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Nur für Extrovertierte? Ducati Diavel 1260 S - teuflische Diva

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Die Ducati Diavel 1260 S sieht aus wie 300 Kilogramm, wiegt aber nur 244.

(Foto: Ducati)

Nach acht Jahren bringt Ducati die zweite Generation seines eigenwilligen Sport-Cruisers Diavel auf den Markt. Dabei bleibt sich das extrovertierte Bike bis in die letzte Faser treu, ist aber angereichert mit allen technischen Finessen.

Manche Motorräder stellen hohe Ansprüche an die Fahrkünste ihres Piloten, andere an dessen Körpergröße oder sein Bankkonto. Wieder andere verlangen wahre Fakir-Fähigkeiten des Sozius, aber nur ganz wenige Motorräder stellen Ansprüche an die Persönlichkeit ihres Besitzers. In diese Gattung möchte man die Ducati Diavel einordnen, die soeben in zweiter Generation erschienen ist.

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Die italienische Diva kommt schon etwas extrovertiert daher und verlangt Gleiches von ihrem Fahrer oder ihrer Fahrerin.

(Foto: Ducati)

Man(n) muss schon ziemlich extrovertierter sein, um auf dieses nach 300 Kilogramm Leergewicht ausschauende Teufelsding abzufahren und sich mit diesem Italo-Supersportcruiser sehen zu lassen. Marbella ist so eine Gegend, auch in Rimini, Monte Carlo oder Nizza gibt es genügend Diavel-People auf. Aber Essen-Kettwig? Wolfsburg? Kiel? Kaum vorstellbar, dass man dort einmal eine Ducati Diavel zu Gesicht bekommt.

Das ist eigentlich schade, denn Ducatis Teufelsbike ist ein Statement. Schickt sie doch alle Harleys zum Teufel, ignoriert alle BMWs, Triumphs und sogar die KTM 1290 Super Duke R: Auf dem Teufelsding tobt das Leben! Einzig eine Horex VR6 könnte ihr Paroli bieten, doch auch diese Rarität erscheint gegenüber der italienischen Diva schon fast zu normal. Denn ein Heck wie die Diavel, dazu eine Front und auch einen solchen Resonanzkörper direkt hinter dem Motor hat kein anderes Bike. Am Ende ist es aber die Kombination aus Nakedbike, Supersportler und Cruiser, die die Diavel so einzigartig macht, denn all das beeinflusst ihre DNA. Und dazu muss man als Fahrer eben passen.

Enorme Maße mit Überhang

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Normal große Fahrer müssen sich schon ordentlich über den Tank spannen, um den Lenker zu erreichen.

(Foto: Ducati)

Schon die Maße sind enorm: Einen Meter sechzig misst der Radstand, und der Tank ist der breiteste, den die Motorradwelt derzeit kennt. Weil erst hinterm Motor genug Platz ist, um einen Sitz in akzeptablem Abstand zum Boden montieren zu können, nimmt der Fahrer schon fast auf dem Hinterrad Platz. Das bedingt zumindest bei normalgroßen Piloten eine deutlich über den langen Tank gespannte Sitzhaltung. Die Füße finden keineswegs cruisertypisch direkt unterhalb des Fahrers Platz, werden also nicht nach vorne gestreckt. Das ist weder unbequem noch unsportlich, aber gewöhnungsbedürftig.

Traut man sich dann auch noch, das bescheidene 244 Kilogramm wiegende Teufelsding mit seinem 159 PS starken Motor so um die Kurven pfeilen zu lassen, wie die Konstrukteure das dank 41 Grad Schräglagenfreiheit ermöglichen, ist man fraglos ein Kandidat für Sonderbeifall in der Applauskurve. Anders gesagt: Die Diavel 1260S weist angesichts ihres Äußeren und eines 249 Millimeter breiten Hinterreifens ein unerwartet agiles Fahrverhalten auf, das man sich aber erst erarbeiten muss.

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Die Ducati Diavel 1260S lässt eine erstaunliche Kurvenschräglage zu.

(Foto: Ducati)

Ansonsten hat die neue Diavel 1260S alles was sich im Hightech-Kochtopf der Bologneser Hexenküche finden ließ: Assistenzsysteme jeglicher Couleur vom Quickshifter über eine Wheelie-Kontrolle bis zum Kurven-ABS, eine variable Ventil-Desmodromik im mattschwarz lackierten V2-Reaktor und natürlich auch allerfeinste Komponenten für Bremsen und Radführungen der Nobel-Hersteller Brembo und Öhlins.

Bald Stammgast in Flensburg?

Weil Ducati bei der Abstimmung aller Details höchste Anerkennung genießt, sind alle Einzelheiten über jede Kritik erhaben. Dennoch kann eine Diavel niemals Everybodys Darling werden. Sie ist speziell, fordert ihren Fahrer, sein Zutrauen, seine Hingabe und, ja, auch sein Zupacken. Es ist durchaus Druck am breiten Lenker nötig, um den vorzüglichen Diablo Rosso III bis an den Rand seiner Lauffläche zu nutzen. Hat man sich auf die besonderen Umstände der Diavel aber eingeschossen, wächst die Gefahr, Stammgast in "Flensburg" zu werden: Ihr extrem durchzugsstarkes Triebwerk reißt unbändig an, mittels des tadellos funktionierenden Quickshifters ist man blitzartig jenseits von Gut und Böse. Andererseits ist es kein Problem, sich im Urban-Fahrmodus mit Tempo 10 bis 30 kilometerweit durch Staus zu wühlen, denn viel mehr als Leerlaufdrehzahl und gelegentlich eine flinke Kupplungshand sind nicht nötig für solche Übungen.

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Unter 20.000 Euro ist eine Ducati Diavel 1260S nicht zu haben.

(Foto: Ducati)

Bei aller Exotik, die das Äußere der Diavel 1260S ausstrahlt: Technisch ist sie so anspruchslos wie jede andere Ducati: Der Ölservice ist nur alle 15.000 Kilometer nötig, der Desmo-Service für die speziell gesteuerten Ventile alle 30.000 Kilometer. Selbst ihr Benzinverbrauch ist maßvoll; im ersten Test war die Realisierung des Normverbrauchs kein Problem, zumindest laut Bordcomputer. Mit dessen Hilfe lässt sich an zahllosen Rädchen "drehen": Der Fahrer kann praktisch alle Assistenzsysteme individualisieren.

Unter 20.000 Euro ist der Zutritt zum Club der Teufelsbrüder allerdings nicht möglich, gerne darfs auch deutlich mehr sein, denn es gibt reichlich Zubehör, teils zu Paketen geschnürt, beispielsweise um Mitfahrer beim Beschleunigen mittels Rückenstütze vor dem Totalverlust zu bewahren. Auch zierliche Seitenköfferchen für Zahnbürsten und anderes Kleinzeug sind im Angebot, aber auch mehr Leistung verheißende Dinge gibts. Schließlich kann man von manchem nie genug bekommen.

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

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