Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Zu große Flächen: Ost-Landwirten droht der Rotstift

Die EU will die Landwirtschaft in den kommenden Jahren grüner machen. Dafür wird die Förderung reformiert. Zwar dauern die Verhandlungen über die genauer Verteilung der Gelder noch an. Doch wird es wohl vor allem für die Großlandwirtschaft in den neuen Ländern künftig weniger geben.

Die Landwirte in Ostdeutschland blicken mit Sorge auf derzeitigen Verhandlungen über die künftigen Fördergelder. Grund ist, dass die Betriebe in den neuen Ländern im Durchschnitt deutlich größer sind als etwa in Bayern oder Schleswig-Holstein. Allerdings sieht ein Vorschlag von Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) die stärkere Förderung der ersten Hektar vor. Da zugleich die Gesamtsumme aber nicht steigt, dürften vor allem größere Betriebe künftig weniger erhalten. Bislang aber bedeutete mehr Fläche auch mehr Direkteinnahmen aus Brüssel.

So sieht der Aigner-Vorschlag für die ersten 15 Hektar eines Hofes zusätzlich 50 Euro je Hektar vor, für die nächsten 15 Hektar zusätzlich jeweils noch 30 Euro. Zuvor war sogar die vollständige Kappung der Förderung ab 300.000 Euro je Betrieb im Gespräch. Bis Ende August sollen verbindliche Vereinbarungen erreicht werden.

Agrarwirtschaft soll grüner werden

Die EU hat es sich zum Ziel gemacht, ab 2014 die Agrarpolitik umweltbewusster und gerechter zu machen. Dabei stehen Deutschland bis 2020 zwar weiterhin jährlich rund fünf Milliarden Euro aus Brüssel zur Verfügung. Doch die Mittel sollen anders verteilt werden. Die Details werden derzeit ausgehandelt.

Die unterschiedlichen Größen der bewirtschafteten Flächen hat historische Gründe: Zu DDR-Zeiten wurden in den 50er und 60er Jahren per Zwang Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) gegründet. Nach der Wende entstanden daraus meist große Agrargenossenschaften mit viel Land. Einige Landwirte entschieden sich auch für einen Neustart: Sie erhielten enteignetes Land zurück, pachteten oder kauften große Flächen zusammen.

In der Folge bearbeitet ein Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt 285 Hektar, in Sachsen-Anhalt sind es 278 Hektar und in Brandenburg mehr als 238 Hektar. Dagegen bewirtschaften Betriebe in Niedersachsen knapp 71 Hektar und in Bayern sind es gerade einmal 32 Hektar.

In allen Fällen jedoch sind die Direktzahlungen für die Bauern eine wichtige Einnahmequelle. Bei einigen Betrieben machen sie sogar die Hälfte der Einnahmen aus. Derzeit ist noch unklar, was auf den einzelnen Betrieb zukommt. Finanzielle Verluste können möglicherweise durch die Erfüllung von Umweltauflagen ausgeglichen werden. "Ich rechne mit etwa zehn Prozent weniger Förderung", sagt der Brandenburger Landwirt Eberhard Tietz, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Brück. "Vielleicht mehr, viel weniger bestimmt nicht."

Das meiste Geld fließt an Bauern in Bayern

Betrachtet man die Gesamtsumme der Direktzahlungen, die an Landwirte in den einzelnen Bundesländern fließt, liegt der Westen zwar vorn. Dort gibt es allerdings auch deutlich mehr Betriebe. Zwischen Oktober 2011 und Oktober 2012 flossen beispielsweise 245 Millionen Euro nach Thüringen und 405 Millionen Euro nach Mecklenburg-Vorpommern. Die Landwirte in Bayern erhielten insgesamt rund 1,1 Milliarden Euro und damit bundesweit die größte Summe.

"Die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik muss die Grundlage bieten, dass die deutsche Landwirtschaft zukunftsfähig bleibt", betont der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied.

Der Deutsche Bauernbund, Interessenvertreter der bäuerlichen Familienbetriebe in den neuen Ländern, befürwortet hingegen die Kappung der Direktzahlungen. Geschäftsführer Reinhard Jung mag klare Worte: "EU-Förderungen ohne Obergrenzen sind Millionen für Millionäre." Das gelte im Osten wie im Westen. Dem Ausverkauf der Landwirtschaft an Kapitalanleger und Großinvestoren könne mit einer Kappung der Direktzahlungen ein Riegel vorgeschoben werden, hofft er.

Quelle: n-tv.de

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