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Vom Aschenputtel zum VolksautoBenz Patent-Motorwagen und Daimler Motorkutsche - geboren 1886

25.01.2026, 07:16 Uhr
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Gottlieb Daimler konstruierte 1886 das erste Vierrad-Benzin-Automobil – hier sitzt er als Passagier in seiner Motorkutsche, am Steuer sein Sohn Adolf. (Foto: Mercedes-Benz Classic Archive)

Wer hat es erfunden, das Auto? Viele erheben darauf Anspruch, aber: Das erste Patent für ein Fahrzeug mit Gasmotorenantrieb beantragte 1886 Carl Benz, und auch Gottlieb Daimler präsentierte vor 140 Jahren eine Motorkutsche. Pioniere, die den Fortschritt in Fahrt brachten – nachdem eine Frau das Automobil popularisierte.

Heute wird es geliebt, gebraucht und gehasst wie kein anderes Fortbewegungsmittel, und doch verlief die Erfindung des Automobils mit Verbrennungsmotor von der Öffentlichkeit fast unbemerkt: Am 29. Januar 1886 meldete der Mannheimer Ingenieur Carl Benz ein "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" beim kaiserlichen Patentamt in Berlin an. Erfolgreich, wie das später bewilligte Patent mit der Nummer DRP 37435 dem Fahrrad-ähnlichen dreirädrigen Velociped mit Viertakt-Einzylinder attestierte.

Ebenfalls 1886 installierte im schwäbischen Cannstatt der Konstrukteur Gottlieb Daimler einen zusammen mit Wilhelm Maybach entwickelten, schnell laufenden Benzinmotor in eine vierrädrige Kutsche - eine weitere Pionierleistung, nachdem Daimler bereits 1885 den Motor-Reitwagen als erstes Motorrad präsentiert hatte. Trotzdem: Die Welt nahm von diesen revolutionären Entwicklungen - die Patentschrift des Carl Benz zählt ebenso wie die Gutenberg-Bibel zum Unesco-Weltdokumentenerbe - zunächst kaum Notiz.

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Es war Bertha Benz, die Ehefrau des Automobilpioniers Carl Benz, die das 1886 patentierte erste Automobil durch eine mutige Fernfahrt global bekannt machte. (Foto: Mercedes-Benz Classic Archive)

Damit erging es den deutschen Pionieren der Automobilität nicht anders als gut 50 weiteren Tüftlern, die die Entdeckung des Autos für sich beanspruchten, sei es mit Dampf (Richard Trevithick mit "Puffing Devil" in England, 1801), mit Zweitakter nach Lenoir-Prinzip (Siegfried Marcus in Österreich, 1870) oder mit Elektroantrieb (Gustav Trouvè 1881 in Paris).

Bekannt durch Bertha Benz

Kreative Techniker, die bestenfalls in ihrem Umfeld Anerkennung fanden; bis heute ist sogar unklar, ob sich Carl Benz und Gottlieb Daimler jemals persönlich getroffen haben. So dauerte es Jahre, bis Bertha Benz das Gefährt ihres Mannes durch eine Fernfahrt bekannt machte und die Pariser Weltausstellung die ersten Autos als Meilensteine der Mobilitätsgeschichte inszenierte.

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Motorwagen in vielen Formaten für die Staubpisten der 1890er Jahre: Benz Velo mit 1,5-PS-Motor und Benz Patent-Motorwagen Phaeton (v.r.). (Foto: Mercedes-Benz Classic Archive)

Tatsächlich hatte niemand auf die Erfindung des Automobils gewartet - stattdessen beschäftigten das noch junge Massenverkehrsmittel der Eisenbahn und der rasche Ausbau des Schienennetzes die Bevölkerung und die Presse. Pferde, Fuhrwerke und das Fahrrad bestimmten das Bild des Individualverkehrs, das sich selbst bewegende Fahrzeug mit Benzinmotor rückte nur allmählich ins öffentliche Bewusstsein. Dazu passte, dass Carl Benz und Gottlieb Daimler keine Werbung machten für ihre Vehikel, die vorerst dem Vergnügen weniger reicher Bürger dienten.

