Teurer Spaß Mercedes Marco Polo - der Glamper unter den Campern

Glamouröses Camping, also Glamping, ist weltweit schon seit einiger Zeit im Trend. Dass es nicht günstig ist, unabhängig und individuell auf stilvolle Art inmitten der Natur zu campen, versteht sich. Die Mercedes-V-Klasse kommt als Marco Polo leicht angepasst für die Saison 2026.
Camping mit Wohnmobil oder Camper-Van nennt sich nicht umsonst Urlaub von Anfang an. Statt nervigen Planens, Buchens, Schlangestehens vor vollgestopften Flugzeugen, Kofferschleppens zwischen geänderten Bahngleisen verspäteter Züge und sonstiger Mühsal steht der eigene Camper jederzeit bereit. Einladen, einsteigen, losfahren. Und zwar gerne auch dorthin, wo der Rest der Urlauber-Herde nicht hintrabt.
Wer nicht nur Urlaub, sondern auch Glamping von Anfang an möchte, für den hält Mercedes-Benz den Marco Polo bereit. Und das schon seit 1984, als die Marke zum ersten Mal den Namen des venezianischen Entdeckers auch für seinen Camper entdeckte, der damals auf dem Transporter T1 basierte.
Der aktuelle Marco Polo auf V-Klasse-Basis nimmt es mit dem Glampen allerdings erheblich ernster als sein Urahn auf dem Fahrgestell des eher ruppigen Nutzfahrzeugs T1. Schon beim Einsteigen präsentiert er sich edel, mit wertigen Materialien, großem Display und sehr bequemen Sitzen, was Vorfreude auch auf lange Strecken macht.
Für Glamping von Anfang an sorgt auch die auf Wunsch für knapp 2400 Euro lieferbare Luftfederung, die nicht nur für viel Fahrkomfort sorgt. Sollte der auserkorene Stellplatz später nicht eben sein, nivelliert sie - für weitere 551 Euro - den glamourösen mobilen Pavillon dank ihrer einzeln ansteuerbaren Luftbälge automatisch und sorgt für ruhigen Schlaf im äußerst bequemen Bett unter dem Aufstelldach. Die 2,05 mal 1,13 Meter große Kaltschaum-Matratze unterstützt eine flexible Auflage mit punktelastischen Federelementen, die wie eine Mischung aus Lattenrost und Boxspringfedern wirkt. Das Ergebnis hat ntv.de voll überzeugt.
Hochbett mit Aussicht
Das Aufstelldach selbst ist beim überarbeiteten Marco Polo erstmals als Aluminium-Doppelschale statt wie vorher aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt, was die Isolierung verbessert und es deutlich leichter macht. Wer sich die 2171 Euro für den elektrischen Dachantrieb sparen will, dürfte das zu schätzen wissen. Aber weniger Gewicht an der höchsten Stelle des Autos verbessert den Verbrauch, die Fahreigenschaften und reduziert Wankbewegungen der Karosserie.
Zweiter Vorteil des neuen Daches ist der jetzt zum Reinigen herausnehmbare Dachhimmel und zehn Zentimeter mehr Höhe am hinteren Ende des aufgestellten Daches. Zum Jahresende soll es auf Wunsch sogar ein Panoramadach im Aufstelldach geben. Bereits zu haben ist eine Panorama-Öffnung vorn im Faltenbalg, die für 485 Euro Aufpreis Aussicht in die Natur oder auf den Sonnenaufgang bietet.
Ganz zum Glamping-Thema passt auch das neue Lichtkonzept rund um das Aufstelldach, bei dem integrierte LED-Leuchten individuell wählbare Lichtszenarien ermöglichen. Steuerbar ist das Ganze per Smartphone dank Marco-Polo-App der "Mercedes-Benz Advanced Control (MBAC)", wie übrigens auch sehr viele andere Funktionen im Fahrzeug, vom Aufstelldach bis zur Musikanlage. Klingt nach Glamour, ist aber tatsächlich einfach nur ungeheuer praktisch. Schließlich muss man sich zur Bedienung wichtiger Funktionen nicht mehr aus dem Bett strecken oder gar zirkusreife Verrenkungen unternehmen, um bestimmte Schalter zu erreichen.
Im Marco Polo können bis zu vier Personen nächtigen, wobei die beiden Schlafplätze auf der Sitzbank im Erdgeschoss Umbaumaßnahmen im hinteren Fahrzeugbereich erfordern, auch wenn sich das wunschgemäß in Stoff oder wertigem Leder bezogene Möbel elektrisch bewegen lässt.
Platz ist in einem Glamper von der Dimension eines Marco Polo immer ein Thema. Den Vorteil, dass das Auto gerade noch so als Alltagsfahrzeug durchgeht, bezahlt man mit entsprechend begrenztem Raumangebot und der Abwesenheit einer Toilette. Der Marco Polo misst bloß 5,14 Meter in der Länge und ist 2,25 Meter breit inklusive Außenspiegel. Aufgepasst im Parkhaus mit 1,99 Metern Höhe und 11,8 Metern Wendekreis. Für einen Camper ist das schließlich eher kompakt, aber dafür rückt das Glamping-Erlebnis für eine kritische Masse an Kunden in finanzielle Reichweite.
