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Nach dem Abpfiff erklärten Torwartlegende Buffon, die Innenverteidiger Barzagli und Chiellini sowie Mittelfeldmann De Rossi ihren Rücktritt aus der italienischen Nationalmannschaft.
Nach dem Abpfiff erklärten Torwartlegende Buffon, die Innenverteidiger Barzagli und Chiellini sowie Mittelfeldmann De Rossi ihren Rücktritt aus der italienischen Nationalmannschaft.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 14. November 2017

WM in Russland ohne Italien: Das Wunder bleibt aus - keinen wundert's

Von Michael Bauer

Italienische Medien deklarieren das Aus in den WM-Playoffs gegen Schweden als sportliche Apokalypse. Doch die hatte sich angebahnt. Dabei ist der Calcio nicht tot, die Fußball-Dinosaurier müssen nur endlich Platz machen für neue Generationen.

Arrivierte Nationalspieler haben in Italien ein Abo auf die Squadra Azzurra, ganz unabhängig wie durchschnittlich sie in ihren Klubs oder für ihr Land spielen. Gianluigi Buffon, Andrea Barzagli, Giorgio Chiellini und Daniele De Rossi hatten ihren Platz im Kader und meist auch in der Startelf sicher - sind aber alle über 33 Jahre alt. An ihren Qualitäten und Verdiensten lässt sich wenig rütteln, allerdings stehen sie auch nur bedingt für modernen Angriffsfußball. Umso tragischer, dass Italien in den Playoffs zur Fußball-Weltmeisterschaft an einem Gegner scheitert, der in beiden Spielen mit italienischen Tugenden überzeugte. Auch beim 0:0 im Giuseppe-Meazza-Stadion zu Mailand verteidigten die Gäste das eigene Tor mit allen Kräften. Einen gefährlichen Torschuss auf den Kasten von Buffon brachten die Skandinavier gar nicht zustande. Doch sie profitieren vom 1:0-Hinspiel-Sieg.

Tränenreich verabschiedet sich Gigi Buffon nach dem WM-Aus von den Fans.
Tränenreich verabschiedet sich Gigi Buffon nach dem WM-Aus von den Fans.(Foto: imago/Xinhua)

"Italien, das ist die Apokalypse" titelte die "Gazetta dello Sport" nach Schlusspfiff, die zuvor noch auf das "Wunder von Mailand" gehofft hatte. Das Verpassen der WM ist ein sportlicher Tiefpunkt, der absehbar war, da der italienische Fußball dem eigenen Nachwuchs zu wenig Perspektiven bietet. Ein Problem, das sich in Liga und Nationalelf gleichermaßen wiederfindet.

Eigene Talente bleiben außen vor

Die Abwehr war immer das Prunkstück der italienischen Nationalmannschaft, aber ob die alte Garde in Länderspielen gegen Mazedonien, Israel oder Lichtenstein unbedingt ran muss, ist mehr als fraglich. Die internationale Erfahrung hätte Nachwuchskräften sicher gut getan, schließlich kommen italienische Spieler in jungen Jahren zwar bei Top-Klubs unter, aber kaum zum Einsatz.

Deutlich zu erkennen ist das Problem bei einem Blick auf Juventus Turin. Über Jahre stellte der Serienmeister der Serie A den gesamten Abwehrblock der Nationalelf, auf den anderen Positionen gehören Italiener dagegen nicht zum Stammpersonal. Bei den Verfolgern zeigt sich ein ähnliches Bild: Der AS Rom, Inter Mailand, der SSC Neapel oder der AC Milan wollen Juve vom Thron stoßen, aber auch schaffen es meist nur zwei bis drei heimische Spieler in die Startelf.

Durch ausländische Investoren, wie sie bei den Mailänder Klubs zu bestaunen sind, scheint sich dieser Trend fortzusetzen. Es wird nach Namen gekauft und die eigenen Talente bleiben größtenteils außen vor. Dabei kränkelt es nicht an der Jugendarbeit. Vereinzelt kommen spielstarke Talente in den Top-Klubs zum Einsatz, für die internationale Bühne reicht es dann aber doch nicht.

Neue Abwehr, alter Trainer

Mit Stephan El Shaarawy, Lorenzo Insigne, Marco Verratti oder Ciro Immobile hat die Squadra Azzurra Spieler, die schon längst in eine Führungsrolle der Nationalmannschaft hätten schlüpfen müssen. Jetzt zwingt sie das sportliche Aus dazu, denn mit Buffon hat der Kapitän und älteste Spieler seine Karriere nach dem WM-Aus beendet. Die beiden anderen verbliebenen Weltmeister von 2006, Andrea Barzagli und Daniele De Rossi, schlossen sich an. Ebenso Giorgio Chiellini, der seit der Europameisterschaft 2008 fest zum italienischen Kader gehörte.

Vielleicht ist eine Verjüngungskur in der Defensivabteilung genau das Richtige, schließlich glaubt Chiellini, Pep Guardiolas Spielphilosophie habe "viele italienische Verteidiger ruiniert". Die Defensivspezialisten könnten zwar den Spielstil bestimmen und den Ball verteilen, dafür aber nicht mehr decken. Die Aussage klingt wie aus den 90er Jahren, als Manndeckung und Libero noch in Mode und der italienische Fußball noch erfolgreich war. Für Italien könnte die verpasste WM-Teilnahme daher auch eine Art reinigendes Gewitter sein.

Den Reset-Knopf zu drücken und die ganze Nationalmannschaft umzukrempeln, hat auch dem DFB-Team nach dem blamablen Aus bei der EM 2004 mehr als gut getan. Übernehmen muss in Italien diese Aufgabe Gian Piero Ventura, der trotz der verpassten Endrunde als Trainer bleiben wird.

Quelle: n-tv.de

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