Anfangs Benzin aus Apotheken

Während Züge lange Distanzen zuverlässig und pünktlich überwanden, mussten sich die frühen Automobilisten das Benzin aus Apotheken in Flaschen besorgen, und auch um den pannenfreien Betrieb, der bis zwei PS starken Fahrzeuge war es schlecht bestellt. Faktoren, die dem frühen Auto den Ruf des Vehikels für Risikofreudige und Sportler einbrachte. Tatsächlich sollten erste Motorsport-Veranstaltungen ab 1894/95 die Entwicklung der Motorwagen massiv beschleunigen - zuvor war es jedoch im August 1888 eine 106 Kilometer lange Fahrt von Mannheim nach Pforzheim und retour, die dem Benz Patent-Motorwagen Modell 3 Popularität einbrachte.

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Die Erfindung des modernen Autos: Der Mercedes-Simplex 40 PS, Nachfolger des Mercedes 35 PS von 1900, brach mit dem Erbe der Motorkutsche. (Foto: Mercedes-Benz Classic Archive)

Bertha Benz wagte mit ihren Söhnen diese Reise ohne Wissen ihres Manns Carl, mit Erfolg: Die Zeitungen berichteten enthusiastisch über die Testfahrt, und manche Frauen inspirierte diese Pioniertat zu mehr Selbstbewusstsein. So gab es ab der Jahrhundertwende erste Chauffeusen mit Fahr- und Fachkenntnissen, die allein reisende Damen begleiteten, wenn diese mit vorläufig gesellschaftlich üblichen männlichen Chauffeuren auf Fahrten gingen.

Zurück ins Jahr 1888: Benz fand nun neue Abnehmer für seine Wagen und bereitete seinen Auftritt bei der Pariser Weltausstellung von 1889 vor. Dort, im Schatten des neuen, futuristischen Eiffelturms, bescherten Benz und Daimler - erneut unabhängig voneinander - dem Automobil mit Benzinmotor den endgültigen Durchbruch.

Während Daimler Lizenzen seines Viertaktmotors an Unternehmen in aller Welt verkaufte - in den USA startete schon 1888 die Daimler Motor Co. - fand auch Benz Abnehmer für seine Motorwagen, dies speziell in Frankreich.

Die fortschrittsgläubige Grande Nation sollte für Daimler den ganz großen Durchbruch bringen: Panhard & Levassor schloss mit Daimler einen Lizenzvertrag über die Produktion eines V2-Motors mit 1,5 PS Leistung und adaptierte das Konzept des neu vorgestellten, zukunftsweisenden Daimler Stahlradwagens, der mit den schwerfälligen Kutschwagen brach und Elemente leichter Fahrradkonstruktionen integrierte.

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Daimler dominierte zunächst auch in Frankreich die Motorisierung, so nutzte der Peugeot Typ 3 von 1893 ein Triebwerk nach Daimler-Lizenz. (Foto: Peugeot Italia Stellantis)

Außerdem konnten Levassor und Daimler den Automobilpionier Armand Peugeot zur Produktion von Automobilen mit Daimler-Motoren überzeugen. Bereits 1891 demonstrierte Peugeot der Welt eindrucksvoll die Zuverlässigkeit des Antriebs bei der ersten 2.000-Kilometer-Tour in der Geschichte des Automobils: Ein Peugeot Type 3 fuhr in 139 Stunden von Valentigney via Paris nach Brest und zurück.

Erste Autorennen in Frankreich

Auch die frühesten Automobilrennen fanden in Frankreich statt: Den ersten Preis für den Concours Paris-Rouen 1894 teilten sich Peugeot und Motorenlieferant Panhard & Levassor für "die Anwendung des Benzinmotors, erfunden von Herrn Daimler aus Württemberg", während 1895 in den USA ein Benz Vis-à-Vis den "Chicago Times-Herald Expo Run" gewann - werbewirksame Siege. Zur selben Zeit demonstrierte in Deutschland der erste Benz-Omnibus das Potenzial des Motorwagens als Massenverkehrsmittel.

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Motorsport machte die Automobile bekannt: 1896 gewann ein Benz Vis-à-Vis den Chicago Times-Herald Expo Run, das erste Rennen in den USA. (Foto: Mercedes-Benz Classic Archive)

Die ersten Nutzfahrzeuge vermarkteten Benz und Daimler ab Mitte der 1890er global, so fertigte Daimler ab 1898 Lieferwagen in Österreich, zwei Jahre später in New York und im zaristischen Russland, während Benz-Transporter im britischen Birmingham eine Reaktion auf die Erfolge der Daimler Motor Company in Coventry waren.