Zur Katzenwäsche langt das herausnehmbare Waschbecken des Küchenblocks gerade so, und am Heck ist eine Außendusche nutzbar, solange der 38 Liter kleine Frischwassertank gefüllt ist. Wer ungern kalt duscht, sollte die Warmwasser-Zusatzheizung für knapp 1444 Euro bestellen, mit Funkfernbedienung noch mal 560 Euro mehr. Glampen ist eben nicht billig.
Viele Details machen das Glamping-Erlebnis aus
Mercedes hat beim Marco Polo sein Bestes gegeben, um in sämtlichen Schubladen so viel und das vor allem so griffbereit wie möglich unterbringen zu können. Die Küchenzeile mit zwei Gasflammen wirkt außerdem hochwertig, und der Kühlschrank ist jetzt verbrauchsgünstiger. Wunder sind allerdings nicht zu erwarten und schon gar nicht vom Kleiderschrank.
So fühlt sich das Campen umso glamouröser an, je weniger Bewohner daran teilnehmen. Zwei Personen genießen pures Glamping, mit Kindern dazu wird es etwas enger für den Glamour. Bei schönem Wetter sorgt hier die Markise (1033 Euro) für Entspannung der Raumsituation, da sich auch Glamping natürlich vornehmlich draußen abspielt. Neuheit beim Vordach: Die komplette Markisenkassette lässt sich mit zwei Handgriffen einfach abnehmen, wenn das Auto in die Waschanlage soll. Die Kurbel ist in der Kassette verstaut und braucht so keinen Platz im Auto. Markise und Kurbel sind jeweils mit einem Schloss gesichert. Das ist das Ergebnis, wenn ein Hersteller auf seine Kunden hört.
Das gilt auch für die Verdunkelung der Cockpitfenster, die sich jetzt dank Magneten viel einfacher anbringen lässt als bisher mit den Druckknöpfen. Sehr oft sind es tatsächlich scheinbar kleine Verbesserungen, die Camping zum Glamping machen. Vereinfachung alltäglich notwendiger Handgriffe gibt mehr Zeit für das Genießen. Zu diesen Kleinigkeiten gehören auch die vereinfachte Mechanik des Klapptisches und die verbesserte Funktion der Schubladen und Türen.
Zur Umsetzung dieser vielen kleinen und größeren Verbesserungen nutzt der Hersteller, dass der Marco Polo seit Modelljahr 2026 zwar nach wie vor auf der Basis der (noch parallel zum VLE laufenden) V-Klasse aus dem spanischen Werk Vitoria aufbaut, seine Camping-spezifische Ausstattung jedoch jetzt im Mercedes-Benz-Werk in Ludwigsfelde bei Berlin erhält, nicht mehr beim Dienstleister Westfalia. In Brandenburg entstand dafür eine neue Produktionshalle. Der Wechsel des Herstellungsprozesses soll laut Mercedes mehr Flexibilität zum Beispiel für Verbesserungen der beschriebenen Art, kürzere Lieferzeiten und nicht zuletzt auch höhere Qualitätsstandards ermöglichen.
Gut und teuer
Wie eingangs erwähnt, ist Glamping auf dem Niveau des Marco Polo erwartbar alles, nur kein preiswertes Vergnügen. Schon das recht ordentlich für Glamping ausstaffierte Basismodell 220 d (Diesel) mit zwei Litern Hubraum und 163 PS kostet circa 80.000 Euro. Enthalten sind zum Beispiel die feine Neungang-Automatik, das Parkpaket mit Rückfahrkamera und das Aufstelldach mit manueller Bedienung.
Der Testwagen, den ntv.de eine Nacht lang für eine Glamping-Erfahrung in der wunderschönen Uckermark nutzen konnte, verwöhnte mit fast allem, was Marco Polo zu bieten hat. Hier werkelte der beeindrucken kräftige wie samtweiche Selbstzünder des 300 d - ebenfalls der OM654-Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum und hier allerdings 237 PS. Dazu passen dann auch der permanente Vierradantrieb, die Luftfederung sowie die elektrischen Antriebe für Aufstelldach, Schiebetür und Heckklappe. Nimmt man dann noch die AMG-Line hinzu, addieren sich die glamourösen Details bei diesem Top-Glamper zu seinem Basispreis von 89.300 Euro auf knapp 122.000 Euro.
Wer nicht ganz so tief in die Tasche greifen mag, für den bietet sich der Marco Polo Horizon an. Zum Grundpreis von 68.121 Euro verzichtet das Freizeitmobil auf Küchenzeile und Kleiderschrank, verwöhnt aber serienmäßig ebenfalls mit dem sehr bequemen Bett unter dem Aufstelldach und den zwei Schlafplätzen auf der flexiblen Rücksitzbank. Für das kleine Glamping zwischendurch.