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Ex-Präsident und legendärer Gewerkschaftsführer: Lech Walesa (Archivbild).
Ex-Präsident und legendärer Gewerkschaftsführer: Lech Walesa (Archivbild).(Foto: AP)

Polens Freiheitsheld ein Spitzel?: Unterschrift belastet Lech Walesa

In Polen genießt Lech Walesa einen legendären Ruf: Jetzt erhebt der Chef des Instituts für Nationales Gedenken in Warschau schwere Vorwürfe gegen den polnischen Ex-Präsidenten. Der Freiheitsheld soll für den Geheimdienst gearbeitet haben.

Eine spektakuläre Enthüllung erschüttert Polen: Neu entdeckte Dokumente sollen eine Spionagetätigkeit des früheren polnischen Präsidenten und Chefs der Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Walesa, für den kommunistischen Geheimdienst belegen.

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Nach Erkenntnissen des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) in Warschau hat Ex-Präsident Walesa für die Spitzelbehörde gearbeitet. Walesas Verpflichtungserklärung sei gefunden worden, sagte der IPN-Direktor Lukasz Kaminski mit.

Walesa, der sich derzeit im Ausland aufhält, wies die Anschuldigungen umgehend zurück. Er bestritt die Existenz derartiger Unterlagen und sprach von einer Fälschung. "Es können keine von mir stammenden Dokumente vorliegen", erklärte er. Er werde sich juristisch gegen die neuerlich erhobenen Vorwürfe wehren.

Unterlagen eines toten Ex-Generals

Im Haus des im November verstorbenen Ex-Generals Czeslaw Jan Kiszczak seien Mitarbeiter auf Walesas Personalakte gestoßen, erklärte Kaminiski. In den Unterlagen soll sich auch Walesas Verpflichtungserklärung zur Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst befunden haben. Die Unterschrift Walesas sei authentisch, heißt es. Es sei "eine handschriftliche Zusage zur Zusammenarbeit" entdeckt worden, unterschrieben mit "Lech Walesa" und dem Tarnnamen "Bolek", teilte Kaminski mit. Auch lägen Quittungen über Honorarzahlungen vor.

Für die jüngere polnische Geschichte könnte die Enthüllung - sofern sie sich als stichhaltig erweist - Aufsehen erregende Konsequenzen haben: Walesa war in kommunistischer Zeit Anführer der Gewerkschaft Solidarnosc und wurde 1990 erster demokratisch gewählter Präsident Polens.

Späte Rache Kaczynskis?

Neu sind entsprechende Vorwürfe nicht: Bereits früher war dem Friedensnobelpreisträger in zwei IPN-Büchern vorgeworfen worden, in den 70er Jahren Werftkollegen für die kommunistische Geheimpolizei SB bespitzelt zu haben. Im Jahr 2000 war Walesa von einem Gericht vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden.

Im Jahr 2008 warf der später bei einem Flugzeugabsturz gestorbene Präsident Lech Kaczynski Walesa persönlich Spionage vor. Nach der Parlamentswahl vom vergangenen Oktober regiert in Warschau wieder die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), geführt von Kaczynskis Bruder Jaroslaw.

Das Institut für Nationales Gedenken ist das polnische Pendant der deutschen Stasi-Unterlagen-Behörde. Walesa gilt als Kritiker der seit Oktober regierenden neuen nationalkonservativen Regierung und des Chefs der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski. Im Dezember warnte der Freiheitsheld angesichts der gesellschaftlichen Spannungen vor einem "Bürgerkrieg" in Polen.

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Quelle: n-tv.de

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