Visionäre und der Weg zur Massenmotorisierung

Benz und Daimler waren Visionäre, jeder auf seine Art. Gottlieb Daimler sagte die Mobilisierung der Menschheit "zu Lande, zu Wasser und in der Luft" mit dem Verbrennungsmotor voraus und trug dazu mit seinen Maschinen bei.

Carl Benz setzte 1894 mit dem neuen Modell Velo eine andere Wegmarke der Motorisierung: Als erstes Auto wurde der Velo in vierstelliger Serie von 1.200 Einheiten gebaut und war mit einem Preis von 2.000 Mark nicht nur für Millionäre bezahlbar. Bereits an die Massenmotorisierung dachte zwei Jahre später ein gewisser Henry Ford, der in den USA sein Ford Quadricycle als Vorstufe späterer Volksautos wie des Model T vorführte.

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Es war die revolutionäre Kardanwelle, mit der Louis Renaults erste Voiturette vom Typ A im Jahr 1898 Technikgeschichte schrieb. (Foto: Renault)

In Europa waren es die weltoffenen Franzosen, die das Automobil zuerst gesellschaftlich anerkannten und mit Kleinwagen (ab 1898 auch mit der Renault Voiturette) Absatzrekorde ermöglichten. Sogar deutsche Vorreiter bezahlbarerer Modelle wie etwa Opel vertrauten deshalb vorübergehend auf französische Lizenzen.

Andere, wie die Tschechen Laurin und Klement, wählten eigene Wege: Die L&K Voiturette Typ A war technisch raffiniert und doch bezahlbar - und 1905 das erste Auto des späteren Massenherstellers Skoda.

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Pionier Carl Benz erlebte noch den Beginn der Massenmotorisierung, hier sitzt er 1925 am Steuer seines allerersten Patent-Motorwagens. (Foto: Mercedes-Benz Classic Archive)

Und wie ging es weiter mit Daimler und Benz? Gottlieb Daimler starb im März 1900, unmittelbar, bevor der erste Mercedes 35 PS debütierte als modernes Auto mit flacher, gestreckter Silhouette und tiefem Fahrzeugschwerpunkt. Carl Benz dagegen erlebte noch die Einführung der Fließbandfertigung - und 1926 die Fusion der anfänglichen Rivalen zur Daimler-Benz AG.

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Gemeinsame Stärke: Werbeplakat aus dem Jahr 1926 zur Fusion von Daimler und Benz. Es zeigt den Dreizackstern von Mercedes und den Lorbeerkranz von Benz. (Foto: Mercedes-Benz)

Chronik der automobilen Pionierjahre

1771: Der von Nicolas Joseph Cugnot in Paris erfundene dampfgetriebene Geschütztransporter Fardier á Vapeur fährt gegen die Wand einer Kaserne, es ist der erste Unfall in der Geschichte des motorisierten Verkehrs

1801: Der britische Ingenieur Richard Trevithick bringt die Dampflokomotive auf Rädern "Puffing Devil" in Fahrt

1805: Dampffahrzeug von Oliver Evans in den USA

1830: Dampfomnibusse und Dampfwagen sind in England verbreitet

1859: Versuche mit Dampf-Automobilen durch Sylvester H. Roper

1863: Die Kutsche Hippomobile von Etienne Lenoir ist als erstes Fahrzeug mit einem Verbrennungsmotor und Wasserstoffantrieb ausgestattet

1870: Siegfried Marcus setzt in Wien einen Zweitaktmotor nach Lenoir-Prinzip auf einen simplen Handwagen und kann mit diesem fahren. 1888 vertraut Marcus auf ein Vehikel mit Viertaktmotor

1876: Nicolaus August Otto erhält ein Patent für seinen Viertaktmotor, der später nach ihm Ottomotor genannt wird

1879: Carl Benz arbeitet an einem Motor. Der erste von Benz entwickelte stationäre Benzinmotor ist ein Einzylinder-Zweitakter, der am Silvesterabend seinen Probelauf erfolgreich absolviert. Der US-amerikanische Rechtsanwalt George B. Selden meldet eine fünf Jahre zuvor erstmals gezeigte motorgetriebene "Road Engine" zum Patent an, das 1895 erteilt wird

