Das Bett im KofferraumMicro-Camper - so können sie eine Wohnmobil-Alternative sein

In der Woche ins Büro, am Wochenende zum Campingplatz: Micro-Camper auf Basis kompakter Hochdachkombis versprechen beides in einem Fahrzeug. Vom fertigen Werksausbau über den Profi-Umbau bis zur herausnehmbaren Campingbox - es gibt einige Optionen.
Der Trend zum Campingurlaub ist weiterhin stark ausgeprägt - 44,7 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen waren 2025 ein neuer Höchststand - aber die Bedürfnisse differenzieren sich. Neben klassischen Campervans wie VW California, Ford Nugget oder Mercedes-Benz Marco Polo gewinnen einfachere und günstigere Konzepte an Bedeutung. Dazu gehören Micro-Camper auf Basis kompakter Hochdachkombis. Ihr Versprechen: ein Auto für den Alltag, ein Bett fürs Wochenende.
Modelle wie VW Caddy, Peugeot Rifter, Renault Kangoo oder verwandte Hochdachkombis passen in Tiefgaragen und normale Parklücken, eignen sich zum Pendeln und Einkaufen, sind in der Stadt wendig und lassen sich als Fünfsitzer nutzen. Auch Verbrauch und Wartungskosten liegen eher auf Pkw- als auf Wohnmobilniveau.
Meist Nachrüstung der Campingfunktion
Ausbaulösungen ab Werk wie beim VW Caddy California sind dabei die Ausnahme. Üblicherweise wird die Campingfunktion nachgerüstet: über einen spezialisierten Ausbauer oder über herausnehmbare Boxen und Module, die im Alltag in Garage oder Keller gelagert werden können.
Die wichtigste Einschränkung der Micro-Camper ergibt sich direkt aus ihrer Alltagstauglichkeit: Sie bieten Schlafplatz und Stauraum, verzichten aber ansonsten auf fast alles, was klassische Wohnmobile ausmacht. Geschlafen wird auf einer Matratze, die oft etwa 1,20 Meter breit und rund 2 Meter lang ist. Sie klappt für die Nacht über die umgelegten oder ausgebauten Rücksitze. Häufig sorgt ein ebenfalls klappbarer Lattenrost für etwas mehr Komfort.
Heckklappe als einfaches Dach
Gekocht und gegessen wird draußen, bei schlechtem Wetter dient die geöffnete Heckklappe als einfacher Wetterschutz. Stauraum oder Platz für ein herausziehbares Küchenmodul ist meist im Kofferraum unter dem Bett zu finden. Lässt sich die Rückbank ausbauen, entsteht zusätzlicher Raum für Sportausrüstung oder Campingmöbel.
Bad, feste Sitzgruppe, Wasseranschluss oder ein vollwertiger Stromanschluss sind nicht vorgesehen. Wer mit mehr als zwei Personen reist, muss auf ein Dachzelt oder eine andere Zusatzlösung ausweichen.
Mit Heckküche Einstufung als Wohnmobil möglich
Die Varianten Werkslösung, professioneller Ausbau und herausnehmbare Campingbox unterscheiden sich vor allem bei Preis, Komfort und Alltagstauglichkeit. Beim VW Caddy California (ab 37.700 Euro) ist der Ausbau fest integriert, aber bewusst reduziert. Das dreiteilige Bett liegt im Kofferraum, wird mit einem Griff nach vorn entfaltet und in seitlichen Aussparungen der B-Säulen verankert.
Wird die optionale, ausziehbare Heckküche mit Einflammen-Gasherd dazugebucht, ist eine Einstufung als Wohnmobil möglich. Die Rücksitze lassen sich umlegen oder für mehr Stauraum herausnehmen.
Nach ähnlichem Prinzip bieten verschiedene Ausbauer weitere Hochdachkombis mit Campingfunktion an, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Vanderer etwa offeriert für den Citroën Berlingo ein besonders niedrig eingebautes "Sleep and Storage"-Modul an (ab 33.000 Euro). Das lässt im Alltag mehr Kofferraum und schafft auf Reisen Platz für sperriges Gepäck wie Fahrräder oder Stand-up-Paddling-Boards.
Varianten mit Hochdach deutlich teurer
Komfortablere Varianten mit Hochdach bieten Stehhöhe, kosten aber deutlich mehr. Bei Vanderer beginnen solche Lösungen bei mindestens 39.000 Euro plus Möbelmodule.
Deutlich einfacher und günstiger sind Campingboxen, die vorhandene Fahrzeuge vorübergehend zum Mini-Camper machen. Sie werden als Module in den Kofferraum gesetzt und bündeln Bett, Stauraum und auf Wunsch auch Küche in einer Einheit. Vanessa Mobilcamping bietet zum Beispiel eine Heckküche für den Nissan Townstar für rund 2300 Euro an; das passende Schlafmodul kostet zusätzlich rund 1000 Euro.
Wer wenig Platz im Keller oder der Garage hat, wählt ein zerlegbares System. Der Anbieter Camperkit fertigt solche Module aus Birkenmultiplex-Holz. Küchen-, Stauraum- und Schlafmodul kosten zusammen zum Beispiel rund 2600 Euro für den Ford Tourneo Connect. Zubehör wie Fenstertaschen für mehr Stauraum, eine Kühlbox für den 12-Volt-Anschluss oder ein Heckzelt macht die Mini-Camper reisetauglicher.