei einer TV-Debatte warfen sich kürzlich beinahe alle Kandidaten gegenseitig vor, korrupt zu sein. Laut Ruhani versuchen die Konservativen, seine Bemühungen, ein Atomabkommen auszuhandeln, zu untergraben. Sie zeigen Bilder von Untergrundbunkern und beschriften Raketen mit anti-amerikanischen Botschaften.

Analysten und Meinungsforscher sagen, das Rennen sei zu knapp, um zuverlässige Vorhersagen zu treffen. Rund 15 Prozent der Wahlberechtigten waren kurz vor der Wahl noch unentschieden, weshalb beide Seiten bis zuletzt versuchten, ihre Unterstützer zu mobilisieren. Sicher ist allerdings: Das Ergebnis dieser Wahl dürfte gewaltige Konsequenzen für die Region und darüber hinaus haben. Immerhin mischt der Iran an der Seite von Machthaber Baschar al-Assad im syrischen Bürgerkrieg mit und ist der regionale Gegenspieler von Saudi-Arabien. Auch im Jemen liefern sich die beiden Staaten einen Stellvertreterkrieg. Gewählt wird am heutigen Freitag bis Mitternacht Ortszeit (21.30 Uhr MESZ). Erste Prognosen soll es am Samstagmorgen geben, ein endgültiges Ergebnis frühestens am Samstagabend.

Quelle: n-tv.de

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