1881: Gustav Trouvè stellt auf einer Elektrizitätsmesse in Paris ein Dreirad mit Elektromotor vor

1883: Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach stellen einen Motor vor, der mit Benzin bzw. Petroleum als Brennstoff arbeitet

1884: Der motorisierte "Break" der Franzosen Edouard Delamare-Deboutteville und Leon Malandin erhält ein französisches Patent, es gibt jedoch keine Zeugen, die die Fahrtauglichkeit des Break bestätigen können

1885: Carl Benz testet seinen dreirädrigen Motorwagen nachts auf den Straßen von Mannheim. Die sogenannte Standuhr, ein stehender Einzylinder-Viertaktmotor von Daimler, wird vorgestellt. Im selben Jahr erreichen der Automobilpionier Gottlieb Daimler und der Ingenieur Wilhelm Maybach einen Meilenstein - mit dem zweirädrigen Reitwagen erproben sie den schnelllaufenden Viertakt-Verbrennungsmotor in der Öffentlichkeit. Er ist das erste Straßenfahrzeug der Welt mit diesem Antrieb und zugleich das erste Motorrad der Geschichte. Daimler meldet die Erfindung zum Patent an (DRP 36423 vom 29. August 1885). Am 10. November 1885 bewältigt Gottlieb Daimlers Sohn Adolf mit dem Reitwagen die rund drei Kilometer lange Strecke von Cannstatt nach Untertürkheim und zurück. Ein Jahr später erfolgt der Transfer des Motors aufs Automobil

1886: 29. Januar 1886 (vor 140 Jahren): Carl Benz meldet sein dreirädriges "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" zum Patent an - die Geburtsstunde des Automobils. Am 29. Januar beantragt Carl Benz ein Patent für seinen Motorwagen mit wassergekühltem Einzylinder-Viertaktmotor. Das Patent wird ihm am 2. November 1886 als Kaiserliches Deutsches Reich-Patent Nummer 37435 erteilt für ein "Fahrzeug mit Gasmotorenantrieb, dessen Gas aus vergasenden Stoffen durch einen mitzuführenden Apparat erzeugt wird". Bei der ersten öffentlichen und durch einen Zeitungsbericht belegten Probefahrt am 3. Juli auf der Ringstraße in Mannheim füllt ein Sohn des Carl Benz Benzin bzw. Ligroin aus einer Flasche nach, da der Tank nur 1,5 Liter fasst. Gottlieb Daimler rüstet Ende August eine Kutsche mit einem Motor aus, den Wilhelm Maybach entwickelt hat.

Der französische Hersteller De Dion-Bouton & Trépardeux verkauft Fahrzeuge mit Dampfantrieb; es ist der Beginn einer bis etwa 1914 andauernden Konkurrenz zwischen Autos mit Dampfantrieb, Elektromotor und Ottomotor. Der Amerikaner William Durant kauft eine Kutschenfabrik, die ideelle Keimzelle für den 1908 von ihm begründeten Konzern General Motors.

Auf einer Reise nach Paris lernt der hessische Fabrikant Adam Opel 1884 das Hochrad kennen, in Frankreichs Hauptstadt stellen Räder bereits selbstverständliche Fortbewegungsmittel dar. Kurzentschlossen beschafft sich der Unternehmer ein solches Gerät und 1886 verlässt das erste eigene Modell die Fabrik in Rüsselsheim. Dem Hochrad wird 1888 das modernere Niederrad beiseitegestellt, in den 1920er Jahren avanciert Opel zum weltgrößten Fahrradhersteller. Den entscheidenden Entwicklungsschritt in der Geschichte des Unternehmens markiert - nach dem Tod Adam Opels - 1899 der Beginn der Automobilfertigung. Opel gehört damit zu den Pionieren in dieser Industrie und ist heute einer der traditionsreichsten Automobilhersteller. Am 21. Januar 1899 erwirbt Opel dazu die Anhaltische Motorwagenfabrik des Dessauers Friedrich Lutzmann, vereinbart aber 1901 mit dem Franzosen Alexandre Darracq einen Vertrag, um in Deutschland diverse Fahrzeugtypen unter dem Markennamen Opel Darracq zu fertigen

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Von Nähmaschinen und Fahrrädern zu Motorrädern und Automobilen für die Massen: Opel begann 1899 mit dem Autobau. (Foto: Opel Stellantis)

1887: In Kopenhagen, Dänemark, präsentiert Albert Hammel einen wassergekühlten Zweizylinder-Motorwagen

1888: Im Jahr der Fernfahrt von Bertha Benz erscheint auch der erste zeitgenössische Bildbericht über eine Fahrt mit dem Benz Patent-Motorwagen Modell 3 in der Leipziger "Illustrierten Zeitung". In Großbritannien produziert Magnus Volk in seiner elektromechanischen Werkstatt Dreiräder und Vierräder mit Elektroantrieb. Im August begibt sich Bertha Benz mit einer weiterentwickelten Ausführung des Original-Patent-Motorwagens zusammen mit ihren Söhnen auf eine Erprobungsfahrt nach Pforzheim, die erfolgreich verläuft und von den Medien werbewirksam kommuniziert wird. Zugleich ist dies die erste von einer Frau durchgeführte Automobilfahrt - sofern nicht der damals 15-jährige Sohn Eugen am Steuer saß. Eugen Benz soll 1953 behauptet haben, dass seine Mutter überhaupt nicht fahren konnte. Gottlieb Daimler überträgt dem in die USA ausgewanderten Klavier- und Flügelfabrikanten William Steinway die amerikanischen Rechte für seine Fahrzeuge. Steinway gründete im gleichen Jahr die Daimler-Motor-Company. Daimler gründet die Motor-Wagen-Kutscherei in Stuttgart, das erste automobile Taxiunternehmen

1889: Peugeot präsentiert seinen Typ 1 mit Dampfantrieb von Léon Serpollet. Auf der Weltausstellung in Paris präsentieren Gottlieb Daimler und Carl Benz ihre Motorwagen. Gottlieb Daimler zeigt seinen modernen Stahlradwagen, erhält ein Patent auf einen Zweizylinder-Motor in V-Anordnung und baut einen Vierzylinder-Reihenmotor. Der Stahlradwagen wird adaptiert von Peugeot und Panhard & Levassor

1890: Panhard & Levassor in Frankreich nimmt die Produktion von Zweizylinder-Motoren nach Daimler-Lizenz auf. Auch Peugeot bezieht zunächst die Motoren von Panhard & Levassor und setzt diese im Peugeot Typ 2 ein. In Cannstatt wird die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) gegründet, zu den wichtigsten Märkten gehört Frankreich, wo die Zweizylinder-V-Motoren nach Daimler-Lizenz gebaut werden. Gottlieb Daimler wird 1894 aus dem Unternehmen gedrängt, 1895 zurückgeholt und 1897 Vorsitzender des Aufsichtsrats der DMG. Er stirbt am 6. März 1900. Carl Benz entwickelt den Patent-Motorwagen weiter. Auch er erfährt das größte Interesse für seine Erfindung zunächst in Frankreich

1891: Im Modell 2 erprobt Carl Benz die Achsschenkellenkung, die 1892/93 patentiert wird. Der Benz Modell 2 wird insgesamt in 25 Einheiten verkauft und als letzter Benz mit drei Rädern angeboten, allerdings am Ende schon als Konstruktion mit vier Rädern vorgestellt. Die Räder sind noch mit Holzspeichen ausgestattet, dafür gibt es zwei Vorwärtsgänge und einen stärkeren Motor. Panhard & Levassor entwickeln das System Panhard, nachdem der Motor im Auto vorn platziert ist und die Hinterräder angetrieben werden. Bei Peugeot geht der Typ 3 in Produktion als erstes Serienauto in Frankreich mit Ottomotor

1892: Rudolf Diesel veröffentlicht seine Erfindung des "rationellen Wärmemotors"

1893: Der Benz Victoria als erster Benz mit vier Rädern verfügt serienmäßig über die patentierte Achsschenkellenkung und 3 statt 0,75 PS Leistung. In den USA stellt Frank Duryea das erste Auto mit Ottomotor vor. Ramsom E. Olds (Gründer von Oldsmobile) exportiert als Erstes ein in den USA gebautes Fahrzeug mit Dampfantrieb; gekauft, aber in Indien eingesetzt. Auf der Columbus-Ausstellung in Chicago werden die neuesten Benz- und Daimler-Motorwagen vorgestellt. In Dessau entwickelt Friedrich Lutzmann Fahrzeuge nach dem Vorbild von Carl Benz, sein Unternehmen wird 1899 von Opel erworben

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Rasche Evolution: 1894 ging das Benz Velociped als erstes Auto in großer Auflage in Serienproduktion, hier ein Bild am Wohnhaus der Familie Benz in Ladenburg. (Foto: Mercedes-Benz Classic Archive)

1894: In diesem Jahr ist das wegweisende Benz Motor-Velociped mit Leichtbaukonstruktion ein Wendepunkt für die Automobilindustrie. "Dieses Fahrzeug wurde uns buchstäblich aus den Händen gerissen. Was wir davon erzeugten, wurde verkauft", erinnert sich Automobilerfinder Carl Benz 1909 in einem Interview. Insgesamt entstehen von 1894 bis 1902 im Mannheimer Benz-Werk rund 1.200 Fahrzeuge dieser Typfamilie kompakter Benz-Automobile. Das kurz "Velo" genannte Modell und zu Preisen ab 2.000 Mark verkaufte Fahrzeug ist damit der erste in großer Serie gebaute Personenwagen der Geschichte. Die Brüder Anders und Jöns Cederholm bauen das erste schwedische Auto, das von einem Zweizylinder angetrieben wird. Am 22. Juli 1894 richtet die französische Zeitung "Le Petit Journal" erstmals eine Wettfahrt für Kraftfahrzeuge aus. Sie führt über 126 Kilometer von Paris nach Rouen. Den Sieg teilen sich zwei Fahrzeuge mit Daimler-Lizenzmotor von Peugeot sowie Panhard & Levassor. Dieser Wettbewerb gilt als Geburtsstunde des Motorsports

1895: Ein Benz Omnibus mit Platz für acht Personen und 5 PS starkem Einzylinder-Motor wird ab März von der "Netphener Omnibus-Gesellschaft" im Liniendienst zwischen den Städten Siegen, Netphen und Deuz eingesetzt, es ist die weltweit erste Omnibuslinie. An den britischen Maschinenbauer Arnold vergibt Benz 1895 eine Lizenz, um das Motor-Velociped zu produzieren. Das "Arnold Motor Carriage" ist eines der ersten britischen Automobile. Ein Benz Vis-à-Vis gewinnt mit Fahrer Oscar Mueller am 2. November den "Chicago Times-Herald Expo Run", das erste Autorennen in der Geschichte der USA

1896: Henry Ford stellt sein Quadricycle vor, später wird Henry Ford mit dem Model T die Fließbandfertigung einführen. Die Autowelt wird jedoch noch bis zum Ersten Weltkrieg von Elektro- und Dampffahrzeugen dominiert. Der Dampfautohersteller Stanley produziert in diesem Jahr erstmals 1.000 Einheiten. Das Jahr 1896 ist ereignisreich für die Rheinische Gasmotorenfabrik Benz & Cie. in Mannheim, die bisher von offenen Personenwagen geprägte Produktpalette wird nicht nur um das Nutzfahrzeug "Lieferungs-Wagen" erweitert, sondern auch um das erste Coupé mit Verbrennungsmotor

1897: Benz und Daimler präsentieren ihre Modelle auf dem Vorläufer der heutigen IAA in Berlin im Hotel Bristol. Der erste in Coventry (Großbritannien) gebaute Daimler wird vorgestellt. Am Abend des 24. Dezember 1898 startet Louis Renault in Paris mit dem Prototyp seines ersten Automobils zur Testfahrt. Die Voiturette schafft den Hang dank zweier wegweisender Innovationen mit Bravour, einem Drei-Gang-Getriebe, dessen höchste Stufe als Direktantrieb ausgelegt ist, und einer Kraftübertragung per Kardanwelle anstelle der damals üblichen Gliederkette. Dank der eindrucksvollen Demonstration gewinnt Louis Renault noch am selben Abend die ersten zwölf Aufträge für den Bau seiner "Voiturette", die Geburtsstunde des Automobilherstellers Renault

1899: Ein 16-PS-Benz-Rennwagen erreicht die eindrucksvolle Vmax von 70 km/h. Benz liefert in diesem Jahr 572 Autos aus und ist damit größter deutscher Produzent von benzinbetriebenen Fahrzeugen. Fiat beginnt in Italien mit dem Automobilbau

1900: Gottlieb Daimler stirbt am 6. März. Der Mercedes 35 PS gilt als erstes modernes Automobil und ist der erste Mercedes überhaupt. Am 22. November 1900 stellt die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) in Cannstatt das erste Fahrzeug des Typs fertig. Dieses hoch innovative Automobil entsteht auf Wunsch des DMG-Geschäftspartners und begeisterten Automobilisten Emil Jellinek. Der Kaufmann bestellt allein im Jahr 1900 insgesamt 72 neue Fahrzeuge, die er an Käufer aus der europäischen Oberschicht veräußert. Weltgrößter Autobauer ist der Dampffahrzeugproduzent Locomobile (früher Stanley), gefolgt von Oldsmobile

1902: Auf der Pariser Weltausstellung von 1902 ist der von Daimler ausgestellte erste Mercedes mit von Wilhelm Maybach entwickeltem Bienenwabenkühlergrill der Messestar. Ein für Daimler letzter, allerdings posthumer Triumph, ist doch Frankreich inzwischen weltgrößter Autobauer. Mercedes wird als Wortmarke geschützt

1903: Carl Benz beendet seine aktive Tätigkeit bei Benz & Cie. und wird 1904 in den Aufsichtsrat berufen. 1906 gründet er an seinem Wohnsitz Ladenburg das Unternehmen "Carl Benz Söhne". Carl Benz wird mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt und stirbt hochbetagt am 4. April 1929 in Ladenburg

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Bei Skoda begann die Fahrzeugproduktion mit Zweirädern, ehe 1905 die fortschrittliche Laurin & Klement Voiturette A eine automobile Erfolgsgeschichte initiierte. (Foto: Skoda)

1905: Im heutigen Tschechien starten Václav Laurin und Václav Klement die Entwicklung und Produktion von kleinen, hochwertigen Automobilen mit der Voiturette Typ A (1 Liter Hubraum, 5,2 kW/7 PS Leistung); der Beginn der Automobilproduktion von Skoda. Gleichzeitig gründet L&K Filialen in verschiedenen europäischen Ländern, Asien, Afrika und Südamerika

1906: Carl Benz übergibt den Original-Patent-Motorwagen aus dem Jahr 1886 an das Deutsche Museum in München, wo er seitdem ausgestellt wird

2011: Das Patent für den ersten Benz-Motorwagen wird von der Unesco in das Weltdokumentenerbe aufgenommen

2024: Die Deutsche Post ehrt Bertha Benz und ihre Pionierfahrt mit dem Patent-Motorwagen auf einer Briefmarke

2025: Ein Benz Victoria aus der Pionierzeit des Automobils absolviert erfolgreich die "TÜV"-Hauptuntersuchung

2026: Das patentierte Automobil wird 140 Jahre alt, Mercedes-Benz feiert den von Carl Benz entwickelten ersten dreirädrigen Motorwagen und die erste Motorkutsche von Gottlieb Daimler im Rahmen zahlreicher Events. Verschiedene Gedenkstätten erinnern bis heute an die Pioniere. Gottlieb Daimlers Geburtshaus in Schorndorf erwirbt die damalige Daimler-Benz AG 1979. Das Carl-Benz-Haus in Ladenburg ist von 1905 an Wohnsitz der Familie und wird 1985 von der Daimler-Benz AG gekauft. Seit 1986 ist es Sitz der "Gottlieb Daimler und Karl Benz Stiftung" (seit 2010 "Daimler und Benz Stiftung"). Die Versuchswerkstatt im Gewächshaus des Gartenhauses der Daimler-Villa in Cannstatt wird schon 1940 als Gedenkstätte eröffnet

Pionier-Fahrzeuge der Motorisierungsgeschichte

Roper Dampfwagen (ab 1867), USA, entwickelt von Sylvester H. Roper aus Roxbury/Massachusetts, zwei Versionen als Velociped und als konventionelle Kutsche mit eingebauter 2-PS-Dampfmaschine, Vmax ca. 32 km/h;

Marcus Motorwagen (ab 1870), Österreich, entwickelt von Siegfried Marcus, mit ca. 0,75 PS Leistung, Vmax 6 bis 8 km/h;

De Dion-Bouton Dampfwagen (ab 1883), Frankreich, entwickelt von Jules-Albert de Dion in Kooperation mit den Ingenieuren Bouton und Trépardoux als vierrädrige Dampf-Voiturette, mit bis zu 1 PS Leistung, Vmax 25-32 km/h;

Benz Patent-Motorwagen (1886), Deutschland, entwickelt von Carl Benz mit 0,95-Liter-Einzylinder-Motor, Leistung 0,75 PS, Vmax 16 km/h;

Daimler Motorkutsche (1886), Deutschland, entwickelt von Gottlieb Daimler mit 0,5-Liter-Einzylinder-Motor, Leistung 1,1 bis 1,5 PS, Vmax 18 km/h;

Hammel Motorkutsche (1887), Dänemark, entwickelt von Albert Hammel mit 2,7-Liter-Zweizylinder-Motor, Leistung 2,5 bis 3,5 PS, Vmax 10 km/h;

Benz Patent-Motorwagen Typ 3 (1888), Deutschland, entwickelt von Carl Benz mit 1,05-Liter-Einzylinder-Motor, Leistung 1,5 PS, Vmax über 20 km/h;

Daimler Stahlradwagen (1889), Deutschland, entwickelt von Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach mit 0,6-Liter-Zweizylinder-Motor, Leistung 1,5 PS, Vmax 18 km/h;

Peugeot Typ 1-Motorwagen (1889), Frankreich, entwickelt von Armand Peugeot mit Serpollet-Dampfmotor, Leistung 2 PS, Vmax 25 km/h;

Panhard & Levassor 2 bis 3¾ CV (1890-1896), Frankreich, entwickelt von René Panhard und Emile Levassor mit 0,9-Liter bis 1,3-Liter-Zweizylinder-Motor in Daimler-Lizenz, Leistung 2 bis 4 PS, Vmax bis 35 km/h;

Peugeot Typ 2-Motorwagen (1890), Frankreich, entwickelt von Armand Peugeot mit 0,6-Liter-Zweizylinder-Daimler-Motor, Leistung 2 PS, Vmax 18 km/h;

Peugeot Typ 3-Motorwagen (1891-1894), Frankreich, entwickelt von Armand Peugeot mit 0,6-Liter-Zweizylinder-Motor, Leistung 2 PS, Vmax 18 km/h;

Duryea Motorwagen (1893), USA, entwickelt von Charles Edgar Duryea mit Daimler-ähnlichem Einzylinder-Motor, Leistung 4 PS;

Bremer Motorwagen (1894), Großbritannien, entwickelt von Fredrick William Bremer, 0,6-Liter-Einzylinder-Motor, Leistung ca. 1 PS;

Benz Velo (1894-1901), Deutschland, entwickelt von Carl Benz, 1,05-Liter-Einzylinder-Motor, Leistung 1,5 bis 3,5 PS,

Benz Victoria (1894-1895), Deutschland, entwickelt von Carl Benz, 2,0-Liter-Einzylinder-Motor, Leistung ca. 4 PS;

Bernardi Motorwagen (1894), Italien, entwickelt von Enrico Bernardi mit 0,6-Liter-Einzylinder-Motor, Leistung 2,5 PS, Vmax 32 km/h;

Knight Motorwagen (1895), Großbritannien, entwickelt von John Henry Knight, 1,6-Liter-Einzylinder-Motor, Vmax 13 km/h;

Ford Quadricycle (1896), USA, entwickelt von Henry Ford, 1,1-Liter-Zweizylinder-Motor, Leistung 3 PS, Vmax 32 km/h;

Vabis Motorwagen (1897), Schweden, entwickelt von Gustav Erikson für den Eisenbahnwagonhersteller Vabis Vagnfabrik, Zweizylinder-Motor, Leistung 6 PS, Vmax 30 km/h;

Renault Voiturette (1898), Frankreich, entwickelt von Louis Renault, 0,27-Liter-Einzylinder-Motor, Leistung 1,75 PS, Vmax 32 km/h;

Opel Patent-Motorwagen System Lutzmann (1899-1902), Deutschland, entwickelt von Friedrich Lutzmann, 1,5-Liter-Einzylinder-Motor, Leistung 3,5 PS, Vmax bis 20 km/h;

(Skoda) Laurin & Klement Voiturette A (1905), Tschechien, 1,0-Liter-Einzylinder-Motor, Leistung 7 PS, Vmax 40-50 km/h.

Quelle: ntv.de, Wolfram Nickel, sp-x

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